Keine Privatisierung der Leitungen
Konsortium mit Ruhrgas will Gasversorgung aus Russland sichern

Die Essener Ruhrgas AG will in einem internationalen Konsortium den Betrieb der Erdgas-Pipeline von Russland nach Westeuropa übernehmen. Da über die Leitung durch die Ukraine 80 % des nach Westeuropa exportierten russischen Erdgases fließe, habe ein sicherer Transit herausragende Bedeutung für die Versorgungssicherheit, teilte die Ruhrgas am Dienstag mit.

dpa ESSEN/ST. PETERSBURG. "Ruhrgas ist bereit, dieses ebenso wichtige wie anspruchsvolle Projekt mitzugestalten", sagte Vorstandschef Burckhard Bergmann.

Geplant sei nur eine Konzessionierung des Pipelinebetriebes, nicht eine Privatisierung der Leitungen, betonte der ukrainische Vizeregierungschef Oleg Dubina in St. Petersburg. "Europa will die Gaslieferungen garantiert sehen, Russland will den Transit garantiert sehen, und die Ukraine will das Pipelinesystem als ihres garantiert sehen", sagte er. Alle Dokumente sollen bis August ausgearbeitet werden. Über den Preis der Betriebslizenz gab es zunächst keine Angaben. Im Präsidialamt des ukrainischen Staatschefs Leonid Kutschma wurde nach Angaben der Zeitung "Wedomosti" (Moskau) vom Dienstag eine Summe von 1,5 Mrd. $ als Erstzahlung genannt.

Wegen der schwierigen rechtlichen und wirtschaftlichen Fragen sehe Ruhrgas die Gründung eines europäischen Konsortiums als den richtigen Weg an, sagte Bergmann weiter. Als einer der größten Kunden für russisches Erdgas mit einer Bezugsmenge von jährlich 20 Mrd. Kubikmeter habe das Unternehmen auch das entsprechende technische Know-How. Ruhrgas arbeite bereits seit Jahren mit der ukrainischen und russischen Gaswirtschaft auch in technischen Projekten zusammen.

Putin und Kutschma hatten am Sonntag die Bildung eines internationalen Konsortiums als Betreiber des Gasleitungssystems von Russland durch die Ukraine nach Westeuropa vereinbart. Deutschland hatte sich am Montagabend dem Projekt angeschlossen.

Russland und die Ukraine ihrerseits wollen mit der Vereinbarung den zehn Jahre lang immer wieder aufgeflammten Streit um den Gastransit und unbezahlte Rechnungen beilegen. Angesichts der Kiewer Schulden, die sich zeitweise auf mehrere Mrd. Dollar beliefen, drohte immer wieder ein Ausverkauf des ukrainischen Leitungssystems, durch das im vergangenen Jahr etwa 90 % des russischen Gesamtexports von 126 Mrd. Kubikmeter Erdgas flossen. Von dem Konsortium erhoffen sich beide Seiten auch Investitionen in das 35 500 Kilometer lange Leitungsnetz der Ukraine. Vor allem die 122 Verdichterstationen sind veraltet.

Dem Konsortium sollen der russische Erdgasriese Gasprom und Naftogas Ukrainy angehören. Neben Ruhrgas wurden die Wintershall AG (Kassel), Shell, die italienische ENI und Gaz de France als mögliche ausländische Teilhaber genannt.

Der russische Präsident Wladimir Putin sagte, für Sofort- Investitionen sollten 2,5 Mrd. $ bereitgestellt werden. Langfristig würden die Investitionen 15 Mrd. Dollar betragen. Bei dem Treffen in St. Petersburg wurde auch der Bau weiterer Pipelines ins Auge gefasst, während die ukrainische Seite betonte, die Frage einer neuen Leitung durch Polen "unter Umgehung der Ukraine" sei vom Tisch.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%