Keine Spur von Bin Laden
El-Kaida-Kämpfer flüchten

Der Widerstand der El-Kaida-Kämpfer von Osama bin Laden in der Bergfestung Tora Bora ist offenbar gebrochen. Die Anti-Taliban-Kämpfer forderten sie ultimativ auf, Tora Bora bis Mittwoch 08.00 Uhr (04.30 Uhr MEZ) bedingungslos zu übergeben.

ap TORA BORA/AFGHANISTAN. Nach Angaben der afghanischen Milizen versuchten viele El-Kaida-Kämpfer nach Pakistan zu fliehen. Die Führung einer UN-Friedenstruppe für Afghanistan will offenbar Großbritannien übernehmen. Der Militärchef der afghanischen Milizen bei Tora Bora, Mohammed Saman, rief einen Waffenstillstand aus. Zuvor hatten sich zumindest einige El-Kaida-Kämpfer bereit erklärt, über eine Kapitulation zu verhandeln. Saman sagte, die Kämpfer müssten sich bedingungslos ergeben. Sie würden dann der internationalen Gemeinschaft überstellt, um sie vor Gericht zu stellen.

Ein Kommandeur der Anti-Taliban-Truppen, Hasrat Ali, berichtete, El-Kaida-Kämpfer seien nach der Vertreibung aus der Festung auf der Flucht nach Pakistan. Seine Soldaten hätten einen von zwei Gipfeln des Berges Enseri Sur erobert. "Sie rennen weg. Wir werden versuchen, ihnen von der anderen Seite den Weg abzuschneiden."

Nach tagelangen erbitterten Gefechten konnten afghanische Milizen die vorwiegend arabischen Kämpfer Bin Ladens am Dienstag aus vielen Höhlen von Tora Bora vertreiben. Möglich wurde dies durch pausenlose US-Luftangriffe, nächtliche Vorstöße amerikanischer Spezialeinheiten und dem Dauerbeschuss aus Panzern.

Von Bin Laden und Taliban-Führer Mullah Mohammed Omar fehlte aber weiter jede Spur. Die USA vermuten sie offenbar weiterhin in der Nähe von Kandahar. Dort stationierte die Marineinfanterie weitere leichte Kampffahrzeuge des Typs LAV-25s, die über eine 25- Millimeter-Kanone verfügen, Geländewagen mit Panzerabwehrraketen und Kampfhubschrauber des Typs Cobra.

Großbritannien will nach den Worten von US-Außenminister Colin Powell die Führung der geplanten Friedenstruppe in Afghanistan übernehmen. Jetzt müsse noch eine UN-Resolution herbeigeführt werden. Auch Frankreich will sich aktiv am Wiederaufbau Afghanistans und der Friedenssicherung beteiligen.

Der UN-Gesandte für Afghanistan, Lakhdar Brahimi, traf unterdessen zu Gesprächen über die Zukunft des Landes in Kabul ein. Es war nicht bekannt, ober er mit dem designierten Ministerpräsidenten Hamid Karsai zusammentrifft, der sich noch im Gebiet von Kandahar aufhält und in den kommenden Tagen auch nach Kabul reisen wollte. Die afghanische Interimsregierung unter Karsai soll ihre Arbeit am 22. Dezember aufnehmen.

Kritik am Petersberger Abkommen

Die Kritik an der auf dem Petersberg bei Bonn ausgehandelten Regierungszusammensetzung hielt an. Sie richtet sich besonders dagegen, dass die drei wichtigen Ministerien für Inneres, Verteidigung und Äußeres alle von der Partei des früheren Präsidenten Burhanuddin Rabbani geleitet werden. Alle drei Minister stammen zudem aus dem Pandschirtal, der Hochburg des ermordeten Militärführers der Nordallianz, Achmed Schah Massud. Gegen die Regierung ausgesprochen haben sich der usbekische Milizführer Raschid Dostum, der das Gebiet um Masar-i-Scharif beherrscht. Auch die Schiiten in Afghanistan fühlen sich nicht angemessen vertreten, ebenso wie der Milizführer Ismail Chan, der fünf Provinzen im Westen Afghanistans beherrscht.

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