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Keine IVW-Strafe für Motor-Presse

Nach dem Austritt der Vereinigten Motor- Verlage (Motor-Presse/Stuttgart) aus der IVW sind nach Angaben der in Bonn ansässigen Kontrollinstanz Sanktionen hinfällig geworden.

dpa STUTTGART/HAMBURG. "Sobald ein Mitglied ausgetreten ist, haben wir keinen Zugriff mehr", sagte der Geschäftsführer der IVW (Informationsgemeinschaft zur Feststellung der Verbreitung von Werbeträgern), Michael Schallmeyer, am Freitag der dpa. Die Motor-Presse hatte der IVW falsche Auflagenzahlen gemeldet. In welchem Umfang dies geschah, will die IVW in der 2. Novemberwoche berichten. Eine Verlagssprecherin wollte dazu keine Angaben machen.

Die Motor-Presse, einer der größten Verlage für Spezialzeitschriften ("auto motor und sport", "connect", "Men's Health", "Audio") in Europa, hatte am Donnerstagabend das Melden von falschen Auflagezahlen an die IVW zugegeben. Deshalb wurden an der Verlagsspitze auch personelle Konsequenzen gezogen.

IVW hatte fehlerhafte Auflagenmeldungen für drei Quartale beanstandet. Den betroffenen Anzeigenkunden - die IVW-Auflagenzahlen sind für die Anzeigenpreise wichtig - soll ein Ausgleich angeboten werden, erklärte der Stuttgarter Verlag. Der zum Ende des Monats angekündigte Austritt aus der IVW wurde vom Verlag mit dem Vertriebswechsel begründet. Künftig werde der Vertrieb aller Titel vom Hamburger Großverlag Gruner+Jahr übernommen. Nach Ansicht von Branchenbeobachter dürfte sich der Verlag früher oder später wieder bemühen, in die IVW aufgenommen zu werden. Dies sei schon wegen der hohen Abhängigkeit von Anzeigeneinnahmen bei den Spezialtiteln sinnvoll.

Nachfolger von Geschäftsführer Frieder Stein, der das Unternehmen zum 31. Oktober verlässt, wird der frühere Zeitungsvorstand des Axel Springer Verlages (Hamburg/Berlin), Christian Delbrück. Ihm werden zeitlich begrenzt bis zum 30. April 2002 die beiden Gruner+Jahr - Manager Hartmut Bühne (Leiter G+J-Fachbereich Vertrieb) und Friedrich Wehrle (Leiter G+J-Fachbereich Anzeigen) zur Seite stehen. Ab Ende 2002 soll dann eine neue erweiterte Geschäftsführung die Motor-Presse leiten.

Wie Schallmeyer sagte, kann die IVW bei Verstößen Verlage im schlimmsten Fall ausschließen. Andere Sanktionen wie etwa Geldbußen stünden dem Verband nicht zur Verfügung. Der IVW-Geschäftsführer bestätigte, dass bei allen 16 gemeldeten Titeln des Verlags Abweichungen in unterschiedlicher Höhe bei der Auflage festgestellt worden seien. Die IVW wurde 1949 als Unterorganisation des Zentralverbands der Werbewirtschaft gegründet. Derzeit hat sie über 1800 Mitglieder, darunter mehr als 1300 Verlage.

Die Stuttgarter Verlagsgruppe, an der Gruner+Jahr mit 15 Prozent beteiligt ist, erzielte im vergangenen Jahr 704 Mill. DM (360 Mill. Euro) Umsatz und gibt rund 200 Spezialzeitschriften in 13 europäischen Ländern heraus. An den Vereinigten Motor-Verlagen ist die Gründerfamilie Pietsch mit 15 Prozent, die Familie Troeltsch mit 30 und der Würzburger Fachzeitschriftenverlag Vogel mit 40 Prozent beteiligt. Es gab immer wider Branchenmeldungen, dass Gruner+Jahr seine Anteile aufstocken möchte. Allerdings wollen die Familien nicht verkaufen. Beschäftigt werden im Konzern 1750 Mitarbeiter, davon rund 1000 in Deutschland.

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