Keine Nachbesserung bei den Vorzugsaktien
P&G plant Ostern offizielles Wella-Angebot

Die Übernahme der Wella AG durch den amerikanischen Konsumgüterriesen Procter & Gamble geht in die nächste Phase. Das offizielle Angebot für die Übernahme der restlichen Aktien des Darmstädter Haarpflegekonzerns kommt bald, mit der Integration kann P&G wohl frühestens im Spätsommer beginnen.

FRANKFURT/DÜSSELDORF. Für die Wella AG geht eine Ära zu Ende: Am Dienstag wird sie ihre wohl letzte Bilanzpressekonferenz als eigenständige Aktiengesellschaft veranstalten. Nachdem der US-Konsumgüterriese Procter & Gamble Mitte März von den Wella-Eigentümerfamilien 77,6 % der stimmberechtigten Aktien gekauft hatte, will er den übrigen Aktionären um Ostern herum ein offizielles Kaufangebot unterbreiten. Das kündigte Clayton Daley, Finanzchef von Procter & Gamble, im Gespräch mit dem Handelsblatt an. Der genaue Zeitpunkt hängt davon ab, wann die Bundesanstalt für die Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) die Prüfung des Übernahmeangebotes abschließt. Bei Wella in Darmstadt rechnet man nach Ostern mit dem öffentlichen Kaufangebot. Für die Aktionäre beginnt dann die gesetzliche Annahmefrist von vier bis zehn Wochen.

P&G hatte am 18. März angekündigt, den Aktionären pro Stammaktie 92,25 Euro und je Vorzugsaktie 61,50 Euro anzubieten. Der gesamte Kaufpreis beläuft sich auf 5,4 Mrd. Euro. Auf Kritik - auch im Wella-Vorstand - ist der vergleichsweise niedrige Preis für die Vorzugsaktien gestoßen. P&G bewegt sich mit dem Angebot aber innerhalb der rechtlichen Vorschriften. Die Führungsspitze des Konsumgüterkonzerns sieht das Angebot als fair an und schließt eine Erhöhung aus. "Wir möchten gerne so viele Anteile wie möglich haben und hoffen natürlich, dass das Kaufangebot erfolgreich sein wird. Aber wir brauchen keine 100 Prozent, weil wir mit dem Anteil der Eigentümer bereits die Kontrolle über Wella besitzen", erklärte Daley.

Der Wella-Vorstand will nach dem öffentlichen Übernahmeangebot eine Stellungnahme abgeben. Darin werde er den Aktionären aller Voraussicht nach empfehlen, ihre Papiere zu verkaufen, verlautete aus dem Unternehmen. Wenn die Kartellbehörde der USA und die EU-Kommission der Transaktion zustimmen, könnte P&G im Spätsommer oder Frühherbst mit der Integration von Wella beginnen. Branchenkenner gehen davon aus, dass es keine kartellrechtlichen Probleme geben wird.

Procter & Gamble hat Unternehmen bisher im allgemeinen zu 100 Prozent übernommen. Doch Daley sieht nach eigenen Worten kein großes Problem darin, dass der Konkurrent Henkel mit rund 6,7 % an Wella beteiligt ist und damit einen möglichen Squeeze-out, also das Herausdrängen der Kleinaktionäre, verhindern könnte. "Das ist nichts, über dessen Ausgang wir besorgt sind", sagte Daley. Er kündigte jedoch an, dass Procter & Gamble noch das Gespräch mit dem Düsseldorfer Waschmittelhersteller suchen werde. "Das Henkel-Management wird sich entscheiden müssen, was es mit dem Anteil tun will. Wir haben noch nicht mit Henkel gesprochen, werden das aber möglicherweise noch tun", sagte Daley und gab zu bedenken: "Das Henkel-Management muss, wenn es nicht verkaufen will, seinen Anteilseignern die Frage beantworten, was es noch für einen Sinn macht, die Anteile zu halten."

Auch wenn sich bisher abzeichnet, dass am Wella-Standort Darmstadt zumindest der Forschungsbereich für das Friseurgeschäft erhalten bleibt - konkrete Aussagen über Standorte oder die Auswirkungen der Übernahme auf die Belegschaft vermied Daley: "Dafür ist es noch zu früh." Es werde Überschneidungen in der Produktion, aber auch in der Verwaltung geben. "Wenn die Belegschaft reduziert werden muss, sind es aber nicht zwangsläufig die Wella-Mitarbeiter, die gehen müssen. Wir schauen uns sowohl die Belegschaft bei Wella als auch bei uns an", kündigte der Finanzchef an.

Auch eine weitere Zusammenarbeit mit dem amtierenden Wella-Management um Vorstandschef Heiner Gürtler schließt Daley nicht aus: "Manch einer unterstellt uns, dass wir das Management komplett entlassen wollen. Das ist nicht P&G-Kultur. Im übrigen haben bei P&G viele Leute Karriere gemacht, die von einer von uns übernommenen Firma gekommen sind."

Quelle: Handelsblatt

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