Keine kurzfristige Übernahme
Aktie von Beiersdorf gerät ins Trudeln

Gedämpfte Stimmung bei Beiersdorf: Der Dax-Anwärter musste das Umsatzziel für 2002 nach unten korrigieren. Zudem drückt der Streit beim Großaktionär Tchibo kräftig auf den Aktienkurs.

lip HAMBURG. Die Anleger des Dax-Anwärters Beiersdorf mit seiner Hauptmarke "Nivea" hatten am Dienstag das Nachsehen. Die Notierung des Hamburger Kosmetik- und Pharmakonzerns brach zeitweise um bis zu 7,8 % auf 92,20 Euro ein und gab damit deutlich stärker als der Markt nach.

Für den kräftigen Kursrutsch machten Analysten mehrere Gründe verantwortlich: So musste der Vorstandsvorsitzende der Beiersdorf AG, Rolf Kunisch, bei der Vorstellung der Halbjahres-Zahlen seine Umsatzprognose für 2002 nach unten korrigieren. Zudem belastet der erneute Streit der Eigentümerfamilie Herz bei der Hamburger Tchibo Holding AG den Kurs der Beiersdorf-Aktie. Tchibo ist mit rund 30 % an dem Kosmetikriesen beteiligt. Ob der im M-Dax notierten Konzern den Sprung in den Aktienolymp Dax schafft hat, ist damit offen. Die Entscheidung der Deutschen Börse, Frankfurt, stand bis Redaktionsschluss noch nicht fest.

Vor allem die Aussichten für das Gesamtjahr verstimmten die Analysten. So will der Konzern im laufenden Geschäftsjahr nur um rund 4 % auf 4,7 Mrd. Euro wachsen. Bislang rechnete der Vorstand mit einem Umsatzanstieg auf rund 4,75 Mrd. Euro. Die Korrektur wiegt schwer, da der Vorstandschef in den vergangenen Jahren bei seinen Prognosen immer eine Punktlandung hinlegte. "Der Konzern hat offenbar die Entwicklung am Markt sowie die der Wechselkurse unterschätzt", meint Susanne Seibel, Analystin bei der UBS Warburg Bank in London. Damit sind aber künftig die Anleger, die bislang auf die Prognosen des Vorstandschefs vertrauten, verunsichert.

Da an der Börse zudem eine Übernahme von Beiersdorf kurzfristig unwahrscheinlich erscheint, wiegt die revidierte Jahresplanung des Vorstands bei den Anlegern doppelt schwer. "Die fundamentalen Zahlen geben derzeit bei der Anlegern den Ausschlag, da die Spekulationsprämie auf eine Übernahme von Beiersdorf gewichen ist", sagt Seibel. Sie beurteilt den fairen Wert der Beiersdorf-Aktie zwischen 95 und 100 Euro. Ähnlich sieht dies auch Sven Dopke, Aktienanalyst bei der Hamburger Privatbank M.M.Warburg. Er will die Gewinnprognose für 2002 überprüfen und eventuell nach unten revidieren. Dopke hatte ursprünglich für 2002 mit einem Ergebnis vor Steuern und Zinsen (Ebit) von 465 Mill. Euro gerechnet, während der Beiersdorf-Vorstandschef jetzt von 460 Mill. Euro (bereinigt um den Sonderertrag im Jahre 2001) ausgeht. Dennoch rät er den Anlegern, die Aktie weiter zu halten.

Allerdings ist der weitere Kursverlauf unsicher. Der wieder aufgeflammte Zank der Eigentümerfamilie Herz bei der Tchibo Holding könnte den Kurs des Kosmetik- und Pharmariesens belasten. "Die neuen Familienstreitigkeiten bei dem Großaktionär Herz sind derzeit eine unangenehme Begleiterscheinung, die wieder mehr Unsicherheit in die Aktie bringt", sagt Warburg-Analyst Dopke. Zum Hintergrund: Günter Herz, der mit Partnern rund 40 % bei Tchibo hält, will sich offenbar von seinen Anteilen trennen. Dies erschwert aber dem neuen Tchibo-Vorstandschef, Reinhard Pöllath, einen Mehrheitserwerb von Beiersdorf. Tchibo, die 30 % an dem Kosmetikriesen halten, verhandeln seit Monaten mit Münchener Allianz AG um dessen 44 %-iges Aktienpakets an Beiersdorf.

Quelle: Handelsblatt

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