Keine indisch-pakistanische Annäherung
Indien nach Nepal-Gipfel in Zugzwang

Trotz der Versöhnungsgeste in Nepal bleiben die Beziehungen zwischen den Atommächten Indien und Pakistan gespannt. Indien kritisiert Pakistan, weil es den Kaschmirkonflikt zum Thema des Gipfels gemacht hatte.

Reuters/dpa ISLAMABAD. Der indische Regierungschef Atal Behari Vajpayee kritisierte Pakistan, weil es den Kaschmirkonflikt zum Thema gemacht habe. "Niemand ist glücklich, dass umstrittene Themen während des SAARC-Gipfels angesprochen wurden", sagte Vajpayee am Sonntag.

Ein etwas gequältes Lächeln huschte über das Gesicht des indischen Ministerpräsidenten Atal Behari Vajpayee, als ihm sein pakistanischer Erzfeind die Hand zur Freundschaft reichte. Pakistans Präsident Pervez Musharraf hat den indischen Regierungschef mit der versöhnlichen Geste auf dem Südasien-Gipfel in Nepal in Zugzwang gebracht. Nach dem Säbelrasseln an der Grenze im umstrittenen Himalaya-Gebiet Kaschmir muss Vajpayee sich nun entscheiden: Entweder geht er auf Musharrafs Dialogangebot ein, oder aber er lässt den Konflikt eskalieren - und stünde damit vor der Weltöffentlichkeit als Buhmann da.

Musharraf hat möglicherweise das Eis im Verhältnis zum Nachbarland gebrochen und einen drohenden Krieg abgewendet. Die USA, die im benachbarten Afghanistan Krieg gegen den Terror führen, haben den Truppenaufmarsch der beiden südasiatischen Atomwaffenstaaten ebenso wie die übrige Welt ohnehin mit wachsender Sorge betrachtet.

Die pakistanische Presse feiert die Geste Musharrafs als geschickten Schachzug ihres Präsidenten, der sich 1999 an die Macht geputscht hatte. "Was unserem Präsidenten zum Vorteil gereicht, ist seine Bereitschaft, zu jeder Zeit, an jedem Ort über jede Frage zu sprechen", heißt es in einer Kolumne der pakistanischen Zeitung "Dawn". Zugleich wird darin Vajpayee mit einem bockigen Kind verglichen, dem es schwer falle, von seinem Schaukelpferd zu steigen.

Der erste Südosasien-Gipfel seit drei Jahren

Nach der versöhnlichen Geste Musharrafs sei es nun an Indien, darauf in irgendeiner Weise zu reagieren, sagt der pakistanische Publizist Mushahid Hussain. Als gutes Zeichen wertet es Hussain, dass der Südasien-Gipfel erstmals seit drei Jahren überhaupt stattfand. Zuvor hatte es drei Jahren lang keine Gipfel gegegeben, zumeist wegen des Dauerkonflikts zwischen Pakistan und Indien. Nun nahm Musharraf auf dem Flug nach Nepal sogar einen Umweg über Peking in Kauf, da Indien seinen Luftraum für pakistanische Maschinen gesperrt hatte. Diese Strafmaßnahme war Teil der Sanktionen, die das Land im Dezember nach dem Anschlag auf das Parlament in Neu-Delhi verhängt hatte. Indien vermutet radikale Kaschmir-Rebellen in Pakistan hinter dem Anschlag und fordert von Pakistan, ihnen das Handwerk zu legen.

"Wenigstens haben beide Seiten miteinander gesprochen und nicht übereinander", sagt Hussain mit Blick auf das Treffen in Nepal. Auch wenn die Gesprächsatmosphäre alles andere als herzlich gewesen sei, so trage doch jedes Gespräch dazu bei, die Kriegsgefahr zu verringern. Hinzu komme der Druck des Auslands auf die Erzrivalen, den Konflikt um Kaschmir nicht eskalieren zu lassen. Schließlich komme Pakistan im Kampf gegen den Terror in Afghanistan eine Schlüsselrolle zu, die durch den Konflikt mit Indien gefährdet sei.

Nun geht es nach Ansicht Hussains für Vajpayee vor allem darum, das Gesicht zu wahren. In jedem Fall werde es für den Hindu und Nationalisten eine schwierige Gratwanderung. Hussain geht jedoch davon aus, dass es nicht zum Krieg kommen wird, auch wenn die Truppen beiderseits der Demarkationslinie im Kaschmir Gewehr bei Fuß stünden. Da auch Pakistan mittlerweile über Kernwaffen verfüge, werde sich Indien davor hüten, einen Krieg anzufangen: "Doch der Krieg der Worte geht weiter".

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