Archiv
Keine Rote Karte für Ron Sommer

Die Personaldiskussion um Ron Sommer wird so bald nicht verstummen. Doch fürs erste kann der Telekom-Chef noch einmal durchatmen.

In den letzten Monaten ist Ron Sommer immer häufiger ins Schwitzen geraten. Und das dürfte nicht allein an der heißen Jahreszeit gelegen haben. Kurz vor Veröffentlichung der Halbjahreszahlen hat der smarte, zunehmend umstrittene Manager aber kühlen Rückenwind spüren dürfen. Finanzminister Eichel stellte sich am Montag hinter Sommer. Noch glaubt der Bund, der mit 43 Prozent die Aktienmehrheit hält, dass der Mann den Problemfall T. lösen kann.

Daneben stellt sich in der Tat die Frage, wie groß das Managementverschulden an der gegenwärtigen Lage der Telekom tatsächlich ist. Welchen Einfluss hat ein Unternehmensführer denn auf Großaktionäre, wenn diese ihre Anteile verkaufen wollen oder müssen? Außerdem: Wer sollte Sommer ersetzen? Bisher ein Rätsel ohne Lösung.

Kein Grund zur Demission lieferten auch die Zahlen, die er gestern präsentierte. Mit dem Ausblick auf das Mobilfunkgeschäft kann man zum Beispiel durchaus zufrieden sein. Analysten bewerteten die Details zum Halbjahresergebnis insgesamt positiv.

Fatal ist und bleibt aber die Kommunikationspolitik des Bonner Konzerns. Dort agiert man offenbar ganz nach der Maxime: Heimlich, still und leise. Erst am Wochenende war bekannt geworden, dass der finnische Telekom-Konzern Sonera im Juni und Juli 21,9 Mill. T-Aktien verkauft hatte, obwohl das Unternehmen bis Ende August zum Halten der Aktien verpflichtet gewesen wäre. Die Telekom hatte dem Verkauf zugestimmt, dies aber erst jetzt bekannt gemacht. Für die Schutzgemeinschaft der Kleinaktionäre ein klarer Angriff auf die Aktienkultur.

Auch am Dienstag ließ Sommer viele Fragen unbeantwortet, die für die Zukunft des Magenta-Riesen von entscheidender Bedeutung sind. So soll das internationale Mobilfunkgeschäft unter eine globale Dachmarke gestellt werden. Nach dem Vorbild der Wettbewerber Vodafone und Orange ist geplant, bis Ende nächsten Jahres die nationalen Firmennamen und Marken verschwinden zu lassen und durch die übergreifende Bezeichnung T-Mobile abzulösen. Was die Entwicklung, Einführung und Pflege einer solchen Dachmarke kosten soll und was aus den lokalen Marken wird, darüber gab es keine Aufklärung.

Klärungsbedürftig ist auch die Weiterführung der Informationstechnologie- und Beratungstochter T-Systems, die bis Ende 2002 börsenfähig gemacht werden soll. Wie zum Beispiel das Debis Systemhaus integriert wird, auch darüber fiel bislang kein Wort.

Vor allem die Kleinanleger sind von Sommers Auftritt nicht überzeugt. Optimismus und Vertrauen sind weitgehend aufgebraucht. Mit Zahlen und lauen Worten allein kann er dort verspielten Kredit nicht zurück gewinnen. Die Aktionäre warten auf echte Perspektiven und ehrliche Kommunikation. Die neue, von Finanzminister Eichel gewährte Unterstützung für den Manager ist nicht mehr als eine Schonfrist.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%