Keine Veränderung der Leitzinsen erwartet
Euro-Renten profitieren von Konjunkturdaten und Aktienmärkten

Unerwartet schwache Einzelhandelsumsätze in den USA und der Euro-Zone haben am Mittwoch Spekulationen über Zinssenkungen auf beiden Seiten des Atlantiks angeregt und damit die Kurse der europäischen Zinsfutures in die Höhe getrieben.

Reuters FRANKFURT. Händlern zufolge untermauerte zudem die gute Aufnahme der neuen zweijährigen Bundesschatzanweisungen über 8,0 Mrd. Euro die positive Stimmung am Markt. Der Markt habe zudem von den wieder schwächeren europäischen Aktienmärkten profitiert, die wegen Gewinnwarnungen und Kursverlusten von Technologietiteln deutlich im Minus lagen. Keine spürbaren Auswirkungen seien mehr von den Vorgängen um die US- Präsidentenwahl ausgegangen.

Der Bund-Future ging mit 40 Ticks im Plus bei 107,92 Punkte knapp unter seinem Tageshoch von 108,00 Zählern aus dem Markt. Der Bobl-Future lag 29 Stellen im Plus bei 105,14 Punkten. Der Schatz-Future legte 14 Zähler auf 102,29 Punkte zu. Die zehnjährige Bundesanleihe Januar 2011 notierte mit 102,43 nach 102,14 Punkten zur Kasse und rentierte mit 4,93 %. Der Rex-Rentenindex rückte um 0,08 % auf 111,6713 Zähler vor. Der Euro notierte gegen 19.00 Uhr MEZ mit 0,8757/60 $.

Die Erwartung von Zinssenkungen als Folge einer Konjunkturabkühlung wurden vor allem von den Einzelhandelsdaten in den USA und der Euro-Zone untermauert. Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes hat der deutsche Einzelhandel im Oktober real 1,7 % weniger umgesetzt als im Vorjahresmonat nach einem Zuwachs von 3,0 % im September gesunken. Von Reuters befragte Analysten hatten nur mit einem Rückgang um 0,3 % gerechnet. "Das ist viel schwächer als erwartet und deutet auf ein recht schwaches viertes Quartal in Deutschland hin. Mit immer neuen Daten stellt der Markt mehr und mehr potenzielle Zinssenkungen im nächsten Jahr in Rechnung," sagte ein Händler.

Keine Veränderung der Leitzinsen erwartet

Nach einhelliger Meinung von Volkswirten wird der Rat der Europäischen Zentralbank (EZB) am Donnerstag die Leitzinsen in der Euro-Zone nicht verändern. Gut die Hälfte der von Reuters jüngste befragten 53 Volkswirte sieht den Zinshöhepunkt wegen der konjunkturellen Schwächanzeichen mit derzeit 4,75 % bereits erreicht. Die andere Hälfte erwartet allerdings weitere Zinsanhebungen auf 5,0 bis 5,75 %.

Die deutschen Daten seien zu volatil gewesen, sagte Troy Browler von der Deutschen Bank in London. Im Wesentlichen habe der Markt vom Rückgang der US-Einzelhandelsumsätze im November profitiert. Dieser habe ein neues Indiz für die Abkühlung der Konjunktur geliefert, hieß es im Handel. Der Umsatz sank im November gegenüber Oktober um 0,4 %, während Analysten sogar einen leichten Anstieg von 0,1 % erwartet hatten. Die Daten verweisen Volkswirten zufolge auf einen schwächeren privaten Konsum in den USA.

"Das ist positiv für den Bondmarkt. Die Verbraucherausgaben nehmen noch immer ab und auch der Absatz der Unternehmen verringert sich, sodass die Inflationsrisiken abnehmen," sagte John Puchalla, Volkswirt bei der Ratingagentur Moody´s Investors Service in New York. "Die Daten erhöhen die Chancen auf eine Zinssenkung im Januar", fügte Paul Christopher von A.G. Edwards & Sons in St. Louis hinzu. Die US-Notenbank werde beim Zinstreffen ihres für die Geldpolitik verantwortlichen Offenmarktausschusses am 19. Dezember wahrscheinlich von ihrer restriktiven geldpolitischen Haltung abgehen. US-Staatsanleihen reagierten auf die Daten mit kräftigen Kursgewinnen. So legte die 30-jährige Anleihe 22/32 Ticks auf 111-01/32 Punkte zu, die Rendite sank auf 5,48 %.

Mit der guten Aufnahme der neuen zweijährigen deutschen Bundespapiere hat der Markt nach Ansicht von Händlern seine derzeit positive Stimmung unter Beweis gestellt. Die Bundesbank hatte ab einem Satz von 100,06 % Papiere im Volumen von 6,059 Mrd. Euro bei Bietungen über insgesamt 19,801 Mrd. Euro zugeteilt. Zur Marktpflege behielt die Notenbank 1,940 Mrd. Euro zurück. Mit der relativ hohen Marktpflegequote setzt die Bundesbank nach Ansicht von Analysten ihre in diesem Jahr verfolgte Emissionspolitik fort.

Nachdem der Spruch des Obersten US-Gerichtshofs einen Wahlsieg George W. Bushs als sicher erscheinen ließ, warten die Finanzmärkte auf Stellungnahmen der Kandidaten. Das Urteil des Obersten US-Gerichtshof im Fall "Bush gegen Gore" hatte die Rentenkurse in Europa nur kurz zur Eröffnung belastet. Das Gericht untersagte die Hand-Nachzählungen von Stimmen in Florida, sodass ein Wahlsieg Bushs sehr wahrscheinlich ist. Mit dem nun vermuteten Einzug von Bush ins Weiße Haus gehen viele Investoren davon aus, dass die US-Haushaltsüberschüsse nicht mehr wie bisher für den Abbau von Staatsschulden, sondern zur Finanzierung der von Bush angekündigten Steuersenkungen verwendet werden.

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