Keine Preissenkungen zu erwarten
Autoindustrie fürchtet schwächere Nachfrage

Autoverkäufer haben es zurzeit in Deutschland schwer: Nach Angaben des Verbandes der Automobilindustrie (VDA) ist die Zahl der eingegangenen Bestellungen für neue Pkw im Februar - im Vergleich zum Vorjahresmonat - um 14 % geschrumpft. In zwei bis drei Monaten fehlen diese Aufträge in der Produktion, Kurzarbeit könnte bei einzelnen Herstellern die Folge sein.

zel DÜSSELDORF. Als möglichen Grund für die Kaufzurückhaltung hat die Fahrzeugbranche einen neuen Grund ausgemacht: die bevorstehende Reform im europäischen Automobilhandel durch die EU-Kommission. Wettbewerbskommissar Mario Monti hatte damit gleichzeitig deutliche Preissenkungen versprochen - allen voran in einem Hochpreisland wie Deutschland.

Aus Sicht einzelner Automobilhersteller verschieben potenzielle Kunden einen beabsichtigten Autokauf auf Herbst, weil sie die Reform des Fahrzeughandels und die angekündigten Preissenkungen abwarten wollen. "In Deutschland sind die Sorgen am größten", bestätigt Klaus Fricke, Marketing-Direktor von Fiat in Turin. Von einer Kaufzurückhaltung seien an erster Stelle die Massenhersteller betroffen, die Fahrzeuge aus dem "preissensiblen Bereich" anböten. Außer Fiat zählen dazu auch Volkswagen, Renault, Citroën oder Opel.

Opel-Verkaufsvorstand Uhland Burkart warnt vor vorschnellen Schlussfolgerungen deutscher Autofahrer. Die Ankündigungen der EU-Kommission könnten "zu falschen Hoffnungen" führen, deutliche Preissenkungen seien überhaupt nicht in Sicht. Für die Hersteller gibt es demnach überhaupt keinen Grund dafür, einen jetzt geplanten Autokauf bis in den Herbst zu verschieben.

Ähnlich äußert sich auch das britische Marktforschungsunternehmen Market Facts and Business Information (MFBI). Die geplante Reform des europäischen Autohandels und damit verbundene Veränderungen der Preisstruktur funktionierten wahrscheinlich nur in eine Richtung: Die niedrigen Preise aus Südeuropa und Skandinavien würden sich dem höheren deutschen Niveau anpassen. "Die Gefahr von Ertragsrückgängen in wichtigen Märkten wie Deutschland und Großbritannien ist einfach zu groß", begründet MFBI sein Ansicht in einer neuen Untersuchung.

Fiat stellt sich bereits auf Preiserhöhungen außerhalb Deutschlands ein. "Die Logik der EU-Politik führt unweigerlich zu steigenden Preisen in weiten Teilen Europas", sagt Marketing-Direktor Fricke. Vor wenigen Tagen hatte die EU-Kommission ihren jüngsten Vergleich über europäische Autopreise vorgelegt. Danach unterscheiden sich die Vorsteuerpreise in Europa von Land zu Land bei einzelnen Herstellern um bis zu 30 Prozent.

Für Opel ist die durch die EU-Ankündigungen bedingte Kaufzurückhaltung erwiesen. Im Februar sei die Verkaufsentwicklung "signifikant" schlechter ausgefallen, so ein Opel-Sprecher. Zu Jahresbeginn weist Ford erstmals einen höheren Marktanteil als Opel in Deutschland aus.

Auch der Herstellerverband VDA warnt davor, dass die Zahl der Autokäufe wegen vermeintlich erwarteter Preissenkungen zurückgeht. "Diese Befürchtungen sind nicht von der Hand zu weisen", betont ein VDA-Sprecher. Innerhalb der Branche verstärkten sich die Hinweise auf diese Entwicklung.

Im Vorgriff auf die Reform des Autohandels haben einzelne Hersteller bereits damit begonnen, die Preise anzugleichen. Porsche hat alle Modelle vereinheitlicht, bei BMW wird bisher nur für die 7er-Baureihe ein Einheitspreis verlangt, bei Mercedes nur für die neue E-Klasse. Bei ihrer neuen Preisgestaltung haben sich die Hersteller an den Hochpreisländern orientiert - und entsprechend niedrige Preise angehoben.

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