Keine Notfallpläne für Bankenpleiten geplant: Krisenmanagement wird neu organisiert

Keine Notfallpläne für Bankenpleiten geplant
Krisenmanagement wird neu organisiert

Die deutschen Banken bereiten sich mit Hilfe von Regierung, Bundesbank und Finanzaufsicht auf neue Schocks vor. Vor allem die Angst vor Terroranschlägen und einem Irakkrieg sorgen in der gesamten Finanzindustrie für Verunsicherung. Das neue System abgestimmter Reaktionen gibt dem Zufall keine Chance.

FRANKFURT/M. Ein Wort fürchtet die deutsche Finanzgemeinde derzeit wie der Teufel das Weihwasser: "Bankenkrise". Egal, wo diese elf Buchstaben auftauchen, sie sorgen für Bestürzung, Erschrecken und hektische Aktivität hinter den Kulissen. Ob in Ministerien, Geldhäusern oder Zentralbanken, die Verantwortlichen sind extrem nervös. Zu groß ist der Schaden, den haltlose Spekulationen über Liquiditätsengpässe oder leichtfertige Vergleiche mit der japanischen Bankenkrise in der deutschen Finanzbranche angerichtet haben.

Angesichts der angespannten Situation wollen sich Banken, Börse, Bundesregierung, Finanzaufseher und die Bundesbank offenbar gemeinsam gegen externe Schocks wappnen, beispielsweise durch den drohenden Irakkrieg. Aber bei der konzertierten Aktion geht es auch um Stresssituationen, die nicht mit der geopolitischen Lage, sondern mit den Problemen des Bankensektors selbst zu tun haben.

Risiken wie nach den Terrorangriffen des 11. Septembers müssten eingedämmt werden, heißt es in Finanz- und regierungsnahen Kreisen. Damals standen viele Banken durch den Ausfall von Börsen- und Abrechnungssystemen plötzlich vor umfangreichen offenen Positionen, für die sie Sicherheiten, oft in Milliardenhöhe, hinterlegen mussten. Deshalb müsse sichergestellt werden, dass Börsen und Finanzmärkte auch im Katastrophenfall so lange wie möglich offen blieben, heißt es in den Kreisen. Die Banken selbst würden bereits über ausgelagerte Notkapazitäten verfügen, die ständig von der Finanzaufsicht überwacht würden. Darüber hinaus werde derzeit an einem detaillierten Kommunikationsplan für den Ernstfall gearbeitet.

Neben diesen technischen Vorkehrungen geht es vor allem um die Sicherung der Liquidität im Finanzsystem. "Bei Krisen wie dem 11. September muss klar sein, wer die betroffenen Institute stützt", heißt es in Finanzkreisen. Die Bundesregierung sieht hier offenbar in erster Linie die Banken selbst in der Pflicht. Die Institute müssten genau prüfen, welchen Teil ihres Wertpapierportfolios und welche Forderungen sie schnell beleihen könnten. Aber auch die Bundesbank fühlt sich gut vorbereitet: "Wenn sich durch ein äußeres Ereignis Probleme ergeben, können Sie sicher sein, dass wir dem nicht hilflos gegenüber stehen werden", betont Bundesbank-Vorstand Edgar Meister.

Trotz der akribischen Vorbereitung auf externe Schocks sehen alle Verantwortlichen keine akute Gefahr für die Stabilität des Finanzsystems. Das gilt auch für die internationalen Ratingagenturen, die die Bonität der deutschen Banken benoten: "Generell sehen wir nicht, dass dem Bankensektor eine Solvenz- oder Liquiditätskrise droht", meint Stefan Best von Standard & Poor?s. Konkrete Notfallpläne für eine große Bankenpleite stünden nicht auf der Tagesordnung, heißt es in regierungsnahen Kreisen und bei der Bundesbank. Die Ratingagenturen halten solche Pläne ebenfalls für "nicht notwendig".

"Wir haben keine Bankenkrise, das ist gefährliches Gerede", betont auch Branchenexperte Wolfgang Gerke von der Universität Nürnberg/Erlangen. Selbst wenn ein großes Institut in Schwierigkeiten geraten sollte, erwartet Gerke keinen Kollaps des Finanzsektors. In diesem Fall dürfte es Stützungsaktionen der anderen Häuser geben.

Für die Ratingagentur Standard & Poor?s gehört Deutschland zu 15 von weltweit 80 untersuchten Systemen, die unter erheblichem Stress stehen. Massive Überkapazitäten, strukturelle Schwächen, untragbare Kosten, eine immer höhere Risikovorsorge für faule Kredite und zu niedrige Margen im Kreditgeschäft verhageln den Banken die Bilanzen. Verschärft wird die Lage durch die Dauerbaisse an den Börsen. Der Kurssturz lässt die finanziellen Polster, mit denen Verluste ausgeglichen werden könnten, rasant wegschmelzen.

Vor diesem Hintergrund haben die Ratingagenturen ihre Bonitätsnoten für die deutschen Banken bereits deutlich nach unten angepasst (siehe Grafik). Erst vor kurzem hat Commerzbank-Chef Klaus-Peter Müller vor einer Ratingabwärtsspirale gewarnt. Für Rolf-E. Breuer, den Präsidenten des Bundesverbandes deutscher Banken, ist das Ratingproblem nicht nur eine Kosten-, sondern auch eine Existenzfrage. Herabstufungen würden nicht nur die Refinanzierung verteuern, Institute mit einem schlechten Rating kämen auch für bestimmte Interbankengeschäfte nicht mehr als Partner in Frage. Vor allem Hypo-Vereinsbank und Commerzbank könnten weitere Herabstufungen drohen, wenn sie im operativen Geschäft anhaltende Verluste machen. Beide Häuser haben aber bereits angekündigt, dass sie 2003 wieder in die schwarzen Zahlen zurückkehren wollen.

Quelle: Handelsblatt

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%