Keine Hoffnungen auf baldige Erholung
Analysten sehen Dax-Erholung erst zum Jahresende

Nachdem eine Gewinnwarnung nach der anderen Hoffnungen auf eine baldige Erholung der gebeutelten deutschen Aktien zunichte gemacht hat, rechnen Experten erst zum Jahresende wieder mit einer Aufwärtstendenz an den Börsen.

Reuters MÜNCHEN. Der Schlüssel für die Entwicklung an den Aktienmärkten sei die weltweite konjunkturelle Situation, hieß es bei den Analysten. Während es in den USA erste Anzeichen auf eine Stabilisierung der wirtschaftlichen Lage gäbe, bleibe die Stimmung in Europa eingetrübt. "Kurzfristig ist das Umfeld für die deutschen Bluechips schlecht", sagte Herbert Sturm, Aktienstratege bei der DG Bank. Er rechne mit positiven Signalen der Frühindikatoren wie des Ifo-Geschäftsklima-Index erst Ende des dritten Quartals.

Am Freitag sorgte die Gewinnwarnung des US-Chipherstellers Advanced Micro Devices (AMD) für neue Tiefststände der deutschen Technologiewerte. Der Deutsche Aktienindex (Dax) fiel zeitweise um 1,7 Prozent auf 5 896 Punkte, der Neue-Markt-Index Nemax-50 brach um mehr als sechs Prozent auf ein Allzeittief bei 1 194 Punkten ein. Mit dem negativen Ausblick für die Gewinne im zweiten Quartal 2001 folgte AMD einer ganzen Reihe von Technologiekonzernen wie Infineon, Nokia oder zuletzt der britische Telekomausrüster Marconi, dessen Aktienkurs nach der Gewinnwarnung um die Hälfte einbrach.

An der desolaten Verfassung des Marktes werde sich so schnell nichts ändern, sagte ein Analyst einer großen deutschen Bank. Das zeige die hohe Volatilität nach den jüngsten Gewinnwarnungen. "Vor weiteren Hämmern wie bei Marconi sind wir nicht gefeit", sagte er. Die nähere Zukunft vieler Unternehmen liege im Unklaren. So habe der Münchener Technologiekonzern Siemens nicht einmal einen Ausblick für sein laufendes zweites Halbjahr gegeben. Negative Überraschungen bei den anstehenden Quartalsberichten erwarte er aber nicht: "Ich glaube nicht, dass es noch schlimmer kommen wird. Die Unternehmen haben alles Negative eingebettet in ihre Prognosen."

Trübe konjunkturelle Lage

Dass die Börse auf die Gewinnwarnungen mit solchen Kurseinbrüchen reagiere, liegt nach Einschätzung der Experten auch an der allgemein trüben konjunkturellen Lage in Europa. Zum einen zeigten die Frühindikatoren noch deutlich nach unten, zum anderen blieben Zinssenkungen durch die Europäische Zentralbank (EZB), die die Konjunktur ankurbeln könnten, wohl bis auf weiteres aus. Erst am Donnerstag hatte EZB-Präsident Duisenberg die geldpolitische Haltung der Zentralbank als "für einige Zeit" angemessen bezeichnet.

"Im Moment gibt es in Europa noch nicht die großen Anhaltspunkte für eine Verbesserung der konjunkturellen Lage", sagt Gerhard Schwarz von der HypoVereinsbank. Deshalb rechne er mit einer Bodenbildung bei den Kursen der deutschen Standardwerte, die noch einige Zeit anhalten könne. "Bis zum Jahresende haben wir aber durchaus die Chance, eine Tendenz nach oben zu sehen", sagte er. Das hänge davon ab, wie groß das Vertrauen in den US-Aufschwung sei und ob die europäischen Frühindikatoren dann positive Signale setzten. Für den Dax rechnet er mit einem Jahresendstand bei 6800 Punkten, was einem Aufschlag gegenüber dem jetzigen Niveau von knapp 15 Prozent entspräche.

Europa wird folgen

DG-Bank-Analyst Sturm gibt sich etwas weniger optimistisch und prognostiziert ein Dax-Niveau zum Jahresende von 6 600 Punkten. "Wir rechnen aber nicht damit, dass der Dax nochmal auf seine Jahrestiefststände bei 5 350 Punkten fällt", sagte er. In den USA deuteten die Zeichen bereits auf eine Verbesserung der konjunkturellen Lage. "Europa wird mit einer zeitlichen Verzögerung folgen", fügte er hinzu. Ein anderer Analyst sagte: "Wir erwarten erst zum Ende des Jahres, etwa im Oktober oder November wieder einen positiven Konjunkturimpuls, dann aus den USA". Wenn sich Licht am Konjunkturhimmel zeige, könnten Fonds ein Dax-Niveau von 5 700 Punkten als Gelegenheit für einen Einstieg nutzen.

Genaue Prognosen für die Entwicklung des Neuen Marktes hielten die Experten für schwierig. An diesem Marktsegment sei das Vertrauen sehr viel schwieriger wieder zurückzugewinnen. "Das Risiko ist immer noch sehr hoch", sagte Schwarz. Er glaube schon, dass sich auch der Neue Markt in einer Phase der konjunkturellen Erholung wieder einen Trend nach oben aufweisen werde, aber bis auf welches Niveau das gehen könne, wisse niemand.

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