Keine spektakulären Personalentscheidungen erwartet
Schrempp will Daimler-Chrysler-Vorstand umbauen

Vermutlich bereits im Februar 2003 wird Daimler-Chrysler-Vorstandschef Jürgen Schrempp das Führungsgremium des größten deutschen Unternehmens umbauen. Denn gleich sieben Vorstandsverträge laufen in dem Autokonzern (geplanter Umsatz 2002: 150 Milliarden Euro) am Ende des neuen Jahres aus.

HB/dpa STUTTGART. Nach Informationen aus Konzern-Kreisen und Einschätzung von Beobachtern werden aber keine spektakulären Personalentscheidungen erwartet. Schrempp (58) selber und sein wichtigster Mann, Mercedes-Benz-Markenchef Jürgen Hubbert (63), sind ohnehin vom Aufsichtsrat bis 2005 bestellt worden.

Schrempp umriss im vergangenen Sommer in einem Gespräch mit der Agentur dpa, wie er sich den neuen Vorstand vorstellt. Neue jüngere Manager sollten mit den erfahrenen Vorständen eine Mischung bilden, Funktionen wie Forschung oder Finanzdienstleistungen würden ebenso wieder im Führungsgremium vertreten sein wie amerikanische Manager. Ganz nebenbei ließ der angesichts der raschen Restrukturierungserfolge in den USA wieder optimistische Daimler-Chrysler-Boss anklingen, dass er sich einen Verbleib an der Konzernspitze über 2005 hinaus durchaus vorstellen könnte.

Einen Teil dieser Ideen haben Schrempp und Aufsichtsratschef Hilmar Kopper bereits umgesetzt. Der amtsmüde Forschungschef Klaus- Dieter Vöhringer wird bereits zu Jahresanfang von Thomas Weber (48) ersetzt. Konzernstratege Rüdiger Grube (51) rückte zum ordentlichen Vorstandsmitglied auf, ebenso "Shooting-Star" Wolfgang Bernhard (42). Bernhard, der die harte Chrysler-Sanierung erfolgreich mit umgesetzt hatte, gilt als ein heißer Kandidat für höhere Weihen im Konzern. Grube - er steuert die Zusammenarbeit der Konzernteile und Beteiligungen in Europa, den USA und Asien - könnte auch die Aufgaben von Raumfahrt-Vorstand Manfred Bischoff (61) übernehmen, falls dieser zur Disposition steht. Mit Klaus Mangold (59/Finanzdienstleistungen) muss möglicherweise ein weiterer langjähriger Vorstand einem Jüngeren Platz machen.

Als eher zweifelhaft gilt, dass weiter zwei Amerikaner im bisher 13-köpfigen Daimler-Chrysler-Vorstand sitzen werden. Die Funktionen von Gary Valade (Weltweiter Einkauf) und Thomas Sidlik (Einkauf Chrysler Group) sind angesichts der inzwischen immer besser funktionierenden Zusammenarbeit der Konzernteile in dieser Form ohnehin obsolet. Auf der anderen Seite wird Schrempp schon aus diplomatischen Gründen weiterhin zumindest einen Amerikaner im Vorstand behalten wollen.

Ansonsten aber gilt: Schrempps andere Top-Leute sind gesetzt. Dieter Zetsche (49) bleibt nach erfolgreicher Sanierung Chef der Chrysler-Group mit allen Optionen auf einen Job ganz oben an der Konzernspitze. Eckhard Cordes (52) muss erst einmal weiter Lastwagen fahren - die angeschlagene Nutzfahrzeugsparte bedarf weiter einer harten Sanierungshand. Cordes könnte sich durchaus auch als Finanzchef des Konzerns vorstellen, heißt es. Diese Funktion dürfte aber - vielleicht nur für einen verkürzten Zeitraum - weiter Manfred Gentz (61) ausüben.

Dessen angeblich schlechtes Verhältnis zu Schrempp wird zwar medial bei jeder Vorstandsumbesetzung beschworen. Doch der Konzernlenker hat immer wieder klargemacht, dass der als penibel und zurückhaltend geltende Gentz ein wichtiges Pendant für ihn ist. Außerdem genießt der langjährige Finanzchef das Vertrauen der Deutschen Bank - und eines nicht so ganzen fernen Tages wird sich der größte Einzelaktionär (zwölf Prozent) wohl von seiner Beteiligung an dem Autokonzern trennen. Und für diese komplexe und für den Aktienkurs nicht unriskante Transaktion wird ein Mann wie Gentz auf Daimler-Chrysler-Seite gebraucht.

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