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Keine Power auf der Powerline

Die Idee ist pfiffig: die Daten aus den Internet rauschen über die vorhandene Stromleitung - keine zusätzlichen Kabel verlegen, keine Schlitze stemmen. Doch was so einfach klingt, scheint nicht so leicht zu realisieren. Obwohl der Durchbruch für die Powerline schon häufiger verkündet wurde, tun sich die potentiellen Anbieter nach wie vor schwer mit der Umsetzung in den Markt.

In diesem Jahr soll es endlich so weit sein. Powerline - die Datenübertragung über Stromleitung - geht ans Netz. Stromversorger RWE will als erster mit der Technik an den Markt gehen: Mitte nächster Woche auf der Computermesse Cebit will die RWE Powerline GmbH ihre Lösungen vorstellen, Produkte zeigen und Preise nennen, verspricht Unternehmenssprecherin Martina Rudy. Ab Juli soll es dann losgehen. Dann können Kunden über die Stromleitung im Internet surfen, heißt es.

Wir werden sehen: Nach den vielen Ankündigungen ist Skepsis angebracht. Im vorigen Jahr, ebenfalls zur Cebit, tönte Dick Mensing, Vorstandsmitglied der Oneline AG, des Newcomers unter den Powerline-Entwicklern, noch vollmundig: "Wir haben die Übertragungstechnik im Griff. Spätestens Anfang nächsten Jahres können wir starten." Doch daraus wurde nichts. Ein letzter Feldversuch, der vergangenen Sommer starten sollte, verzögerte sich. Und es ist nicht sicher ob, er in diesem Jahr abgeschlossen werden kann.

Die Ergebnisse des Testlaufs entscheiden darüber, ob Oneline, ein Unternehmen des Energieversorgers Eon, das Ziel der Datenübertragung über die Stromleitung überhaupt weiterverfolgen wird. Schon auf der diesjährigen Cebit ist für das Unternehmen aus Barleben bei Magdeburg das Surfen und Telefonieren via Powerline kein Thema mehr. Im Mittelpunkt der Präsentationen steht nur die Vernetzung im Haus.

Ein weiterer Powerline-Kandidat befindet sich auf dem Rückzug. Hieß es im Herbst vergangenen Jahres noch bei dem Energieversorger EnBW aus Baden-Württemberg optimistisch, die Technik sei ausgreift, man warte nur noch auf die Zulassung durch die Regulierungsbehörde für Telekommunikation und Post. So gibt sich das Unternehmen jetzt wesentlich zurückhaltender. Zunächst müssten die Feldversuche abgewartet werden. Ob es dann noch Sinn mache, mit Powerline an den Markt zu gehen, müsse sich zeigen. Vor allem durch das Angebot von ADSL, der schnellen Datenübertragung über Kupferkabel, die von der Telekom forciert wird, habe sich die Wettbewerbssituation für Powerline verschlechtert, räumt EnWB-Sprecher Klaus Wertel ein.

Das Hinauszögern der Feldversuche lässt vermuten, dass die Powerline-Entwickler doch größere Probleme mit der Einhaltung der Grenzwerte für eine Störstrahlung haben. Dies ist die Voraussetzung dafür, dass die Powerlinetechnik überhaupt genutzt werden darf. Es bleibt also spannend, ob es je zu einem breiten Einsatz der auf den ersten Blick pfiffigen Technik kommen wird. Denn Marktkenner sind sich einig, wenn nicht im diesem Jahr der Durchbruch gelingt, werden die Chancen für diese Übertragungstechnik weiter sinken.

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