Keine Reglementierung des Graumarktes erforderlich
Aktionärsschützer erwarten keine schnelle Erholung am Neuen Markt

Der Neue Markt verfügt nach Meinung der Schutzgemeinschaft der Kleinaktionäre (SdK) auch nach den dramatischen Kursverlusten der vergangenen Monate über Zukunftspotenzial, allerdings ist eine Erholung der Wachstumsbörse derzeit nicht in Sicht.

rtr FRANKFURT. "Trotz des negativen Szenarios ist der Neue Markt nicht tot", sagte Markus Straub, stellvertretender Vorsitzender der SdK, auf der Jahrespressekonferenz der Vereinigung am Montag in Frankfurt. Gleichzeitig zeigten sich die Aktionärsvertreter skeptisch in Bezug auf die geplanten Regeln zum Ausschluss von Penny-Stocks vom Neuen Markt und forderten Korrekturen beim Gesetzentwurf der Bundesregierung zum Übernahmerecht. Dagegen sei eine Reglementierung des Graumarktes für Neuemissionen nicht erforderlich.

Nach Ansicht der SdK befindet sich der Neue Markt gegenwärtig in einer Bereinigungsphase, die durchaus noch längere Zeit andauern könne. Auch künftig erwarten die Kleinaktionärsvertreter eine Belastung des Marktes durch negative Unternehmensmeldungen. Zudem werde sich die Anzahl der am Neuen Markt gelisteten Unternehmen drastisch reduzieren. Da Kapitalerhöhungen wegen des schlechten Börsenumfelds gegenwärtig kaum mehr möglich seien, "werden plötzlich auch gesunde Firmen am Neuen Markt den Bach runter gehen", sagte Straub.

"Penny Stocks rauswerfen bringt nichts"

Eher symbolischen als praktischen Wert haben der Sdk zufolge die von der Deutschen Börse geplanten Regeln zum Ausschluss von Unternehmen aus dem Neuen Markt (Delisting), deren Aktien unter einem Euro notieren. "Penny Stocks rauswerfen bringt nichts," betonte Straub und fügte hinzu, dass dieses Vorgehen bei Anlegern den Eindruck hinterlassen könnte, als "würden die Geschäftsbedingungen im Nachhinein geändert."

Stattdessen schlagen die Kleinaktionärsvertreter eine strengere Auswahl von Unternehmen vor, die an den Neuen Markt streben, wozu auch ein Rating von Emissionshäusern beitragen könnte. Sinnvoll wäre zudem eine Regelung, nach der Aktien unter fünf Euro gar nicht erst für einen Börsengang am Neuen Markt zugelassen werden würden sowie längere Haltefristen der Altaktionäre bei Gesellschaften, die keine Gewinne machten.

Forderung nach Änderung des geplanten Gesetzes

Eine Regulierung des Graumarktes für Neuemissionen ist nach Einschätzung der SdK nicht notwendig, auch wenn es dabei in der Vergangenheit zu Kursmanipulationen gekommen sei. "Ich denke nicht, dass man das reglementieren muss, das regelt der Markt", sagte Straub und verwies darauf, dass der Graumarkthandel derzeit ohnehin fast zum Erliegen gekommen sei. Beim von der Bundesregierung geplanten Gesetz zur Regelung von Firmenübernahmen fordern die Aktionärsvertreter einige Änderungen. So könne die geplante Schwelle von 30 % der Aktien, mit der eine Person oder ein Unternehmen nach dem bisherigen Vorschlag die Kontrolle über eine Gesellschaft ausübt, nur eine pauschale Mindestgrenze sein. Relevant sei stattdessen, ob eine tatsächliche Kontrolle vorliege.

Den im Gesetzentwurf vorgesehenen Vorratsbeschluss durch den Vorstand zur Verhinderung von Firmenübernahmen lehnt die SdK ab. Stattdessen solle der Aktionär als Miteigentümer entscheiden, ob er das Übernahmeangebot annimmt oder nicht.

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