Keine Probleme mit seinem Image
Georg Obermeier: Der kampferprobte General

Seit zwei Jahren steht der ehemalige Viag-Chef an der Spitze des österreichischen Feuerfestherstellers RHI. Den machte Obermeier mit einer teuren Übernahme zur Nummer eins in der Welt.

WIEN. Konfrontiert mit Aussagen ehemaliger Kollegen über ihn durchlebt Georg Obermeier ein Wechselbad der Gefühle: Bei "notorischer Optimist" reagiert er kaum, bei "Wachstumsfetischist" verfinstert sich sein Blick unmittelbar. Die Kurzbeschreibung "General, der am liebsten in die Schlacht zieht", scheint ihm zu gefallen. Dann lacht er fast belustigt auf.

"Natürlich überzeichnen solche Charakterisierungen", aber "so grundfalsch" findet Obermeier die Einschätzungen nicht. Denn eines steht für seit Juni 1999 amtierenden deutschen Chef des österreichischen Feuerfestherstellers RHI fest: "Wenn ein Unternehmen aufhört zu wachsen, dann gibt es Stillstand, und Stillstand heißt Rückschritt." Unternehmen seien zur Expansion verurteilt, sonst fehle die Dynamik. Und wo das Wachstum fehle, dort blieben auch die Gewinne aus.

"Expansions-Georg"

Diese "tiefe" Überzeugung hat den gebürtigen Münchener Obermeier nach eigener Aussage "über lange Jahre geprägt" - und damit auch seinen beruflichen Weg. Den wenig schmeichelhaften Ruf als "Expansions-Georg" hat sich der ehemalige Vorstandsvorsitzende des Münchener Mischkonzerns Viag, an dessen Spitze er von April 1995 bis Juni 1998 stand, hart erarbeitet.

Kritiker werfen ihm vor, dass er bei seinen Einkauftstouren ziemlich wahllos zugegriffen habe, was Obermeier schon damals nicht gelten lassen wollte. Alle Zukäufe - wie etwa der umstrittene Erwerb von Computer 2000 - sagt er, hätte der Viag-Aufsichtsrat abgesegnet. Dies freilich sieht einer seiner ehemaligen Aufpasser anders: Obermeier habe zunächst Fakten geschaffen - sprich Firmen übernommen -, und erst im zweiten Schritt eine Strategie formuliert.

Weil das auf die Dauer nicht gutgehen konnte, musste Obermeier - gleichwohl für ihn wohl ziemlich überraschend - im Frühsommer 1998 von seinem Amt zurücktreten. Ein Dreivierteljahr verschwand der promovierte Betriebswirt daraufhin in der Versenkung, bis bei der österreichischen RHI der Chefposten frei wurde. Schon mit seinem ersten Auftritt in Wien hinterließ er einen nachhaltigen Eindruck.

Rundumschlag schon vor Amtsantritt

Bei der Bilanz-Pressekonferenz der RHI Ende März 1999, also noch drei Monate vor seinem offiziellen Amtsantritt bei dem Feuerfesthersteller, degradierte Obermeier das amtierende Management zu Statisten. Die Fragerunde der Journalisten zur Bilanz brach der designierte Vorstandschef kurzerhand ab und hielt einen 40-Minuten-Monolog. Thema: Wie RHI mit Zukäufen und Partnerschaften in "eine neue Dimension wachsen kann".

Keine Frage, Obermeier ist auch nach seinem Absturz in München immer der Alte: Kaum im Amt, setzt er seine Strategie um. Für 509 Millionen Euro kauft RHI den US-Konkurrenten Harbison Walker. Allerdings muss Obermeier, bis er sich Weltmarktführer nennen darf, noch ein halbes Jahr gedulden. Erst dann geben die amerikanischen Kartellbehörden die Transaktion frei.

Die Probleme fangen damit aber erst an. Der Kauf von Harbison Walker lässt - trotz Kapitalerhöhung - die Finanzverbindlichkeiten von RHI geradezu explodieren, der Aktienkurs bricht um ein Drittel ein. Der starke Einbruch der US-Stahl- und Aluminiumindustrie, der wichtigsten Kunden der Hersteller von Feuerfestprodukten, in diesem Jahr verschärft die Lage zusätzlich.

Obermeier: Keine Zweifel

Obermeier scheint dies nicht sonderlich zu beunruhigen. Zweifel, dass er sich übernommen hat, kommen ihm nicht. Im Gegenteil, der Kauf von Harbison Walker sei für RHI "existenziell wichtig" gewesen, beharrt er. Auch wenn die aktuellen Verluste in den USA schmerzten und sich das Tempo, in dem RHI seine Bankschulden tilgen kann, verlangsame, als Weltmarktführer komme RHI jetzt an Geschäfte heran, die früher "außer Reichweite lagen". Seine Kunden, die sich ebenfalls zu immer größeren Konzernen zusammenschlössen, wollten schließlich nicht bei "irgendeinem Wald- und Wiesenlieferanten einkaufen".

Der notorische Optimist Obermeier sieht sich und RHI auf dem richtigen Weg. Für die Analysten der Erste Bank in Wien freilich befindet sich das Unternehmen auf "einem steinigen Pfad". Mögen die doch schreiben, was sie wollen, scheint Obermeier zu denken: In spätestens zwei Jahren, tönt er, "wird sich der Aktienkurs verdoppeln".

Dass davon besonders sein ehemaliger Arbeitgeber profitieren würde, kann er leider nicht verhindern. Die Viag-Nachfolgerin Eon ist mit 10,6 Prozent größter Aktionär von RHI.

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