Keine Verständigung über Schleppnetzfischerei
Umweltminister beim Schutz von Nord- und Ostsee einig

Nach anfänglichem Streit hat die internationale Meeresschutzkonferenz in Bremen doch noch Kompromisse zum besseren Schutz von Nord- und Ostsee erzielt. Russland habe zugestimmt, wenigstens einige Meeresflächen als besonders schutzwürdige, so genannte PSSA-Gebiete auszuweisen, sagte Bundesumweltminister Jürgen Trittin (Grüne) am Donnerstag.

HB/dpa BREMEN. Auch zur Einleitung von radioaktiven Stoffen in die Nordsee sei ein Kompromiss gefunden worden. Umweltverbände kritisierten die Beschlüsse als unzureichend.

Nach dem Einlenken Russlands könne jetzt wenigstens für gefährliche Schiffspassagen eine Lotsenpflicht eingeführt werden, sagte Trittin. Dazu zählt beispielsweise die Kadetrinne zwischen Deutschland und Dänemark, in der es wiederholt zu schweren Schiffsunfällen gekommen ist. Russland hatte am ersten Tag der Meeresschutzkonferenz zunächst einen besonderen Schutz der gesamten Ostsee sowie die Lotsenpflicht kategorisch abgelehnt.

Die Einleitung radioaktiver Abwässer in die Nordsee soll laut Trittin nach und nach verringert und 2020 ganz beendet werden. Um die schrittweise Reduzierung messen zu können, habe Großbritannien nach langen Diskussionen einem Kompromiss zugestimmt. Demnach soll der Umfang der Einleitungen an den Durchschnittswerten der Jahre 1995 bis 2001 gemessen werden. Großbritannien und Frankreich gelten mit ihren atomaren Wiederaufarbeitungsanlagen in Sellafield und La Hague als Hauptverursacher der radioaktiven Belastung.

Die Umweltminister der erstmals gemeinsam tagenden Nordostatlantik- und Ostseeanrainer verständigten sich in Bremen zudem darauf, entlang ihrer Küsten ein Netz von Meeresschutzgebieten auszuweisen. Deutschland nehme dabei eine Vorreiterrolle ein, sagte Trittin. So solle die schleswig-holsteinische Westküste auch außerhalb der Zwölf-Meilen-Zone vollständig unter Schutz gestellt werden.

Über ein Verbot der Stell- und Schleppnetzfischerei konnten sich die Umweltminister in Bremen dagegen nicht verständigen. Auch darum sei das Konferenzergebnis ein Misserfolg für die Umwelt, kritisierte die Umweltstiftung WWF Deutschland. Außerdem sei die Ostsee weiterhin nicht ausreichend gegen Ölkatastrophen geschützt. Eine Sprecherin der Umweltorganisation Greenpeace bezeichnete den Beschluss zu den radioaktiven Einleitungen als "Offenbahrungseid der Umweltminister".

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