Keine schnelle Entscheidung erwartet
Neuer ZDF-Intendant gesucht

Der ZDF-Fernsehrat entscheidet am Donnerstagabend über die Nachfolge von Intendant Dieter Stolte. Mit einer schnellen Entscheidung wird nicht gerechnet.

dpa MAINZ. Für die Wahl in dem 77- köpfigen Gremium sind 47 Stimmen erforderlich. Die unionsnahen Mitglieder favorisieren den stellvertretenden ZDF-Chefredakteur Helmut Reitze. Die SPD-nahen Mitglieder stehen auf der Seite der Hamburger NDR-Landesfunkhauschefin Dagmar Reim. Der 67 Jahre alte Stolte gibt das Amt im März 2002 nach 20 Jahren ab.

Der Nachfolger von Dieter Stolte als ZDF - Intendant übernimmt die Leitung eines der größten Fernsehsender in Europa.Das ZDF mit seinem Hauptprogramm und seinen Partnersendern 3sat, Arte, Kinderkanal und Phoenix, den digitalen Kanälen ZDF.info, ZDF.doku und ZDF Theaterkanal sowie Videotext- und Internetangeboten beschäftigt rund 3600 Angestellte. Neben dem Sendezentrum auf dem Mainzer Lerchenberg betreibt das ZDF ein Hauptstadtstudio in Berlin sowie 16 Inlands- und 18 Auslandsstudios.

Der Etat der öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalt für 2001 liegt bei rund 3,5 Mrd. DM (1,79 Mrd Euro). Für 2000 verbuchte der Sender ein Defizit von 251,5 Mill. DM. Das ZDF finanziert sich wie auch die ARD aus einer Mischung von Rundfunkgebühren und Werbung. Von den 31,58 DM monatlichen Gebühren pro Zahler erhält das ZDF 7,84 DM. Der Gebührenanteil an den Einnahmen liegt zur Zeit nach Angaben des Senders bei knapp 84 %, der Anteil aus der Werbung bei knapp 11 %. Der Rest sind sonstige Einnahmen wie Lizenzverkäufe, Zinserträge, Mieten und Pachten.

Laut Programmauftrag muss das ZDF eine ausgewogene Mischung aus Information, Kultur, Unterhaltung und Beratung bieten. Im Rennen der privaten und öffentlich-rechtlichen Fernsehsender um Einschaltquoten lag das ZDF im Jahr 2000 mit einem durchschnittlichen Jahresmarktanteil von 13,3 % auf Platz drei. Vor dem ZDF landeten ARD und RTL, die laut GfK-Fernsehforschung beide auf 14,3 % kamen.

Das ZDF wurde 1961 als zweite öffentlich-rechtliche Sendeanstalt neben der ARD gegründet, 1963 begann der Sendebetrieb. Dem war ein langwieriger Streit zwischen Bund und Ländern vorausgegangen. Die Bundesregierung unter Konrad Adenauer (CDU) plante einen Privatsender mit großem Einfluss des Bundes. Mehrere SPD-regierte Länder klagten dagegen vor dem Bundesverfassungsgericht. Es entschied im so genannten ersten Fernsehurteil, dass die Rundfunkhoheit den Ländern obliege und der Einfluss des Bundes gegen den Grundsatz der Staatsferne verstoße.

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