Keine Staatsgarantie für Kredit
Letzter Sargnagel für United Airlines

Die US-Regierung hat dem Lufthansa-Partner United Airlines eine Kreditgarantie verweigert und die angeschlagene US-Fluglinie damit an den Rand eines Insolvenzantrags gebracht.

Reuters CHICAGO. United sei bereit, einen Antrag auf Gläubigerschutz ("Chapter 11") zur Abwendung eines Konkurses zu stellen, sobald eine Zwischenfinanzierung von rund 1,5 Milliarden Dollar bereit stehe, hieß es am Donnerstag aus mit der Situation vertrauten Kreisen. Damit solle der Flugbetrieb aufrechterhalten bleiben. Unter "Chapter 11" können in Finanznot geratene Konzerne beantragen, dass die Forderungen ihrer Gläubiger zur Rettung der Gesellschaft bis auf weiteres eingefroren werden.

Zuvor hatte das nach den Anschlägen vom 11. September 2001 von der US-Regierung eingerichtete Air Transportation Stabilization Board (ATSB) eine staatliche Kreditgarantie für United Airlines abgelehnt. Die zweitgrößte US-Fluggesellschaft hatte auf diese Bürgschaft gebaut, um Schulden von rund zwei Milliarden Dollar zu refinanzieren und so einen Konkurs zu vermeiden. Im nachbörslichen Handel brachen die Papiere des Mutterkonzerns UAL um die Hälfte ein.

United fliegt zusammen mit der Lufthansa im Flugbündnis Star Alliance und unterhält darüber hinaus mit dem deutschen Partner weitere Kooperationen. Die Lufthansa hatte bereits vor einigen Wochen angedeutet, dem angeschlagenen US-Partner möglicherweise zur Hilfe zu eilen, dabei aber keine konkreten Angaben gemacht. "Wir sind mit United in Gespräche", bekräftigte ein Sprecher der Lufthansa, deren Aktien ebenfalls unter Druck gerieten.

"Unangemessen optimistischen Umsatzprognosen"

Das Regierungsgremium begründete die Verweigerung der Bürgschaft für United Airlines mit unangemessen optimistischen Umsatzprognosen im Antrag der Firma. Der vorgelegte Sanierungsplan sei finanziell nicht solide und stelle ein inakzeptabel hohes Risiko für die Steuerzahler dar. Die Ablehnung sei jedoch nicht endgültig, United könne den Antrag noch anpassen, hieß es allerdings.

United steckt seit den mit entführten Flugzeugen verübten Anschlägen von New York und Washington wie alle amerikanischen Fluglinien in einer schweren Finanzkrise. Im Laufe dieses Jahres verbuchte die Gesellschaft - von der zwei der vier gekaperten Maschinen stammten - einen Verlust von 1,7 Milliarden Dollar nach einem Minus von mehr als zwei Milliarden Dollar 2001.

Analysten-Schätzungen zufolge "verbrennt" United jeden Tag acht Millionen Dollar. Das Unternehmen hatte zur Abwendung einer Pleite einen Sanierungs- und Kostensenkungsplan inklusive massiver Stellenstreichungen und Gehaltskürzungen entworfen, der in Teilen der Belegschaft jedoch auf Ablehnung stieß. So wollten die Mechaniker des Unternehmens am Donnerstag eigentlich nochmal über die vorgeschlagene Kürzung ihrer Gehälter abstimmen, was jedoch auf Grund des ATSB-Neins verschoben wurde.

Flugbetrieb geht weiter

United-Chef Glenn Tilton teilte mit, die Gesellschaft werde ihren Flugbetrieb fortsetzen, während mit den Gewerkschaften und anderen Beteiligten über die weiteren Schritte beraten werde. Er kündigte weder einen Konkursantrag an, teilte noch mit, ob United, die UAL-Tochter ihren Antrag in veränderter Form erneut stellen könnte. Paul Whiteford, Chef der Pilotengewerkschaft, sagte zur ATSB-Entscheidung: "Wir sind extrem enttäuscht."

Unterdessen gehen sowohl die Flüge von United als auch die Kooperationen mit Partnern planmäßig weiter. "Der Flugbetrieb läuft vollkommen normal weiter. Es sind keine Reiseziele gefährdet", sagte Lufthansa-Sprecher Klaus Walther. "Sowohl für die Kunden als auch für die Star Alliance gibt es keinen Anlass zur Dramatik", zumal es noch nicht sicher sei, ob United "Chapter 11" beantragen werde.

Ob und wie die Lufthansa der United unter die Flügel greift, ist weiter unklar. "Es wird ausgelotet, inwiefern man den Partner unterstützen kann", sagte Walther. Die Lufthansa verdient nach Analystenschätzungen im Normalfall jährlich rund 100 Millionen Euro mit der United, könnte nach Ansicht mancher Experten durch die Krise des Partners aber auch Kapazitäten hinzuzugewinnen. "Wenn United Airlines tatsächlich irgendwo rausgehen würde, könnten wir möglicherweise unseren Service verstärken", hieß es auch bei der Lufthansa. Aber diese Frage stelle sich zur Zeit nicht.

Nach Einschätzung von Luftfahrtexperte Uwe Weinreich von der HypoVereinsbank ist bei United Airlines ein Antrag auf Gläubigerschutz derzeit wahrscheinlicher, als eine komplette Insolvenz. Allerdings würde die Star Alliance sicherlich einen Imaga-Schaden erleiden. Die Auswirkungen auf das Ergebnis der Lufthansa wären eher gering, sagte Weinreich. In diesem Jahr dürfte es überhaupt nicht beeinlusst werden.

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