Keine konkreten Anschlagsziele in Deutschland ausgemacht
Haftbefehl gegen acht Islamisten

Zwei Tage nach Beginn der Razzien gegen die Islamistengruppe El Tawhid sitzen neun mutmaßliche Terroristen in Untersuchungshaft.

ap KARLSRUHE. Drei der insgesamt 13 festgenommenen Verdächtigen wurden wieder auf freien Fuß gesetzt, über das Vorgehen gegen einen Restaurantbesitzer aus Essen war bis Donnerstagmittag noch nicht entschieden. Wie Generalbundesanwalt Kay Nehm in Karlsruhe betonte, wurden bei den Ermittlungen konkrete Anschlagsziele in Deutschland zunächst nicht ausgemacht. Es gebe aber Anhaltspunkte dafür, dass das Ziel bestanden habe, Anschläge in der Bundesrepublik zu planen.

Gegen acht der 25 bis 38 Jahre alten Männer, die bereits seit Jahren in Deutschland leben, erließ der Ermittlungsrichter am Bundesgerichtshof am Donnerstag Haftbefehl, gegen einen neunten Mann lag dieser bereits wegen einer anderen Straftat vor. Den Verdächtigen aus Palästina, Jordanien, Ägypten und Irak wird vorgeworfen, in Deutschland eine terroristische Vereinigung der islamistischen Bewegung El Tawhid gebildet zu haben. Eine Verbindung zu den zeitweise in Deutschland lebenden Tätern der Anschläge vom 11. September gebe es nicht.

Der Vizepräsident des Bundeskriminalamtes, Bernhard Falk, betonte, auch nach den jetzigen Festnahmen seien islamistisch-terroristische Gruppen in Deutschland handlungsfähig und "technisch in der Lage, weltweit schwere Straftaten zu begehen". Man habe das "Potenzial in Deutschland noch nicht im Griff". Als mögliche Zielfelder müssten israelische, jüdische und amerikanische Einrichtungen gelten.

Keine Hinweise auf geplanten Bau von Splitterbomben

Die Fahnder hatten in den vergangenen Tagen insgesamt 21 Objekte durchsucht. Dabei seien aber entgegen anders lautender Berichte weder Sprengstoffe noch Nägel zur Herstellung von Splitterbomben gefunden worden, sagte Nehm. Beschlagnahmt worden seien vielmehr eine Faustfeuerwaffe, falsche Ausweispapiere, Propagandavideos sowie Computer. Die "Bild"-Zeitung hatte zuvor berichtet, bei der Durchsuchung von Wohnungen in Essen, Berlin und München seien verdächtig große Mengen an Nägeln sichergestellt worden.

Die mutmaßlichen El-Tawhid-Mitglieder, unter denen sich keine Studenten befinden, übten laut Nehm untergeordnete Tätigkeiten aus. Die Gruppierung war offenbar seit Monaten im Visier von Polizei und Bundesanwaltschaft. Warum der Zugriff am Dienstag erfolgte, sagte Nehm nicht. Es sei einerseits darauf angekommen, genügend Beweise zu sammeln, um den Nachweis der terroristischen Vereinigung führen zu können. Andererseits habe es gegolten, Anschläge zu verhindern. Laut Nehm hatten einige der Verdächtigen bereits versucht, sich abzusetzen. Das sei auch Folge des hohen Verfolgungsdrucks, den es seit dem 11. September in Deutschland gebe.

El Tawhid ist nach Angaben der Ermittler weniger eine Organisation als vielmehr eine ideologisch-religiös ausgerichtete Bewegung Gleichgesinnter. Sie fördere und unterstütze auf der Grundlage eines aggressiv-militanten islamischen Fundamentalismus den weltweiten "Heiligen Krieg". Sitz der Bewegung soll Großbritannien sein. Die Zelle in Deutschland, als deren führender Kopf der 32-jährige Palästinenser Mohamed Abu D. aus Essen gilt, sei bisher überwiegend mit der Fälschung von Pässen und Reisedokumenten, Spendensammlungen und der Schleusung von Kämpfern befasst gewesen.

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