Keine Veräußerung von Geschäftsteilen
Thyssen-Krupp rückt teilweise von Umbauplänen ab

Zudem teilte der Konzern mit, im abgelaufenen Geschäftsjahr 1999/00 den Gewinn vor Steuern um 400 Mill. auf rund eine Milliarde Euro gesteigert zu haben.

Reuters DÜSSELDORF. Die Thyssen-Krupp AG ist von ihren vor einem Jahr beschlossenen Umbauplänen für den Konzern teilweise abgerückt. Die damals angekündigte Veräußerung von Geschäftsteilen werde nicht mehr weiterverfolgt, teilte der Konzern am Dienstag in Düsseldorf mit. Das vorhandene Geschäft werde künftig in sechs gleichberechtigten operativen Einheiten direkt von der Konzernzentrale geführt. Damit bleiben der Stahl, die Werften und der Anlagenbau in dem vor zwei Jahren aus Thyssen und Krupp fusionierten Konzern. Thyssen-Krupp teilte zudem mit, im abgelaufenen Geschäftsjahr 1999/00 (per Ende September) den Gewinn vor Steuern um 400 Mill. auf rund eine Milliarde Euro gesteigert zu haben.

Die Börse honorierte die Ankündigungen mit steigenden Kursen. Am Mittag lagen die Aktien 2,9 % im Plus bei 16,22 Euro. Die neue Umbau-Strategie sei auf die schwache Bewertung von Stahlfirmen am Kapitalmarkt, die weltweite Marktlage im Anlagenbau und Änderungen in der steuerlichen Behandlung von Veräußerungsgewinnen zurückzuführen, teilte der Konzern weiter mit. Thyssen-Krupp hatte den für August geplanten Börsengang seiner Stahlsparte kurzfristig abgesagt. Die Diskrepanz zwischen steigenden Gewinnen bei Thyssen-Krupp Steel und der insgesamt schwachen Performance der Branche hätte zu einer massiven Wertvernichtung geführt, hieß es dazu am Dienstag. Das Stahlgeschäft hat Unternehmenskreisen zufolge etwa die Hälfte zum Ergebnis beigetragen.

Vor einem Jahr war beschlossen worden, neben dem Stahl auch das Geschäftsfeld Engineering und die konzerneigenen Werften abzugeben. Mit den Erlösen dieser Desinvestments sollten Kerngeschäfte, wie die Automobilzulieferung oder die Aufzüge, gezielt ausgebaut werden. Thyssen-Krupp erklärte am Dienstag, auch ohne diese Veräußerungserlöse genügend finanziellen Spielraum für Wachstum durch Zukäufe zu haben. Dieser Spielraum sei ungeachtet der Absicht vorhanden, die inzwischen auf sieben Mrd. Euro gestiegenen Netto-Finanzverbindlichkeiten in absehbarer Zeit um zwei Mrd. Euro zu verringern.

Festhalten will Thyssen-Krupp an seinen im vorigen November festgesetzten mittelfristigen Ertragszielen. Danach soll das Ergebnis vor Ertragssteuern über 1,5 Mrd. Euro liegen und das Ergebnis von Zinsen, Steuern und Abschreibungen (EBITDA) über drei Mrd. Euro. Der "Return on Capital Employed" (ROCE) solle zwölf Prozent betragen. Im laufenden Jahr werde ein Ergebnis vor Steuern von 1,3 Mrd. Euro angestrebt. Das EBITDA-Ziel habe man bereits im abgelaufenen Jahr erreicht.

Thyssen-Krupp will sein Geschäft künftig in den drei "Tätigkeitsschwerpunkten" Stahl, Industriegüter und Dienstleistungen zusammenfassen. Unter Stahl wird das gesamte Stahlgeschäft eingeordnet. Den Industriegütern werden die operativen Einheiten Automobilzulieferung, Aufzüge und Invest (unter anderem Werften und Anlagenbau) zugeordnet. Unter Dienstleistungen schließlich sollen die Segmente Materials (bisher Materials Services und Trading) und Serv (industrielle Service-Leistungen) zusammengefasst werden. Die Immobilien des Konzerns bleiben den Angaben zufolge in einem eigenen Bereich gebündelt.

Vom Umsatz von 37 (32) Mrd. Euro im abgelaufenen Geschäftsjahr entfielen den Unternehmensangaben zufolge zwölf Mrd. Euro auf den Stahl, 14 Mrd. Euro auf Industriegüter und 12 Mrd. Euro auf Dienstleistungen. Die Änderung der Umbaustrategie will der Vorstand dem Aufsichtsrat am 8. Dezember vorstellen. Im Anschluss an dessen Sitzung sollen weitere Einzelheiten zum abgelaufenen Geschäftsjahr bekannt gegen werden.

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