Keine Liquidierung geplant
Worldcom erhält Zwischenfinanzierung

Nach dem Insolvenzantrag hat der zweitgrößte US-Telekomkonzern Worldcom die richterliche Genehmigung für eine Zwischenfinanzierung von bis zu zwei Milliarden Dollar erhalten, mit der Worldcom sein Geschäft fortführen will.

Reuters NEW YORK. Worldcom hofft, seine auf 41 Milliarden Dollar belaufene Schulden durch eine Umstrukturierung um mehr als 75 Prozent abzubauen. Die Bonität der Worldcom-Schulden wurde von den Ratingagenturen nach dem Insolvenzantrag auf den niedrigsten Stand heruntergestuft.

Die Genehmigung, die das zuständige US-Gericht am Montagabend (MESZ) erteilte, ließ Händlern zufolge am Dienstag eine Erholung der Aktien an der Wall Street zu. Worldcom-Aktien gewannen vier Cent auf 18 Cent. Analysten äußerten sich zuversichtlich zu den Aussichten von Worldcom. Worldcom hatte am Sonntag nach Fehlbuchungen in Milliardenhöhe Gläubigerschutz beantragt und damit für die größte Firmenpleite in der US-Wirtschaftsgeschichte gesorgt.

Das Konkursgericht für den südlichen Bezirk New Yorks genehmigte die Zwischenfinanzierung, mit der die Firma während des Gläubigerschutzes ihr Geschäft weiterführen, das Leitungsnetz erhalten und die Angestellten bezahlen kann. Das Geld wird von der Citigroup, J.P. Morgan Chase & Co und der Finanzierungssparte von General Electric bereitgestellt. Am 4. September soll die Finanzierung bei einer Anhörung formell bestätigt werden.

Nach Kapitel 11 des US-Konkursgesetzes können Firmen unter Bedingungen des Gläubigerschutzes zunächst weiter tätig sein, während ein Sanierungsplan ausgearbeitet wird. "Diese Umstrukturierung wird keine Liquidierung sein", sagte Worldcom-Chef John Sidgmore bei einer Pressekonferenz. "Ich denke unser Plan wird es sein, die Firma intakt zu halten." Die Ratingagentur Standard & Poor's stufte am Dienstag das Rating von mit Worldcom zusammenhängenden Wertpapieren im Wert von 163 Millionen Dollar auf die niedrigste Stufe von "D" von "C" zurück. Bereits am Vortag hatten die Ratingagenturen Standard & Poor's und Fitch das Rating der ungesicherten Schuldtitel von Worldcom auf "D" von "C" gesenkt

Analysten zeigten sich zuversichtlich zu den Aussichten von Worldcom. Sollte es Worldcom gelingen, seine Bilanzen neu zu strukturieren und dabei seinen Betrieb weitgehend aufrecht zu erhalten, könnte das Unternehmen ein besserer Mitbewerber werden als vorher, sagte Adam Quinton, Analyst bei Merrill Lynch. Andere Experten schlossen nicht aus, dass die Marke "Worldcom" mit seinen mehr als 20 Millionen Kunden weltweit einen Imageschaden erleiden könnte, wenn Kunden den Namen weiterhin mit Bilanzfälschungen assoziierten.

Worldcom bekräftigte zuletzt, noch keine größeren Kunden verloren zu haben. Analyst Alan Mintz von Bear Stearns sagte: "Ich denke es wäre naiv zu denken, dass sie keine Kunden verlieren werden." Entscheidend für den weiteren Unternehmenswert sei, wie schnell die Restrukturierung vollzogen werde, fügte er hinzu. Rund die Hälfte der weltweiten Internet-Kommunikation wird über die Leitungen von Worldcom abgewickelt. Der Konzern ist in 65 Ländern vertreten und beschäftigt nach Abschluss von bereits angekündigten Entlassungen weltweit rund 60 000 Mitarbeiter. Die internationalen Aktivitäten des Konzerns sind von der Insolvenz nach Unternehmensangaben nicht betroffen. Seine Vermögenswerte bezifferte der in Clinton im US-Bundesstaat Mississippi ansässige Konzern zuletzt auf 107 Milliarden Dollar.

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