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Analyse: Bisherige Wachstumsstrategie zu teuer

Die andauernde Flaute ihrer Aktienkurse zwingt die Telekommunikationsunternehmen zum Strategiewechsel. Kam es bisher in der Branche darauf an, möglichst schnell möglichst viele Kunden über möglichst niedrige Preise zu gewinnen, stellen die Anbieter nunmehr ihre Preise auf den Prüfstand. Der Grund: Die bisherige Wachstumsstrategie erweist sich als zu teuer.

DÜSSELDORF. Immer stärker drängen jetzt die Analysten die Vorstände von Deutscher Telekom über Vodafone bis British Telecom, mehr Geld mit dem Verkauf ihrer Dienstleistungen zu verdienen und Schulden abzubauen. Bereits seit Ende 2000 gibt es so gut wie keine große Telekom, die nicht außerdem angefangen hätte, alles zu verkaufen, was nicht direkt zum Kerngeschäft gehört. So trennen sich Telefónica, British Telecom und Deutsche Telekom in den nächsten Jahren von ihren Immobilien. Ron Sommers Telekom wird sich darüber hinaus schneller als erwartet von der Mehrheit am Fernsehkabelgeschäft trennen, nachdem das Unternehmen im Jahr 2000 bereits Milliarden aus Beteiligungsverkäufen (Global One, Wind, zwei Kabelregionalgesellschaften) eingenommen hat.

Das Kerngeschäft wird durch Anteilsverkäufe jedoch nicht profitabler. Im Mobilfunk stehen deswegen jetzt die hohen Handy-Subventionen zur Disposition. D2-Chef Jürgen von Kuczkowski kündigt bereits an, diese Subventionen zu kürzen. Allgemein als Forderung an den Markt haben dies T-Mobil-Chef René Obermann und Viag Interkom-Chef Maximilian Ardelt bereits vor Wochen formuliert. Sie werden daher mit hoher Wahrscheinlichkeit dem Vorbild von D2 folgen. Denn wer jetzt noch kein Handy hat, so das Kalkül, zählt kaum zu den potenziellen Vieltelefonierern. Und Kunden, die keinen oder nur wenig Umsatz bringen, werden von Analysten zunehmend mit Skepsis gesehen. Vodafone-Chef Chris Gent kündigte sogar bereits an, bei der monatlichen Kundenzählung Handybesitzer, die nicht telefonieren, nicht länger mitzählen zu wollen. Konkurrenten wie Viag Interkom und E-Plus denken ebenfalls darüber nach: Mit einem dann höheren Durchschnittsumsatz pro Kunde stünden sie vor den Analysten besser da.

Auch im Festnetz dürfte der Preiskampf der Billiganbieter vor dem Ende stehen. Eine Ursache ist die Entscheidung des Telekom-Regulierers Matthias Kurth, dass die neuen Anbieter künftig mehr an die Telekom zahlen müssen, wenn diese offene Rechnungen für sie eintreibt. Anbieter wie Teledump erhöhten daraufhin bereits die Preise. Jede Preiserhöhung wiederum nimmt Druck von den Konkurrenten.

Schon reden hinter vorgehaltener Hand immer öfter Manager der neuen Telefonfirmen darüber, dass sie sich die billigsten Angebote eigentlich nicht leisten können. Und der Druck steigt: Das Kapital für den Netzausbau haben sich viele neue Anbieter an der Börse besorgt. Jetzt ist dort nichts mehr zu holen. Langsamer wachsen und Gewinne machen, lauten seither die Ziele, die sich bereits bei Netzausrüstern wie Nortel und Cisco in Gewinnwarnungen niederschlagen: Denn Aufträge werden inzwischen nicht mehr nur in den USA gestreckt.

Donata Riedel ist Handelsblatt-Korrespondentin in Berlin.
Donata Riedel
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