Keine Visa für den Besuch
Afghanistan will keine Diplomaten zu Gefangenen lassen

Die afghanische Taliban-Regierung will keine Diplomaten zu den acht Ausländern lassen, die in dem streng islamischen Land wegen angeblicher Werbung für das Christentum verhaftet wurden. Außenminister Wakil Ahmad Muttawakil sagte am Sonntag vor der Presse in der Hauptstadt Kabul, es gebe keine Visa für den Besuch der Gefangenen. Es sei aber nicht ausgeschlossen, die in Pakistan wartenden Diplomaten zu Gesprächen mit den Behörden ins Land zu lassen.

Reuters KABUL. Diplomaten bezeichneten dies als inakzeptabel. Über eine mögliche Strafe für die vier Deutschen, zwei Amerikaner und zwei Australier gibt es unterschiedliche Angaben, sie reichen von einigen Tagen Haft mit anschließender Ausweisung bis zu fünf Jahren Haft.

"Wenn es der Zweck der Visa-Erteilung ist, die Häftlinge zu besuchen, dann ist das nicht angemessen", sagte der afghanische Außenminister. "Aber wenn sie kommen und mit den Behörden sprechen wollen, ist das nicht unmöglich." Muttawakil bekräftigte das Nein zu einem Gefangenbesuch mit den Worten: "Sie sollten diesen Gedanken, während gegen die Häftlinge ermittelt wird und sie in Haft sitzen, vergessen." Ein in Pakistan auf die Einreise wartender deutscher Diplomat kündigte an, die Bemühungen um einen Besuch der festgehaltenen Mitarbeiter der Hilfsorganisation Shelter Now International fortzusetzen. "Ohne Erlaubnis, die Gefangenen zu sehen, werden wir nicht nach Kabul reisen", sagt er.

Insgesamt sind 24 Mitarbeiter der Hilfsorganisation festgenommen worden, darunter acht Ausländer und 16 Afghanen. Muttawakil kündigte an, auch die Mitarbeiter des UNO-Welternährungsprogramms (WFP) überprüfen zu wollen, die gemeinsam mit Shelter Now in Pakistan Lebensmittel an afghanische Flüchtlinge verteilen. "Das WFP sollte sich auf einen ernsten Dialog einstellen und sagen können, warum sein Budget lange Zeit für nicht-wohltätige Arbeit verwendet wurde", sagte der Außenminister weiter. Mitarbeiter des WFP waren zunächst zu keiner Stellungnahme erreichbar.

Den Afghanen droht die Todesstrafe

Einer saudi-arabischen Zeitung sagte Muttawakil, der Chef der radikal-islamischen Taliban-Regierung, Mullah Mohammad Omar, habe verfügt, die Ausländer mit Haft bis zu fünf Jahren zu bestrafen, wenn sie gegen das Missionierungsverbot verstoßen hätten. Dafür gebe es starke Beweise. Den 16 festgehaltenen Afghanen droht sogar die Todesstrafe. Shelter Now hat dementiert, dass seine Mitarbeiter Moslems zum Christentum bekehren wollten.

Der stellvertretende Justizminister Dschalaludin Schinwari sagte dagegen, Omar habe verfügt, die Ausländer zwischen drei und zehn Tagen in Haft zu halten und dann auszuweisen. Allerdings gebe es keine Gewähr dafür, dass dieses Dekret Bestand habe. Das letzte Wort habe Omar als "Amir el Mominin", als Führer der Rechtgläubigen. "Er hat die Autorität, ein Dekret zu annullieren. Er ist grundsätzlich nicht an Dekrete gebunden. Mit seiner Autorität kann er ein Dekret durch ein anderes ersetzen", sagte Schinwari.

In Afghanistan ist seit der Machtübernahme der Taliban 1996 der Islam sunnitischer Prägung Staatsreligion. Schiitische Moslems müssen mit Verfolgung rechnen, so weit sie sich nicht in den von der gestürzten Regierung, der Nordallianz, kontrollierten Gebieten im Nordosten Afghanistans aufhalten. In diesem Jahr begann die Taliban-Regierung, die Spuren konkurrierender Religionen auszulöschen, darunter die berühmten Buddha-Bildnisse von Bamijan. Die Regierung wird international lediglich von Pakistan, Saudi-Arabien und den Vereinigten Arabischen Emiraten anerkannt.

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