Keine Kapitalerhöhung geplant
Commerzbank-Chef wirbt bei Aktionären für Vertrauen

Commerzbank-Chef Klaus-Peter Müller hat am Freitag bei seinen Aktionären für Vertrauen in die Strategie geworben, mit der die Commerzbank nach dem ersten Verlustjahr der Firmengeschichte wieder profitabel werden will.

Reuters FRANKFURT/M. Im Auftaktquartal hatte die Bank nach Steuern immerhin drei Millionen Euro verdient. "Uns ist völlig klar, dass wir damit noch kein zufriedenstellendes Ergebnis für Sie als unsere Aktionäre erzielt haben. Wir sind aber zuversichtlich, die Commerzbank auf den Weg des Erfolges zurückführen zu können", sagte Müller am Freitag auf der Hauptversammlung laut Redetext. Die Commerzbank hatte 2002 zum ersten Mal in ihrer Geschichte rote Zahlen geschrieben und vor Steuern einen Verlust von 372 Millionen Euro ausgewiesen.

Müller: Keine Kapitalerhöhung oder Wandelanleihe geplant

Die Aktionäre sollen auf der Hauptversammlung über eine Reihe von Vorratsbeschlüssen abstimmen - unter anderem zum Erwerb eigener Aktien oder etwa der Ausgabe von Wandel- oder Optionsschuldverschreibungen. "Wir haben zwar keine konkreten Pläne, unser Eigenkapital beziehungsweise das Ergänzungskapital zu erhöhen", sagte Müller. Da die bestehende Ermächtigung zur Erhöhung des bedingten zum Ende April 2004 auslaufe, wolle sich die Commerzbank auch über dieses Datum hinaus den Spielraum erhalten, Wachstumschancen zu nutzen.

Die Bank hat Müller zufolge ihre Hausaufgabe auf der Kostenseite gemacht. "Wir können unsere Bank aber nicht nur durch Kosteneinsparungen voranbringen, wir müssen auch neue Ertragsquellen erschließen und uns strategisch auf veränderte Rahmenbedingungen einstellen", sagte Müller.

Dabei will Müller sein Haus weiter als Institut für den anspruchsvollen Privatkunden mit dem Schwerpunkt auf den Vertrieb verstanden wissen. Auch werde die Bank ihre Position im Mittelstand weiter stärken. "Wir stehen im Firmenkundengeschäft mehr denn je zum Hausbankprinzip, zu der oft über Jahrzehnte gewachsenen Beziehung zwischen Unternehmen und Hausbankverbindung."

Die Aktien der Commerzbank legten bei einem freundlichen Gesamtmarkt um 1,3 Prozent auf 9,32 Euro zu.

Commerzbank legt Müllers Bezüge offen

Müllers Vorgänger und Commerzbank-Aufsichtsratschef, Martin Kohlhaussen, legte am Freitag außerdem die Bezüge des Bankchefs offen. Müller verdiente 2002 insgesamt 1,225 Millionen Euro und gehörte damit zu den eher niedrig bezahlten Top-Managern der deutschen Kreditwirtschaft. Das Fixgehalt habe 540 000 Euro betragen, sagte Kohlhaussen. 2001 hatte Müller insgesamt noch 1,354 Millionen Euro verdient. Sein Gehalt sank also im Vergleich zu 2001 um knapp zehn Prozent. Die Entwicklung der Vorstandsgehälter orientiere sich damit teilweise an der Ertragsentwicklung der Bank, erläuterte Kohlhaussen. Bislang haben erst neun Vorstandschefs der 30 im Dax gelisteten deutschen Großunternehmen ihre Bezüge offen gelegt.

Im Vergleich zum Chef der Deutschen Bank, Josef Ackermann, sind Müllers Bezüge eher gering. Ackermann hatte 2002 insgesamt knapp sieben Millionen Euro verdient. Sein Fixgehalt lag bei einer Million, der Bonus betrug 3,3 Millionen und auf Aktien sowie Aktien-Optionen entfielen 2,7 Millionen Euro.

Die für den Corporate Governance-Kodex zuständige Regierungskommission unter ThyssenKrupp-Aufsichtsratschef Gerhard Cromme hatte jüngst die grundsätzliche Offenlegung der Bezüge von Vorständen und Aufsichtsräten empfohlen. Angesichts vielfach rückläufiger Gewinne der großen Unternehmen in der gegenwärtig schwachen Konjunkturphase waren die oft sehr hohen Gehälter der Manager in die öffentliche Kritik geraten.

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