Keine Investitionen mehr in Tochtergesellschaft – Hoher Schuldenstand
Energieriese TXU in Europa auf dem Rückzug

Der US-Energiekonzern TXU erwägt den Rückzug aus Europa. Das angeschlagene Europageschäft stehe komplett oder in Teilen zum Verkauf, teilte das in Texas ansässige Unternehmen am Montag mit.

juf LONDON/DÜSSELDORF. Allein das Herzstück von TXU Europe, die Aktivitäten in Großbritannien, werden von Analysten mit 2 bis 2,5 Mrd. Euro bewertet. Als potenzieller Interessent wird in der Branche neben den britischen Versorgern Scottish & Southern und Scottish Power auch der Düsseldorfer Eon-Konzern genannt. In Deutschland ist TXU unter anderem am Stromhändler Ares Energie-Direkt sowie an den Stadtwerken Braunschweig und Kiel beteiligt. Das Unternehmen versorgt hierzulande rund 660 000 Kunden.

TXU kämpft in Europa nach einer aggressiven Expansion in den vergangenen Jahren mit einer enormen Schuldenlast. Die Anleihen von TXU Europe wurden jüngst von der Ratingagentur Fitch auf Junk-Bond-Status herabgesetzt - womit eine schwindende Kreditwürdigkeit ausgedrückt wird. Die Aktie des Mutterkonzern brach daraufhin in der vergangenen Woche um mehr als 30 % ein, und TXU nahm die Gewinnprognosen deutlich zurück. TXU ist der fünftgrößte Energiekonzern der USA, setzt 28 Mrd. $ um und bedient weltweit rund 11 Milliarden Endkunden.

Quartalsdividende zusammengestrichen

Der US-Konzern reagierte am Montag und strich unter anderem die Quartalsdividende um rund 80 % zusammen, um den Schuldenberg abzubauen und das Vertrauen der Investoren zurück zu gewinnen. Gleichzeitig werden die Investitionen deutlich reduziert, nach Europa fließen praktisch keine frischen Gelder. "Die Finanzmärkte und die Bedenken der Ratingagenturen haben uns zu diesen dramatischen Maßnahmen gezwungen", sagte Konzernchef Erle Nye.

Durch das schlechtere Rating werde TXU in Europa im Wettbewerb deutlich geschwächt, erläuterte das Unternehmen. Parallel zu Umstrukturierungen und Kostensenkungsmaßnahmen werde deshalb auch ein Rückzug aus der Region erwogen. TXU wäre nicht der erste US-Konzern der sich in Anbetracht des zunehmenden Wettbewerbs in Europa übernommen hätte: Zuvor hatte sich bereits die Mirant Corp wieder zurück gezogen.

Der Eon-Konzern wollte die Spekulationen, er sei am britischen TXU-Teil interessiert, auf Anfrage nicht kommentieren. Nach Einschätzung von Analysten wäre ein Zukauf angesichts der aktuellen Probleme von Eon auf dem britischen Strommarkt aber ausgesprochen attraktiv. "Das würde absolut passen", sagte Matthias Heck vom Bankhaus Santander.

Eon hat Probleme mit Powergen

Eon hat in Großbritannien Probleme mit seinem bislang teuersten Auslandseinkauf, dem Stromkonzern Powergen Plc. Das Unternehmen, das der Konzern erst im Juli für rund 8,1 Mrd. Euro übernommen hatte, ist mit sieben Kraftwerken vor allem als Stromerzeuger tätig und leidet deshalb unter dem Verfall der Großhandelspreise Großbritannien besonders stark. Die Regierung hatte im Frühjahr die Preisregulierung geändert, der folgende Preisverfall im Stromgroßhandel setzte Produzenten wie TXU, British Energy oder Powergen massiv unter Druck. Powergen reagierte in der vergangenen Woche und nahm rund ein Viertel seiner Kapazitäten vom Netz und kündigte Maßnahmen zur Kostensenkung an.

Eon hatte schon im Bericht für das zweite Quartal eingeräumt, dass Powergen das Ergebnis des Gesamtkonzerns belasten werde. Analysten rechnen jetzt mit zusätzlichen Abschreibungen.

Verglichen mit den Großhandelspreisen sind die Preise für die Endkunden dagegen deutlich weniger gesunken und die Renditen im Stromeinzelhandel wesentlich höher. Während die Powergen Plc mit rund 3 Millionen Abnehmern in Großbritannien deutlich mehr Strom produziert, als sie selbst verkauft, verfügt TXU über einen großen Kundenstamm von rund 5,5 Millionen Abnehmern bei lediglich drei Kraftwerken. "TXU ist in Großbritannien genau da positioniert, wo bei Eon eine Lücke ist", sagt Analyst Heck, "eine Übernahme wäre strategisch sehr sinnvoll". Eon würde so zum größten Stromeinzelhändler in Großbritannien.

In der Branche wird bereits spekuliert, Eon-Chef Ulrich Hartmann könne den angekündigten Zukauf in den USA zurück stellen, um zuerst die Probleme in Großbritannien zu lösen. "Eon muss als erstes versuchen, den britischen Markt in den Griff zu bekommen", sagte Philip Bonhöffer von Merck Finck, "ohne allerdings die USA aus den Augen zu verlieren". "Das eine schließt das andere ja nicht aus", meint Analyst Heck. Die Kaufkraft von Eon sei groß genug, beides zu machen.

Pikantes Detail am Rande: TXU und seine Tochter Ares Energie-Direkt gehören zu den neun Beschwerdeführern gegen die Übernahme der Ruhrgas AG durch Eon.

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