Keine Trendwende
Lage in der IT-Branche bleibt angespannt

Nachrichten über hohe Verluste und weitere Stellenstreichungen dominieren die Quartalsergebnisse von Intel, Apple und Motorola. Die Konzerne richten sich auf einen weiter schwachen Markt für Halbleiter und Computer ein. Trotzdem stiegen am Mittwoch die Kurse von Intel und Motorola.

HB DÜSSELDORF/ NEW YORK. Die schlechten Nachrichten aus der Hochtechnologie-Branche reißen nicht ab: Die jüngsten Quartalsberichte wichtiger Hersteller wie Intel, Motorola und Apple lassen erkennen, dass eine Besserung in der Computer- und Halbleiter-Branche nicht in Sicht ist.

Der weltgrößte Chiphersteller Intel kündigte hat angekündigt, weitere 4000 Stellen streichen zu wollen. Dies sind rund 5 % der Konzernbelegschaft. Inwiefern Europa davon getroffen sein wird, konnte Europa-Chef Jürgen Thiel gegenüber dem Handelsblatt nicht sagen. Der Konzern werde sich aber weiter auf die Kernbereiche konzentrieren. Die Jobs sollen vor allem durch die Nichtbesetzung freiwerdender Stellen und durch freiwillige Ausscheidungsprogramme wegfallen. Schon im vergangenen Jahr hatte Intel rund 7000 Stellen gestrichen.

In seiner Prognose bleibt Intel betont vorsichtig. Für das dritte Quartal erwartet der Konzern einen Umsatz von 6,3 bis 6,9 Mrd. $ gegenüber 6,5Mrd. $ im dritten Quartal des vergangenen Jahres. Für das gesamte Jahr 2002 erwartet Intel jetzt nur noch eine Bruttogewinnmarge von 53 % - statt vorher prognostizierten 51 %. Europa-Chef Thiel erwartet für den Herbst eine saisonale Belebung des Geschäftes bei Privatkunden. Das Geschäft mit Notebooks laufe recht gut. Firmenkunden schieben Investitionen in neue IT-Anlagen dagegen weiterhin auf.

Mit dem für das zweite Quartal vorgelegten Nettogewinn von 446 Mill. $ lag Intel leicht unter den Erwartungen der Analysten. Nach Ausklammerung von Sonderbelastungen fiel der Gewinn um 27 % gegenüber dem Vorjahr. "Wir haben uns gut geschlagen in einer wirtschaftlich sehr angespannten Lage", kommentierte Intel-Chef Craig R. Barrett das Ergebnis. "Das Geschäft ist den Umständen entsprechend gut gelaufen. Der Markt hat nicht mehr hergegeben", ergänzte Europa-Chef Thiel.

Wenig Hoffnungen auf eine baldige Belebung des Geschäftes macht sich auch der Computerhersteller Apple. "Wir erwarten, dass das vierte Quartal ähnlich ausfallen wird wie das dritte", sagte Apple-Finanzchef Fred Anderson nach Veröffentlichung der Quartalszahlen. Das kalifornische Unternehmen erzielte im Quartal April bis Juni nur einen Gewinn von 32 Mill. $ nach 61 Mill. $ im gleichen Zeitraum des Vorjahres. Der Umsatz lag mit 1,4 Mrd. $ um 3 % unter dem Vorjahreswert. Ursache für den starken Gewinnrückgang waren nach Angaben von Anderson die deutlich schwächere Nachfrage nach Computern durch Unternehmen, Privatkunden und Schulen vor allem im Juni. Apple lieferte im Quartal rund 808 000 Computer aus.

Der Handy- und Chiphersteller Motorola weist für das abgelaufene Quartal einen Rekordverlust von 2,3 Mrd. $ aus, die aus dem laufenden Sanierungsprogramm herrühren. Damit sei die Restrukturierung aber abgeschlossen, hieß es bei der Vorlage der Quartalszahlen. Durch das Programm zur Kostensenkung ist die Zahl der Beschäftigten auf rund 100 000 gesunken - gegenüber 150 000 vor knapp zwei Jahren. Ohne diese Sonderbelastungen ist der Konzern im zweiten Quartal wieder in die Gewinnzone zurück gekehrt, ein Quartal früher als vorher prognostiziert. Bei Mobiltelefonen schreibt Motorola wieder Gewinne und hat den Marktanteil von 17 auf 18 % erhöht. Die Halbleitersparte schreibt dagegen weiter frote Zahlen.

Trotz der überwiegend negativen Zahlen der großen Hersteller hat die Börse die Quartalszahlen aus der Technologiebranche überwiegend positiv bewertet. "Die Bilanz präsentiert viel weniger Belastungen als ich erwartet habe", sagte Mark Edelstone, Branchenbeobachter von Morgan Stanley. Auch der Motorola-Kurs reagierte auf die Zahlen mit Kursgewinnen. Am gestrigen Mittwoch zogen die beiden Werte in New York an - allerdings in einem überwiegend freundlichen Umfeld. Bis zum frühen Nachmittag stiegen Intel um knapp 6 % und Motorola um rund 2,7 %. Apple fiel dagegen deutlich um rund 13 %, obwohl das Unternehmen mit seinen Ergebnissen genau die Prognosen der Analysten getroffen hatte.
Quelle: Handelsblatt

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