Keine Versicherung gegen Wertverluste
Auch Anlage-Profis können nicht zaubern

Der Finanzbranche liebstes Kind ist das "Private Banking" - so ziemlich alle Banken, Sparkassen und unabhängigen Vermögensverwalter stürzen sich auf dieses Segment, da es mehr als auskömmliche Gewinnmargen verspricht. Aber geht die Rechnung auch für die Kunden auf? Zweifel sind angebracht.

FRANKFURT/MAIN. Mit dem Abschwung an den Weltbörsen sind auch einige Profis für die S-Klasse im Anlagemanagement ins Schleudern gekommen. "Die schlechtesten Vermögensverwalter in Deutschland vernichteten in den vergangenen Monaten im Extremfall bis zu 70 % der ihnen anvertrauten Mittel", sagt Steffen Pauls, Vorstandssprecher der Firstfive Deutschland AG. Das Unternehmen zeigt wohlhabenden Privatkunden über ein gebührenpflichtiges Internet-Angebot, wie gut sich ihr Vermögensverwalter im Wettbewerb geschlagen hat.

Auf der anderen Seite erwirtschafteten die besten Finanzjongleure mit gemischten Depots allerdings deutlich positive Anlageergebnisse. Trotzdem ist die Bilanz insgesamt ernüchternd: Die durchschnittliche Performance betrage derzeit "Index minus Kosten der Verwalter", wie es ein Insider formuliert. Gemeint ist: viele Portfoliomanager schaffen gerade die Performance einer Benchmark wie dem Dax, die man mit einem Indexfonds oder Zertifikaten aber viel preiswerter einkaufen könnte. "Auf Sicht von zehn Jahren sind zehn bis zwölf Prozent per annum eine realistische Renditeannahme in der Vermögensverwaltung", sagt Lutz Gebser, Vorstandsvorsitzender des 60 Gesellschaften umfassenden Verbands unabhängiger Vermögensverwalter (VuV). Betrachtungen von Einzeljahren - wie dem vergangenen - seien wenig fruchtbar. Wichtiger sei eine stetige Werterhaltung und-vermehrung. "Keiner kann versprechen, dass er permanent die Benchmark schlagen wird", warnt auch Ulrich Lingenthal, Mitglied der Geschäftsfeldleitung Private Banking bei der BHF-Bank, vor überzogenen Erwartungen.

Vielfalt nimmt zu

Die Vielfalt der Angebote im Private Banking nimmt auf jeden Fall zu, weil die Sparschweine der Deutschen ein Schlachtfest versprechen. Der "German Wealth Report" von Merrill Lynch und Cap Gemini Ernst & Young ermittelt immerhin 365 000 deutsche "High Net Worth Individuals", die jeweils über ein Geldvermögen von mindestens zwei Mill. DM verfügen.

Letztlich geht es auch um diese Zielgruppe, denn das professionelle Geldmanagement fängt mit Einzelaktien in der Regel bei rund einer Million DM liquidem Geldvermögen an. Bei der populärer werdenden fondsgebundenen Vermögensverwaltung können es viel geringere Beträge sein. 100 000 DM gelten hier als sinnvolle Untergrenze. "Je renommierter das Institut, umso höher die Richtgrößen", weiß Firstfive-Experte Pauls.

Checkliste für Anleger

Doch wie findet der Anleger die richtige Adresse? "Vermögensverwalter" kann sich schließlich jeder nennen, wie Gebser erklärt, der deshalb in Zukunft auf die geschützte Bezeichnung "Finanzportfolioverwalter" setzt. Zunächst bleibt die Wahl zwischen Banken und unabhängigen Vermögensverwaltern. Letztere sind nicht an die Produkte eines Bankkonzerns gebunden und können unter vielen Anbietern auswählen. Dafür haben sie aber auch keine großen Research-Teams zur Seite wie die Investmentbanken. Eine Abwägungssache also. Nach dieser Weichenstellung ist eine Art Checkliste hilfreich, um sich an den "richtigen" Verwalter heranzutasten. Wichtig sind:

>> Tatsächliche Anlageergebnisse der Vergangenheit (keine fiktiven Musterdepots).

>> Nicht der Name des Instituts ist entscheidend, sondern das Profil des zuständigen Betreuers.

>> Zeitnaher Bericht über Zwischenergebnisse, möglichst detaillierte Auflistungen, also etwa "Renten steuerten vier Prozent zur Gesamtrendite bei, darunter Unternehmensanleihen 1,5 %" etc., personalisiertes Internet-Angebot zur Performance-Einsicht.

>> Wie oft wird die Risikostruktur des Depots überprüft?

>> Höhe und Transparenz der Gebühren. Gängig sind: eine Verwaltungsgebühr von 0,5 bis 1,0 % oder "All-Inclusive-Pakete" mit 1,5 % Gebühr oder Performance-abhängige Gebühren, wo nach einer Mindestrendite von beispielsweise 5 bis 8 % ("Hurdle Rate") 10 bis 20 % des darüber hinaus gehenden Gewinns einbehalten werden. Letzteres Modell ist für Hausse-Zeiten an der Börse verheerend, weil dann von den Kurssteigerungen wenig übrig bleibt.

Hat man seine Wahl getroffen, muss sich der Investor für eine Risikoklasse entscheiden. "Eine ungemein schwierige Aufgabe, die oft unterschätzt wird", sagt BHF-Manager Lingenthal, der seinen Kunden fünf Risikostufen anbietet. Denn was die Risikoklasse tatsächlich bedeutet, "merkt der Anleger erst, wenn er mit den Marktschwankungen leben muss." Übrigens werden die Vermögensverwalter in den seltensten Fällen kritisiert, selbst wenn die Performance erbärmlich ist - eine Art "Hausarzt-Phänomen". "Die emotionale Bindung der Kunden zu ihren Vermögensverwaltern ist unerwartet hoch", hat Pauls beobachtet.

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