Keine unüberlegten Entscheidungen
Mit Ausdauer zum Fondserfolg

Der heiße Tipp lockt immer wieder. Eine gute Bilanz werden aber nur Anleger ziehen können, die dem Lockruf der Vergangenheitsrendite widerstehen. Experten legen einige wenige Grundregeln ans Herz: Gelder breit streuen, langfristig investieren, Produkte vor dem Kauf unter die Lupe nehmen.

HB FRANKFURT/M. "Am besten Urlaub machen", rät Don Phillips. Er wendet sich an Investoren, die von den Börsenturbulenzen verunsichert sind. Sein Appell in einem Handelsblatt-Gespräch: "Mit Aktienfonds durchhalten, denn nur der Dauerläufer gewinnt das Rennen um den langfristigen Anlageerfolg." Die Kommentare von Phillips haben Gewicht in der amerikanischen Finanzwelt. Der 39jährige leitet den Researchbereich bei Morningstar, Inc., Chicago. Das Fondsresearchunternehmen genießt großes Ansehen und ist seit einigen Monaten auch in Deutschland aktiv.

Gemessen am Aufruf des Fachmanns sind die amerikanischen Privatanleger gute Zwischenzeiten gelaufen. "Manche Experten glauben, Institutionelle sind cleverer, weil sie längerfristig anlegen und weniger leicht in Panik geraten, aber nach unseren Erfahrungen ist es genau umgekehrt", erklärt Phillips. Privatanleger haben in der jüngsten Zeit zwar Gelder aus Aktienfonds abgezogen, aber gemessen am gesamten Aktienfondsvermögen in einer unbedeutenden Größenordnung.

Der Fondsbranche in Deutschland sagt Phillips eine große Zukunft voraus. Er pocht auf den großen Nachholbedarf gegenüber den Vereinigten Staaten. Der Durchschnittsamerikaner hatte zur Jahreswende rund 27 000 in Investmentfonds investiert, der Durchschnittsdeutsche dagegen nur knapp über 5 000. Phillips ist sich ganz sicher: "Amerika gibt die Richtung für Deutschland vor; einen wichtigen Impuls wird die zusätzliche Altersvorsorge geben - genau wie bei uns vor vielen Jahren." In der Art und Weise, wie Phillips Optimismus verbreitet, erscheint er als typischer Amerikaner. Dennoch weist er auf einige Fallstricke hin. "Die Baisse hat jedem klar gemacht, wie wichtig kompetente Beratung ist", meint er. Es gab Zeiten, in denen anders gedacht wurde: "Viele glaubten, alle Entscheidungen allein treffen zu können - davon ist keine Rede mehr." Anleger, die zu hohe Risiken eingingen, verbrannten sich die Finger. An dieser Stelle gibt Phillips der Fondsbranche und den Verkäufern bzw. Beratern eine Teilschuld an falschen Anlageentscheidungen: "Oft sind sehr spezialisierte Produkte verkauft worden, etwa für Internetaktien und Neue-Märkte-Titel - an Kunden, zu denen sie gar nicht passten." Fazit: "Die breite Streuung der Gelder und der langfristige Anlagehorizont müssen im Vordergrund stehen."

"Nicht an der vergangenen Wertentwicklung orientieren"

Der Käufer sollte außerdem das erworbene Produkt unter die Lupe nehmen, beispielsweise Anlagestrategie, Erfahrung des Managers und den Investmentstil analysieren. Phillips sieht genau darin die wichtigste Aufgabe für Morningstar. Er warnt: "Viele Kunden machen den Fehler, dass sie alle Risiken außer Acht lassen und sich beim Produktkauf zu sehr an der Wertentwicklung in der Vergangenheit orientieren, obwohl die Zukunft ganz anders aussehen kann."

Manchmal ist es sogar attraktiv, genau das Gegenteil zu tun und unbeliebte Fonds zu erwerben. Morningstar stellt am Jahresanfang eine Liste der Aktienfondsgruppen auf, geordnet nach der Höhe der Nettoinvestments im Vorjahr. Die weniger beliebten Anlageschwerpunkte bilden die Schlusslichter in dieser Rangfolge. Seit Ende der achtziger Jahre macht die Researchfirma diese Auswertungen. Ergebnis: "In 90 % der Fälle bringen Käufe von Produkten aus den drei unpopulärsten Anlagegruppen in den folgenden drei Jahren einen höheren Anlageertrag als Fonds der beliebtesten Ausrichtungen." Am Anfang dieses Jahres musste der Anleger getreu der Leitlinie Aktienfonds mit den Schwerpunkten Japan, Fernost inklusive Japan und Fernost ohne Japan kaufen. Persönlich geht Phillips übrigens noch andere Wege. Er kaufte gerade einen Aktienfonds für mittelgroße Wachstumswerte.

Deutsche Anleger können schon einmal einen vorläufigen Blick auf die Entwicklung im Jahr 2001 werfen, wenn sie von der unpopulären Anlageidee überzeugt sind und darin eine Kaufchance wittern. Hier zu Lande geben die Investoren in größerem Umfang Anteile an Biotech- und Pharmafonds zurück. Auch aus Produkten für japanische Titel sowie europäische Nebenwerte inklusive der Neuen Märkte ziehen sich die Anleger per saldo zurück. Das geht aus der Fondsverbandsstatistik für 2001 per Ende August hervor.

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