"Keine Kündigungen"
Andersen Deutschland in der Warteschleife

Während die US-Mutter vor dem Zerfall steht und sich die Wirtschaftsprüfer auch noch in einem Strafprozess wehren müssen, ist in Deutschland ein wenig Ruhe eingekehrt. Doch die bevorstehende Fusion mit Ernst & Young garantiert noch keine Sicherheit.

md DÜSSELDORF. In den USA steht die Wirtschaftsprüfungsunternehmen Arthur Andersen vor dem Kollaps. Das Urteil im heute begonnenen Strafprozess wird zwar erst für Ende Mai erwartet. Doch schon jetzt zeichnet sich der endgültige Zerfall ab. Teile der Mannschaft verlassen das sinkende Schiff und heuern beim Wettbewerb an. Auch Mandanten springen von Bord.

In Deutschland hat sich die Lage zunächst einmal etwas beruhigt. Die Befürchtung, in den Sog der amerikanischen Mutter zu geraten, ist erst einmal ausgeräumt. Die Mitarbeiter hoffen, dass die Fusion mit Ernst & Young die Arbeitsplätze rettet. Das Vertrauen darauf ist offenbar groß. Denn bislang hat noch keiner der 3850 Angestellten aufgegeben. "Kein Mitarbeiter hat gekündigt, und es ist auch keinem Mitarbeiter gekündigt worden", sagt Andersen-Pressesprecherin Ute Freundl.

Dennoch ist die Unsicherheit groß. Niemand weiß so recht, wie es weiter gehen soll. Heute werden die beiden Prüfgesellschaften in Brüssel einen Antrag bei der EU-Kommission stellen, mit deren Genehmigung wohl zu rechnen ist. Der Startschuss für das gemeinsame operative Geschäft soll - dann vollständig auf Ernst & Young übertragen - am 1. Juli fallen. Herbert Müller, Vorstandsvorsitzender bei Ernst & Young, und Andersen-Chef Christoph Groß, der künftige COO und Stellvertreter Müllers, sitzen unterdessen am Strategietisch und beratschlagen, wohin die Reise gehen soll. Ein Konzept wurde offenbar noch nicht verabschiedet. "Kein Kommentar", blockt die Andersensprecherin ab.

Als wären die Schadensmeldungen nicht schon schlimm genug, hat sich nach IDS Scheer in der vergangenen Woche auch noch SAP als Kunde verabschiedet. Doch auch hier glaubt das angeschlagene Unternehmen, dass sich die Lage wieder stabilisieren wird. "Bislang gibt es keine Anzeichen für weitere Abgänge", sagt Freundl. Eine Garantie dafür gibt es allerdings nicht.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%