Keine neue Konkurrenz im Mobilfunkmarkt
Quam und Mobilcom sind aus dem UMTS-Rennen

Die vier UMTS-Mobilfunkanbieter in Deutschland müssen nach dem Ausscheiden von Mobilcom und Quam nicht damit rechnen, dass die Regulierungsbehörde den Wettbewerbsdruck durch die Zulassung weiterer Unternehmen erhöht. Im Gegenteil wird es immer wahrscheinlicher, dass keine neuen Wettbewerber auf den risikoreichen UMTS-Markt treten.

Reuters FRANKFURT. Der Präsident der Bonner Regulierungsbehörde für Telekommunikation und Post, Matthias Kurth (SPD), sagte der Nachrichtenagentur Reuters, "ich habe immer gesagt, es müssen nicht mehr als vier (UMTS-Anbieter) sein." Der Fortbestand der langjährigen Marktbedingungen mit vier Wettbewerbern T-Mobile, Vodafone D2, E-Plus und O2 Germany sei ein mögliches Szenario für die UMTS-Lizenzauktion im Jahr 2000 gewesen. Dass damals sechs Unternehmen eine Lizenz ersteigert hätten, sei die Entscheidung der Bieter gewesen.

Gut zweieinhalb Jahre nach dem Erwerb einer UMTS-Lizenz für jeweils rund 8,5 Milliarden Euro haben mit Mobilcom und Quam mittlerweile zwei der sechs Lizenznehmer das künftige UMTS-Geschäft verloren gegeben. Quam stellte das operative Geschäft inzwischen ganz ein, Mobilcom wird wie bisher lediglich Mobilfunkverträge der Netzanbieter vermarkten.

Beide Anbieter hatten Branchenexperten zufolge die schlechtesten Bedingungen für den Einstieg in den UMTS-Markt, der neben den milliardenschweren Lizenzkosten noch Investitionen in die Netztechnik in Höhe von bis zu vier Milliarden Euro nötig macht. Sowohl Quam wie auch Mobilcom verfügten über keinerlei Erfahrung als Betreiber eines Mobilfunknetzes. Quam startete zudem ohne einen einzigen Kunden, Mobilcom drohte seine als Wiederverkäufer gewonnene Kundenbasis bei einer Übernahme durch den Großaktionär France Telecom zu verlieren.

"Jetzt sind wir wieder im alten Club zusammen", hatten Branchenvertreter bereits vor Wochen in Anspielung auf den angekündigten Rückzug von Mobilcom angemerkt. Denn mit dem Ausstieg von Mobilcom und Quam können die vier etablierten Anbieter die derzeit gut 56 Millionen Mobilfunkkunden in Deutschland wieder unter sich aufteilen. Sie müssen nun nicht mehr befürchten, Marktanteile an neue, aggressiv auftretende Konkurrenten zu verlieren.

Nach Einschätzung in der Branche sinkt nun mit jedem Tag die Wahrscheinlichkeit, dass finanzstarke Investoren eine der beiden brach liegenden UMTS-Lizenzen von Mobilcom oder Quam übernehmen und doch noch für eine Belebung des Wettbewerbs auf dem deutschen UMTS-Markt sorgen. Da den vier am Markt operierenden Anbietern die Übernahme der Lizenz untersagt ist, kommen dafür zum Beispiel die beiden finanzstarken Mobilfunkunternehmen Debitel oder Hutchison Whampoa in Frage. Beide hatten sich aus der teuren UMTS-Auktion zur Schonung ihrer Finanzen zurückgezogen.

Debitel-Chef Peter Wagner bekräftigte aber jüngst, dass sein von der Swisscom unterstütztes Unternehmen kein Interesse mehr an der UMTS-Lizenz von Mobilcom oder Quam habe. Auch Hutchison dementierte unlängst Gerüchte über eine Übernahme von Mobilcom und dessen UMTS-Netz. Hutchison startet allerdings bereits in sechs europäischen Länder ohne jede Kundenbasis.

Die Hindernisse auf dem deutschen Markt sind für Neueinsteiger unverändert hoch. In den nächsten zwölf Monaten müsste ein Mobilfunknetz aufgebaut werden, mit dem 25 Prozent der Bevölkerung versorgt werden können. Neben dieser technischen Hürde bleibt für einen Neueinsteiger auch die Schwierigkeit bestehen, gegen die vier etablierten Anbieter auf einem nahezu gesättigten Markt Kunden zu gewinnen. Falls die Neulinge bis Ende 2003 die Einhaltung der Versorgungspflicht nicht nachweisen können, fallen die beiden Lizenzen an den Staat zurück.

Dieses Szenario wird nach Einschätzung des Chefs der deutschen Regulierungsbehörde auch von der EU mitgetragen. "Die EU wird die Zahl der Anbieter (auf dem deutschen Markt) nicht vorschreiben", sagte Behördenchef Kurth. Rückendeckung liefert auch die Bundesregierung. Der für Grundsatzfragen im Bundeswirtschaftsministerium zuständige Peter Knauth will Markteingriffe in den deutschen Mobilfunkmarkt nur dann zulassen, "wenn es zu deutlichen Missbräuchen kommt". Derzeit bewege sich der Markt "nah am funktionsfähigen Wettbewerb" - regulatorische Eingriffe seien daher nicht notwendig.

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