Keine "Hilfstruppen für Milliardäre"
Gabriel droht mit gesetzlichen Schritten im Fußballstreit

Nach der Niederlage der ARD im Fußballstreit mit der Kirch-Gruppe vor dem Münchner Landgericht hat der niedersächsische Ministerpräsident Sigmar Gabriel nun gesetzliche Schritte angedroht.

ap FRANKFURT/MAIN. Sollte es keine Einigung geben, müsse über eine Änderung des Rundfunkstaatsvertrags nachgedacht werden, sagte der SPD-Politiker der "Woche". Der FDP-Fraktionsvorsitzende Wolfgang Gerhardt rief die Fußballfans dazu auf, ihre persönliche Marktmacht beim Fernsehen einzusetzen.

Gabriel sagte, Informationen über die Top-Spiele am Samstag dürften den Zuschauern nicht zu lange vorenthalten werden. Sonst werde das Recht auf Kurzberichterstattung den Interessen des Medienunternehmers Leo Kirch und des Liga-Verbands geopfert.

Gerhardt nannte es absurd, dass Fußballfans erst lange nach dem Ende der Bundesligaspiele in "ran" bei Sat1 informiert würden. "Wenn die Verbraucher, die Fußballfans sich jetzt stark zeigen, dann können sie am Ende nach meiner Überzeugung gewinnen", sagte der FDP-Politiker im SWR. Auch die Zuschauer hätten eine Marktmacht, wie sich bereits am vergangenen Samstag an den niedrigen Quoten gezeigt habe.

Am Dienstag hatte das Münchner Landgericht einen Antrag der ARD auf Einstweilige Verfügung gegen die Sportrechteagentur ISPR der KirchGruppe abgelehnt. Damit kann die Hauptausgabe der "Tagesschau" vorerst nicht mehr frei über alle Spiele der Bundesliga berichten. Die ARD kündigte Beschwerde beim Oberlandesgericht München an.

Gerhardt forderte zudem, dass sich die Bundesligavereine überlegen müssten, welchen Beitrag sie künftig zu den Sicherheitsmaßnahmen leisten könnten. Gerade diejenigen Vereine, die für die Vergabe der Fernsehrechte zuständig seien, müssten sich jetzt die Frage gefallen lassen, was sie für die Sicherheitsdienste zu zahlen bereit seien.

Auch die Gewerkschaft der Polizei (GdP) schloss sich der Forderung an: Alle öffentlichen Dienstleistungen, die aus den Taschen der Steuerzahler finanziert werden, insbesondere auch Polizeieinsätze bei Bundesligaspielen, sollten künftig dem Deutschen Fußballbund (DFB) in Rechnung gestellt werden, erklärte der GdP-Vorsitzende Konrad Freiberg. "Auch wir lieben Fußball, sind aber keine Hilfstruppen für Milliardäre", sagte Freiberg.

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