Keine Holding-Struktur geplant: VW hofft auf zweites Halbjahr

Keine Holding-Struktur geplant
VW hofft auf zweites Halbjahr

Die Volkswagen AG hat zur Hauptversammlung nach Hamburg geladen. VW-Chef Bernd Pischetsrieder hat nicht nur gute Nachrichten für die Aktionäre im Gepäck.

Reuters HAMBURG. Europas größter Autohersteller Volkswagen richtet nach einem operativen Gewinnrückgang im ersten Quartal 2003 seine Hoffnung auf die zweite Jahreshälfte. Trotz der für das zweite Halbjahr erwarteten erheblichen Verbesserung des Ergebnisses, bekräftigte Konzernchef Bernd Pischetsrieder am Donnerstag auf der Hauptversammlung des Unternehmens in Hamburg seine Prognose eines insgesamt niedrigeren operativen Ergebnisses für das Gesamtjahr.

"Wir gehen aber davon aus, dass sich das operative Ergebnis auf Grund steigender Absatzzahlen durch die erweiterte sowie erneuerte Modellpalette (...), gerade im dritten und vierten Quartal erheblich verbessern wird", sagte Pischetsrieder. Im ersten Quartal hätten hohe Anlaufkosten für neue Modelle, negative Währungseffekte durch den starken Euro sowie Wertpapierabschreibungen wie erwartet zu Buche geschlagen und das operative Ergebnis unter den Vorjahreswert von 1,13 Milliarden Euro gedrückt.

Angesichts der derzeit schwachen Autokonjunktur hatte Pischetsrieder bereits im März gewarnt, das operative Ergebnis werde - wenn sich Wechselkurse und Marktsituation nicht verbesserten - das Vorjahresniveau nicht wieder erreichen. Die 2002 erzielten 4,7 Milliarden Euro lagen bereits gut zwölf Prozent unter dem Wert von 2001. Den Aktionären soll aus dem um über elf Prozent auf knapp 2,6 Milliarden Euro gesunkenen Reingewinn eine unveränderte Dividende von 1,30 Euro je Stamm- und 1,36 Euro je Vorzugsaktie zufließen.

Analyst: "Durchhalten, bis der neue Golf kommt"

Analysten äußerten sich skeptisch angesichts des Ausblicks von VW für 2003. "Die Prognose sieht unsicher aus, das ist eine Belastung für die Aktie", sagte Gerald Roessel, Fondsmanager bei Invesco Asset Management. Die VW-Aktie verlor am Donnerstag rund drei Prozent und notierte bei 33,84 Euro. Albrecht Denninghoff, der für die HypoVereinsbank die Automobilindustrie beobachtet, fasste die Situation von VW mit den Worten "Durchhalten, bis der neue Golf kommt" zusammen. Volkswagen will den neuen Golf V im Herbst auf den Markt bringen, daher wirkt das Vorgängermodell weniger attraktiv als entsprechend volumenstarke Modelle der Konkurrenz. Deutliche Absatzsteigerungen halten Analysten erst dann wieder für möglich, wenn der neue Golf Anfang 2004 und der neue Passat Anfang 2005 voll zur Verfügung stehen. Im zweiten Halbjahr 2003 bleibe VW nur der Effekt aus den wegfallenden Anlaufkosten für die derzeit laufende Modelloffensive, sagte Denninghoff.

VW plant 20 Produktionsanläufe für 2003

Volkswagen plant derzeit zahlreiche neue Modellvarianten - allein 20 Produktionsanläufe soll es in diesem Jahr geben. Die Kosten dafür sollen vor allem im ersten Halbjahr bewältigt werden. Der Wolfsburger Konzern verbindet mit dieser Modelloffensive - 2003 zunächst mit Hilfe von Touran, Touareg, Audi A3, Multivan und Golf - die Erwartung, dass der Absatz trotz schwacher Automobilkonjunktur zunächst wieder über fünf Millionen gesteigert werden kann. Mit weiteren neuen Modellen sollen bis 2007 dann deutlich über sechs Millionen Fahrzeuge pro Jahr verkauft werden.

Zu Spekulationen über die künftige Führungsstruktur des Konzerns nach dem Ausscheiden von Vertriebschef Robert Büchelhofer sagte der VW-Chef, es sei noch nicht entschieden, ob dessen Vorstandsposten wieder besetzt werden solle. Eine Holding-Struktur werde sich der Konzern indes sicher nicht geben. Bei den Gesamtüberlegungen bleibe abzuwägen, ob die regionale Vertriebsstruktur beibehalten werde, oder auf die Marken des Konzerns weltweite Verantwortung übertragen werden solle. Die künftig prozessorientierte Steuerung des Konzerns werde wesentlich dazu beitragen, dass die Kosten weiter sänken, sagte Pischetsrieder.

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