Keine neuen Artilleriegefechte
Indien schlägt gemeinsame Grenz-Bewachung vor

Zur Vermeidung eines Krieges zwischen den Atommächten Indien und Pakistan hat der indische Regierungschef Atal Behari Vajpayee gemeinsame Patrouillen in Kaschmir vorgeschlagen.

dpa NEU DELHI. Auf diese Weise könnten extremistische Moslems gestoppt werden, die vom pakistanischen in den indischen Teil Kaschmirs vordringen wollten, sagte Vajpayee am Mittwoch in Almaty (Kasachstan). "Untergrundkämpfer kommen aus Pakistan. Wenn Pakistan es ernst damit meint, das zu stoppen, ist Indien bereit zu gemeinsamen Patrouillen", sagte Vajpayee.

Beobachter sehen in dem Vorschlag die bislang größte Chance, den Kaschmir-Konflikt zu entschärfen. Außerdem tritt Indien damit wachsendem internationalen Druck entgegen, Vermittler oder ausländische Beobachter zuzulassen. Falls Extremisten trotz gemeinsamer Patrouillen in den indischen Teil Kaschmirs eindringen sollten, könnte Indien das nicht mehr dem pakistanischen Militärmachthaber Pervez Musharraf anlasten. Vorschläge für die gemeinsame Bewachung der Teilungslinie in Kaschmir hatte es bereits nach dem dritten indisch-pakistanischen Krieg von 1971 sowie bei Verhandlungen 1989 gegeben. Sie waren aber nicht umgesetzt worden.

Die gegenwärtige Kriegsgefahr zwischen den Atommächten Indien und Pakistan war vor drei Wochen durch ein Massaker von Moslemextremisten an Frauen und Kindern im indischen Teil Kaschmirs ausgelöst worden. Indien wirft Pakistan vor, Terroristen überquerten mit Wissen der pakistanischen Armee die Grenze, um in Indien Anschläge zu verüben. Vajpayee wiederholte den Vorwurf in Almaty. "Herr Musharraf sagt, es gibt keine Infiltration. Unsere Information ist, dass die Infiltration weitergeht und dass es Terroristenlager auf der anderen Seite der Grenze gibt", sagte Vajpayee.

Am Dienstag hatte der russische Präsident Wladimir Putin auf einer Asienkonferenz in Almaty versucht, zwischen Vajpayee und Musharraf zu vermitteln. Die politischen Führer Indiens und Pakistans hatten einander auf der Konferenz jedoch öffentlich für die Krise verantwortlich gemacht. Indien lehnt Gespräche mit Pakistan ab, bis Pakistan das Eindringen von Extremisten in Kaschmir verhindert.

Nach Ansicht der USA hat Pakistan mit entsprechenden Schritten begonnen. "Wir haben Anzeichen dafür, dass die pakistanischen Anstrengungen über bloße Worte hinausgehen, aber es ist noch zu früh zu sagen, ob die Infiltrationen tatsächlich aufgehört haben", sagte der Sprecher des US-Außenministeriums, Richard Boucher.

Von der Teilungslinie in Kaschmir wurden am Mittwoch zunächst keine neuen Artilleriegefechte gemeldet. Indische Sicherheitskräfte töteten nach eigenen Angaben sechs mutmaßliche Separatisten nahe Poonch im Süden des indischen Bundesstaats Jammu und Kaschmir.

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