Keine schlechten Rahmenbedingungen – aber auch kein Anlass zur Euphorie
Anleger sollten sich auf ein gemischtes Aktienjahrzehnt einstellen

Die 90-er Jahre waren ein Aktienjahrzehnt; die 70-er dagegen ein Rentenjahrzehnt. Die 80-er Jahre zeigten kein eindeutiges Bild. Und was bringen die 0er-Jahre? Wenn man ein paar wichtige Rahmenbedingungen für die Börse prüft, stellt man fest: Die Vorzeichen sind nicht schlecht, geben aber keinen Anlass zur Euphorie.

fw DÜSSELDORF. Zunächst war im neuen Jahrtausend mit Renten mehr zu verdienen als mit Aktien. Mit dem Einbruch nach dem Terroranschlägen im September haben die Aktien aber möglicherweise ihren tiefsten Punkt gesehen. Hier soll es jedoch um den längerfristigen Trend gehen. Was braucht unsere Zeit, um ein Aktienjahrzehnt zu werden?

Sehr hilfreich wäre ein sinkender oder zumindest stabiler Zins, der Anleger auf der Suche nach höheren Renditen auch zu risikoreicheren Aktien greifen lässt. Zurzeit zeigt der Zinstrend nach unten. Wenn die Konjunktur anspringt und das viele Geld, das die Notenbanken zurzeit in die Märkte pumpen, spürbar wird, könnten sich sehr rasch Ansätze zur Inflation zeigen, die ein Gegensteuern der Notenbanken notwendig machen und die Zinsen nach oben treiben.

Doch längerfristig ist ein stabiler Zinstrend zu erwarten, meint Volkswirt Harald Düren von Trinkaus & Burkhardt. "Die Notenbanken haben ihre Lektion gelernt und werden eine dauerhafte Inflation wie in den 70-er-Jahren nicht zulassen", sagt er. Auch von der Finanzpolitik seien keine großen Sünden zu erwarten. Volkswirt Michael Schubert von der Commerzbank sieht auch Stabilität, aber auf einem höheren Niveau als zurzeit – er geht von niedriger Inflation und langfristigen Renditen bei 5,5 % in Euroland und 6,5 % in den USA aus. Sein Kollege Gernot Nerb beim Ifo-Institut glaubt indes, dass der Konjunkturaufschwung verhalten sein wird und die langfristigen Zinsen eher noch etwas zurückgehen könnten. Fazit: Die Zinsseite stellt keine Bedrohung des Aktienmarktes dar, aber ein großer Schub von dieser Seite ist auch nicht zu erkennen.

Wichtig wäre auch eine neue Börsenstory, die Anleger fasziniert – davon ist zurzeit nichts zu spüren.

Stetiger Zustrom neuer Anlagegelder

Ein weiterer Punkt ist der stetige Zustrom neuer Anlagegelder, so lange die geburtenstarken Jahrgänge noch sparen und nicht schon selbst in Ruhestand gehen. Nach Aussage des Demographen Andreas Heigl von der Hypo-Vereinsbank ist dies in den USA noch etwa bis 2008 zu erwarten, auch in Europa seien die großen Rückflüsse an Rentner erst im nächsten Jahrzehnt abzusehen. Derzeit sei, gemessen an der Bevölkerungsentwicklung, die Sparleistung auf dem Höhepunkt, wobei in Europa wegen der späten Entdeckung der Aktienkultur und des Ausbaus kapitalgedeckter Vorsorgesysteme noch ein "Nachholeffekt" einzurechnen sei. Zum Vergleich: In Deutschland liegt die Zahl der Aktionäre bei knapp 10 % der Bevölkerung (Zahlen des Deutschen Aktieninstituts, ohne Fonds) in den USA bei rund 25 %.

Voraussetzung für einen neuen Kursaufschwung ist zudem eine vernünftige Bewertung der Aktien als Ausgangspunkt. Vergessen wir mal die Wachstumswerte am Neuen Markt und an der Nasdaq und betrachten zum Beispiel den Deutschen Aktienindex (Dax) und die amerikanischen Dow Jones. Der Dax ist mit einem durchschnittlichen KGV von rund 30 (gemessen an den geschätzten Gewinnen für 2001) nicht gerade billig, der Dow liegt bei etwa 25 etwas günstiger. Zum Vergleich: Einer laufenden Rendite von 5 % entspräche rechnerisch ein KGV von nur 20. Es gibt aber genügend Aktien, die gemessen daran moderat bewertet sind.

Das Fazit: Weder eine Flaute wie in den 70-ern noch ein Boom wie in den 90-ern ist abzusehen – ehe eine gemischte Lage wie in den 80-er Jahren. Langfristig orientierte Anleger sollten sich auf bewährte Grundsätze verlassen: nicht allein auf Aktien setzen und bei der Auswahl auf eine vernünftige Bewertung achten.

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