Keine mittelfristige Erholung in Sicht
T-Aktie steht vor schweren Zeiten

Der Deutschen Telekom macht die Umstellung der globalen Dow-Jones-Indizes auf die Gewichtung nach Streubesitz schwer zu schaffen. Der Wert der T-Aktie gab deutlich nach. Auf den Kurs drücken jedoch auch die bevorstehenden UMTS-Auktionen und der mögliche Zukauf in den USA.

tjw DÜSSELDORF. Der heutige Einbruch der Telekom-Aktie um fast 4,8 % wurde nach Ansicht von Marktbeobachtern wie Petra Nix vom Schweizer Bankhaus Vontobel nur durch einen einmaligen Effekt verursacht. "Fundamental hat sich am Unternehmen ja nichts geändert", sagt Nix. Die Deutsche Telekom war eingebrochen, nachdem bekannt geworden war, dass Dow Jones die Aktien in ihren Indizes nach dem Streubesitz der einzelnen Unternehmen einstuft. Dadurch würde die Telekom an Gewicht verlieren, was zu Milliarden-Umschichtungen in Fondsportfolios führt.

Nix rechnet damit, dass sich die T-Aktie nicht kurzfristig erholt: "Ich sehe über die Sommermonate keine Kurssteigerung." Wegen der so genannten "Black-Out-Phase" nach dem Börsengang der dritten Telekom-Tranche werde die Gerüchteküche weiter brodeln. Bis zum 19.7. dürfen die Deutsche Telekom sowie die am Börsengang beteiligten Banken keine Unternehmensinformationen veröffentlichen. Einfluss auf das Kursniveau haben vor allem Gerüchte über ein mögliches Engagement in den USA. Nach Presseberichten ist die Telekom an der Übernahme der Telefongesellschaft Sprint interessiert, dem drittgrößten US-Anbieter von Ferngesprächen. Die Telekom ist bereits mit 10 % an Sprint beteiligt.

Laut Analysten wird der Wert von Sprint auf 100 Mrd. $ geschätzt. Erst kürzlich hatten jedoch die Kartellwächter in Brüssel und USA die geplante Mammutfusion zwischen Sprint und dem US-Telekomriesen Worldcom untersagt. Telekom-Analystin Nix sieht keine positiven Kurseffekte durch eine möglichen Übernahme von Sprint: "Bei diesem hohen Kaufpreis glaube ich nicht, dass Investoren die bessere strategische Position der Telekom auf dem US-Markt honorieren."

Auch die anstehende Versteigerung von UMTS-Lizenzen in den Niederlanden und in Deutschland wird nach Meinung von Analysten weiter für Kursunsicherheit beim Schwergewicht im Deutschen Aktienindex (Dax) sorgen. Hinter den aktuellen Verlusten steckt auch eine große Portion Angst vor dem riesigen Finanzbedarf, erklärte ein Marktbeobachter gegenüber dem Handelsblatt.

Die Unsicherheit würde erst dann beseitigt, wenn weitere Bieter aus dem Rennen um die Lizenzen ausschieden. In Deutschland gelten vor allem das Bieterkonsortium um die spanische Telefongesellschaft Telefonica und die finnische Sonera als unsichere Kandidaten. Auch Debitel könnte aufgrund des hohen Finanzierungsbedarf vorzeitig zurücktreten, was eine Senkung des Preisniveaus zur Folge hätte.

Das verstärkte Engagement der Telekom in Mittel- und Osteuropa wird in naher Zukunft keine relevanten Auswirkungen auf das Kursniveau haben. Joeri Sels vom Bankhaus Julius Bär sieht in der gestern angekündigten Übernahme der ungarischen Telefongesellschaft Matav zwar bessere Perspektiven als im Engagement auf dem US-Markt. Das Beispiel der spanischen Telefonica in Südamerika zeige, dass sich Investion in Wachstumsregionen nur langfristig auszahle.



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