Keine rasche Branchen-Erholung erwartet
Chemieverband nicht in Feierlaune

Die chemische Industrie in Deutschland sieht auch nach dem Irak-Krieg keine Anzeichen für eine baldige Erholung der Branchenkonjunktur. Trotz des schnellen Endes des Krieges in der Golf-Region sprächen viele Anzeichen dafür, dass sich die Flaute fortsetze. So werde derzeit mit stagnierenden Chemiegeschäften im zweiten Quartal und einer leichten Erholung der Branchenkonjunktur im zweiten Halbjahr gerechnet, wobei die Impulse aus dem Ausland kämen.

Reuters FRANKFURT. Für das Gesamtjahr 2003 sei nur noch mit einem Produktionsanstieg um 0,5 % zu rechnen, teilte der Verband der Chemischen Industrie (VCI) am Dienstag in Frankfurt mit. Noch im März war der Verband von einem Produktionsplus von bestenfalls einem Prozent ausgegangen. "Wie sich die deutsche Chemiekonjunktur im laufenden Jahr entwickeln wird, ist nach wie vor unklar", hieß es im VCI-Bericht. Die Stimmung in der Branche sei weiterhin von Unsicherheit geprägt. Zwar seien die Geschäftserwartungen überwiegend positiv, der Optimismus sei aber deutlich geringer als noch vor einigen Monaten.

Bei einem Anstieg der Erzeugerpreise von 1,5 % im Jahresdurchschnitt und einer leicht positiven Mengenentwicklung werde der Umsatz der Branche aber erstmals wieder seit 2000 das Vorjahresniveau übertreffen. Insgesamt erwartet der VCI ein Umsatzplus von rund zwei Prozent, wobei die wesentlichen Impulse aus dem Ausland kämen. Bei den Exporten geht der Dachverband für das Gesamtjahr von einem dreiprozentigen Umsatzplus auf. Beim Binnengeschäft wird 2003 in der Chemie mit keiner Belebung gerechnet. Gemessen am Wirtschaftswachstum bleibe Deutschland dieses Jahr wohl das Schlusslicht in Europa. "Dementsprechend zurückhaltend sind die Erwartungen für das Inlandsgeschäft der Branche," hieß es im Bericht.

Dennoch malt der VCI nicht nur ein komplett düsteres Bild der Branchenkonjunktur. Es gebe auch Faktoren, die einen verhaltenen Optimismus rechtfertigten. Dazu zählt der VCI etwa die inzwischen deutlich gesunkenen Rohölpreise. Zudem gebe die Wirtschaftsentwicklung in Mittel- und Osteuropa sowie in Asien Anlass zur Hoffnung für ein weiteres Wachstum des Exportgeschäfts. Voraussetzung sei allerdings, dass es gelinge, die Ausbreitung der Lungenkrankheit Sars einzudämmen. Die Chemieindustrie gilt als frühzyklische Branche, da sie Änderungen der Konjunktur immer schon früher spürt als andere Branchen.

Im ersten Quartal sank die Produktion chemischer Erzeugnisse um 0,5 % im Vergleich zum Vorjahreszeitraum. Im Vergleich zum Schlussquartal 2002 sei sie jedoch 1,6 % gestiegen, was aber zu wenig sei, um als Signal für einen Aufschwung gewertet werden zu können. Kunden hätten lediglich ihre Lager mit Grundchemikalien angesichts befürchteter weiterer Preisanstiege aufgefüllt, begründete der Dachverband. Insgesamt stieg der Umsatz der deutschen Chemieindustrie in den ersten drei Monaten im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 4,3 % auf 34,5 Mrd. ?. Die Erzeugerpreise legten um 3,3 % zu.

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