Keine positiven Impulse im zweiten Halbjahr
Dritte Gewinnwarnung von Boss

Der Modekonzern Hugo Boss hat angesichts eines Gewinneinbruchs im ersten Halbjahr 2002 seine Ergebnisprognose für das Gesamtjahr zum dritten Mal innerhalb weniger Monate deutlich gesenkt.

Reuters METZINGEN. Der Modekonzern Hugo Boss hat nach einem Gewinneinbruch im ersten Halbjahr seine Gewinnerwartungen für 2002 zum zweiten Mal in zwei Monaten deutlich zurückgeschraubt. Die Vorzugsaktien brachen daraufhin um mehr als 19 Prozent ein.

Boss rechne für das laufende Jahr nun mit einem Ergebnis von 70 Millionen Euro nach Steuern, teilte der Herrenmode-Hersteller am Montag in Metzingen mit. Erst vor zwei Monaten hatte Boss die Prognose auf 95 (2001: 107) Millionen Euro gesenkt. Die Ursachen der neuerlichen Korrektur lägen vor allem in den USA, sagte ein Boss-Sprecher. Die Kollektion für die Sommersaison verkaufe sich enttäuschend. Zugleich habe Hugo Boss in den Ausbau des eigenen Boutiquen-Netzes investiert. "Das Geschäft läuft nicht nach unseren Vorstellungen", sagte er. Im ersten Halbjahr schrumpfte der Überschuss fast um die Hälfte auf 30 (58,9) Millionen Euro, im zweiten Quartal geriet Boss tief in die Verlustzone.

"Auf der sicheren Seite"

Auch von einem bisher erwarteten Umsatzzuwachs von drei bis fünf Prozent für das Gesamtjahr hat Boss Abschied genommen. Der Konzern erwarte nun einen Umsatz auf dem Niveau des Vorjahres von 1,095 Milliarden Euro, hieß es. Im ersten Halbjahr verzeichnete das Unternehmen nach Angaben des Sprechers noch ein "leichtes Umsatzplus" im Vergleich zu den 521 Millionen Euro in den ersten sechs Monaten 2001. Genaue Zahlen will Boss am 31. Juli veröffentlichen. Nach Reuters-Berechnungen hat Hugo Boss im zweiten Quartal rund 26 Millionen Euro Verlust hinnehmen müssen, ein Jahr zuvor lag das Minus nur bei zwei Millionen Euro. Im zweiten Halbjahr sei nicht mit einer Besserung zu rechnen. Mit den neuen Schätzungen sehe sich Boss aber "auf der sicheren Seite", sagte der Sprecher.

Die Boss-Aktien erlebten zum zweiten Mal in diesem Jahr eine drastische Talfahrt. Die im MDax notierten Vorzugstitel brachen um mehr als 19 Prozent auf ein Jahrestief von 13,15 Euro ein. Auch die Stämme gaben um rund 16 Prozent auf 12,12 Euro nach.

Ende Mai war das Papier um nahezu 20 Prozent eingebrochen, nachdem Vorstandschef Bruno Sälzer einen Tag vor der Übernahme seines Amtes von Unregelmäßigkeiten und zu hohen Bewertungen des Warenbestandes nach einer Inventur in den USA berichten musste. Boss korrigierte daraufhin die Gewinnerwartungen um elf Prozent auf 95 Millionen Euro nach unten. US-Vertriebschef Marty Staff und dessen Stellvertreter Vincent Ottomanelli mussten ihren Hut nehmen. Anwälte werfen Hugo Boss vor, schon im November von den Differenzen gewusst zu haben, und haben eine Sammelklage von Anlegern angekündigt.

Kern-Problem USA

Auch der Grund für die neuerliche Korrektur der Prognosen liegt nach Unternehmensangaben vor allem in den USA. Dort habe Boss im ersten Halbjahr 14 weitere eigene Läden eröffnet, zuvor waren es sieben. Seit Juni zeichnete sich aber ab, dass die neue Sommer-Kollektion schlechter läuft als geplant. Daher habe Boss den Händlern Rabatte einräumen und die eigenen Bestände in den vollen Lägern abwerten müssen. Das mache allein 18 Millionen der 25 Millionen Euro aus, die Boss 2002 im Vergleich zur bisherigen Prognose fehlten, sagte der Sprecher. Acht Millionen davon seien im ersten Halbjahr berücksichtigt, zehn Millionen belasteten das Ergebnis in der zweiten Jahreshälfte.

Die restlichen sieben Millionen Euro sieht Boss vor allem in Deutschland schwinden. Für den Mode-Einzelhandel hier zu Lande seien die sechs ersten Monate des Jahres die schlechtesten seit 1949 gewesen, sagte der Sprecher. Analysten zeigten sich in ersten Reaktionen ratlos. "Da muss man sich fragen, ob Boss das Geschäft in den USA unter Kontrolle hat", sagte Peter Thilo Hasler von der HypoVereinsbank. "Es ist nicht zu erwarten, dass es dort sobald besser läuft." Dabei sei die US-Konjunktur nicht schlechter als anderswo. Dennoch werde er an seiner Bewertung der Aktie als "Outperformer" angesichts des Kurssturzes fest halten. Er setze seine Hoffnungen auf die neue Kollektion von "Boss Woman", die Anfang August vorgestellt werden und die Damenmode-Sparte aus den roten Zahlen holen soll.

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