Keine Übernahmephantasien mehr
Commerzbank dürfte von Süd-Allianz profitieren

Analysten zufolge ist die angekündigte Commerzbank-Kapitalerhöhung "als Abwehrmaßnahme gegen den ungeliebten Großaktionär Cobra perfekt".

Reuters FRANKFURT. Von der engeren Bindung an ihre südeuropäischen Partner kann die Commerzbank Analysten zufolge strategisch profitieren und hat damit zugleich den ungeliebten Großaktionär Cobra kalt gestellt. Mittelfristig werde sich die engere Zusammenarbeit mit der italienischen Generali-Tochter AMB im Versicherungsvertrieb sowie die Kooperation mit Generali im Privatkundengeschäft auszahlen. Durch die angekündigte Commerzbank-Kapitalerhöhung würden Generali und die spanische Bank BSCH ihre Anteile auf je 10 % aufstocken, so dass sie zusammen mit anderen befreundeten Instituten über eine Sperrminorität verfügen dürften. Die deutlichen Kursverluste der Commerzbank-Aktie seit Freitag führten die Experten auf die schwindende Übernahmefantasie zurück.



Commerzbank mit der BSCH noch in der Verhandlungsphase

Während die Commerzbank die Details zur Verdoppelung des Generali-Anteils auf 10 % bereits am Freitag bekannt gegeben hatte, werde es nach Angaben der Bank noch einige Wochen dauern, bis auch die Vereinbarung mit der BSCH unterschriftsreif ist. "Wir sind noch in Verhandlungen, werden aber insbesondere wegen des in diesem Zusammenhang geplanten Erwerbs der zur BSCH gehörenden CC-Bank noch einige Zeit brauchen", sagte ein Commerzbank-Sprecher am Montag. Geplant sei, dass BSCH für die Verdoppelung ihres Anteils Aktien der Commerzbank erwirbt und zudem als Sacheinlage die CC-Bank abgibt. Für die geplante Übernahme der im Konsumentenkreditgeschäft tätigen Mönchengladbacher CC-Bank durch die Commerzbank bestehe noch eine so genannte Due Diligence (Prüfphase), die einige Wochen dauern könnte, fügte er hinzu.

Die Generali zahlt für die Aufstockung ihres Anteils ihrerseits rund 600 Mill. Euro in bar für 17 Mill. Commerzbank-Aktien sowie rund neun Mill. Aktien gegen Sacheinlage im Tausch für BSCH-Aktien aus dem Besitz von Generali.

"Als Abwehrmaßnahme gegen die Cobra war dieser Schritt perfekt. Aber auch die Abmachung mit der AMB ist sehr vielversprechend", sagte Alexander Plenk, Bankanalyst von der Bankgesellschaft Berlin in Frankfurt. Aber auch die engeren Kooperation mit der AM-Gruppe lobte Plenk. "In quasi jeder zweiten Commerzbank-Filiale wird ein Versicherungsspezialist der AM-Gruppe einziehen. Damit ist die Commerzbank ihrer deutschen Bankenkonkurrenz einen Schritt voraus", sagte er.

Zur stärkeren Kooperation mit der AM-Gruppe hatte die Commerzbank am Freitag mitgeteilt, im Verlauf der nächsten drei Jahre zunächst an bis zu 500 Standorten der Commerzbank rund 650 Berater der AM-Gruppe etablieren zu wollen. Umgekehrt entstünden auf der Versicherungsseite "Banking Center" an 250 Standorten der AM-Gruppe.

Die Bankenexperten sind sich zudem einig, dass die angekündigte Zusammenarbeit mit der Generali auf dem Gebiet der gehobenen Privatkundschaft (Private Banking) und dem privaten Aktiengeschäft überfällig und richtig ist. "Das macht viel Sinn. Entscheidend wird hier sein, wie viele Fonds- und Versicherungsprodukte die beiden Partner über das so genannte cross-selling gegenseitig verkaufen werden", sagte Alexander Hendricks, Bankanalyst bei ABN Amro in Frankfurt. In den nächsten drei Jahren wollen die AM-Gruppe und Commerzbank nach den Worten von Commerzbank-Sprecher Martin Kohlhaussen eine Million Neukunden gemeinsam werben.



Cobra hat ausgespielt

Die Cobra habe als bedeutender Aktionär so gut wie ausgespielt, sagten die Analysten übereinstimmend. Mit Anteilen von je 10 % bei Generali und BSCH sowie 2 % bei der italienischen Investmentbank Mediobanca (derzeit 1,2 %), sowie Belegschaftsaktien vereinige die Commerzbank nahezu 25 % der Anteile auf befreundete Institute. "Commerzbank-Chef Kohlhaussen hat die Cobra klassisch ausgebremst", sagte Hendricks. Dabei ist es unerheblich, ob die Cobra wie angekündigt eine außerordentliche Hauptversammlung einberufen wird. Denn die Kapitalerhöhung der Commerzbank erfolgt aus bereits genehmigten Kapital unter Ausschluss der Bezugsrechte. Die Cobra versucht seit Monaten vergeblich, ihr 17-Prozent-Paket an der Commerzbank zu verkaufen. Rechnerisch dürfte sich der Anteil der Cobra nach der Kapitalerhöhung auf gut 15 % verringern, sagten Analysten.

Fairer Wert bei 40 Euro



Plenk stuft die Commerzbank auf "akkumulieren" und Hendricks auf "Halten" mit einem fairen Wert von 40 Euro. Die Aktien der Commerzbank sind seit Bekanntgabe der Kapitalerhöhung am Freitagabend deutlich unter Druck geraten. Gegen 14.00 Uhr lagen die Papiere mit rund 4 % im Minus bei 33,78 Euro. Damit hat die Aktie seit Freitag nahezu 10 % verloren.

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