Keine Strahlengefahr
NATO sieht keine Krebsgefahr durch Uran-Geschosse

Die leitenden Militärärzte der NATO haben nach eigenen Angaben in Informationen aus den Streitkräften der 19 Bündnisländer keine Beweise dafür entdecken können, dass ein Zusammenhang zwischen Krebserkrankungen und Uran-Munition besteht. Der Vorsitzende des NATO-Ärztekomitees, General Roger Van Hoof, sagte am Dienstag in Brüssel, es gebe zudem keine Beweise für ein Balkan-Syndrom.

Reuters BRÜSSEL. Auch Spaniens Verteidigungsminister Federico Trillo sagte, bei Balkan-Soldaten seines Landes gebe es keine Anzeichen für ein solches Syndrom. In der Region hatte die NATO die Urankern-Geschosse eingesetzt.

Die Ärzte hätten keinen Unterschied zwischen Krankheitsfällen bei solchen Soldaten, die zum Balkan-Einsatz abgestellt wurden, und solchen, die dort nicht Dienst taten, entdecken können, sagte Van Hoof. Nach dem vorliegenden Material aus den NATO-Staaten könne kein kausaler Zusammenhang zwischen abgereichertem Uran und Krankheitsfällen hergestellt werden. Den vorliegenden Studien zufolge hänge jede von abgereichertem Uran ausgehende Gefahr von der Mengen des Materials ab. Es gebe aber keine Hinweise, dass Soldaten Mengen ausgesetzt worden seien, die über als sicher geltende Grenzen hinausgingen.

Die NATO hat von vorn herein Vermutungen widersprochen, dass die Geschosse Auslöser für Blutkrebs seien, zugleich aber weitere Untersuchungen beschlossen. Ein Ad-hoc-Ausschuss der NATO zu Fragen der Urankern-Geschosse beriet am Dienstag erstmals. Die Mediziner legten ihre ersten Ergebnisse dem Ausschuss vor. Die Geschosse enthalten einen Kern aus abgereichertem, schwach strahlendem Uran. Wegen seiner großen Masse haben die damit bestückten Geschosse ein besondere Durchschlagskraft und werden vor allem gegen Panzer eingesetzt. Die Munition wird von den Streitkräften der USA, Großbritanniens und Frankreichs genutzt. Sie hatten in der vergangenen Woche die Aufforderung Deutschlands, Italiens und Griechenlands abgelehnt, den Einsatz dieser Geschosse in der NATO vorläufig auszusetzen.

Trillo sagte in Madrid, Erkrankungen bei spanischen Soldaten hätten verschiedene Symptome gezeigt. Damit könne nicht von einem einheitlichen Balkan-Syndrom gesprochen werden. Im Oktober war ein spanischer Soldat an Leukämie gestorben. Trillo sagte, der Mann sei nur drei Monate nach seiner Rückkehr vom Balkan verstorben. "Dieser Zeitraum ist zu kurz, um einen Zusammenhang mit abgereichertem Uran herzustellen."

Ein Sprecher der britischen Streitkräfte in Deutschland widersprach einem Bericht, wonach die Bundeswehr 1980 auf dem Truppenübungsplatz Senne bei Paderborn uranhaltige Munition verschossen haben soll. Von einem Nato-Soldaten sei niemals Uran-Munition auf dem Übungsplatz abgeschossen worden, sagte der Sprecher. Der Norddeutsche Rundfunk (NDR) hatte unter Berufung auf einen Ex-Soldaten berichtet, die Bundeswehr habe 1980 im Sennelager zu Testzwecken etwa zehn Patronen mit abgereichertem Uran abgefeuert.

Bundesverteidigungsminister Rudolf Scharping (SPD) sagte am Rande einer Sitzung der SPD-Bundestagsfraktion, man gehe den Hinweisen nach. Das wäre aber einfacher, wenn der Ex-Soldat seine Hinweise nicht anonym gegeben, sondern unter Wahrung seiner Persönlichkeitsrechte dem Ministerium zur Verfügung gestellt hätte.

Die von der NATO geführte Friedenstruppe in Bosnien (SFOR) teilte mit, deutsche Soldaten hätten bei der Untersuchung eines von der NATO 1995 beschossenen Instandsetzungszentrums der bosnisch-serbischen Armee nur geringe Strahlung festgestellt. Diese sei geringer als die, die überlicherweise in Erdreich festgestellte Strahlung, sagte der SFOR-Hauptmann, Bob Thomson. Der Komplex in dem vor Sarajewo gelegenen Hadzici gilt als eines der Hauptziele von Uranmunition.

In der Schweiz warf unterdessen die Eidgenössisch- Technischen Hochschule Zürich (ETHZ) die Frage auf, ob die Uran-Munition auch das hoch giftige Plutonium enthalten könnte. In einer Mitteilung der ETHZ wurde auf Untersuchungen des bundeseigenen Atomchemie-Labors in Spiez hingewiesen, bei denen in Uran-Munition aus dem Kosovo das Uran-Isotop 236 festgestellt wurde. Dieses Isotop komme in der Natur nicht vor, werde aber in Kernkraftwerken verwendet. Bei der dortigen Energiererzeugung entstehe auch Plutonium. Dies werde zwar bei der Wiederaufbereitung entfernt, es sei jedoch "sehr wahrscheinlich", dass Spuren von Plutonium zurückblieben, teilte das ETHZ mit.

Der Direktor des Labors in Spiez, Bernhard Brunner, sagte im Schweizer Radio, so weit er wisse, sei bislang in dem Uran-236 kein Plutonium gefunden worden. Die radioaktive Stahlung von Plutonium ist 200 000 mal höher als die von Uran und zudem ist etwa eine Million Mal giftiger.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%