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Keine Vorschusslorbeeren für Greenspan

Manchmal haben die Anleger das Gefühl, dass so ziemlich alles den Bach runter geht. Und wenn sie sich dann so richtig schön hängen lassen und fleißig ihre Aktien aus dem Depot werfen, muntern gute Nachrichten sie auch nicht mehr auf.

Dan ist es zum Beispiel vollkommen egal, dass die Verbraucherpreise fallen. Im Juli sind sie stärker als erwartet gesunken, damit bietet auch das Thema Inflation derzeit keinen Gesprächsstoff. Die Börsianer aber suchen derzeit jedoch lieber das Haar in der Suppe. Manchmal finden sie dabei auch ganze Perücken. Und irgendwie haben die Investoren ja auch Recht. Denn wenn die Unternehmen ihre steigenden Kosten nicht an die Kunden weiter geben können, dann haben sie ein Problem: Die Gewinne werden belastet - wenn denn überhaupt noch von Gewinnen die Rede sein kann. Die Meldung zu den Verbraucherpreisen hatte also tatsächlich einen Haken.

Der Computerproduzent Dell hat mit seinen Quartalszahlen am Freitag die Börse belastet. Der Ausblick war alles andere als gut. Aber immerhin hätten sich Händler und Anleger gleichermaßen über ein gestiegenes Verbrauchervertrauen freuen können. Oder über gleichbleibende, statt sinkende Einzelhandelsdaten. Stattdessen konzentrierten sie sich auf Negativ-Meldungen wie die von Ford, nach welcher der Autobauer weniger Gewinn und Umsatz machen wird. Zudem werden mehrere Tausend Leute entlassen.

Immerhin gab es einen klaren Gewinner. Wenn auch nicht die Börsen stiegen, so doch immerhin der Euro. Der Dollar ist in seiner schwächsten Phase seit einem Vierteljahr. Dabei setzt sich die US-Regierung unter Bush stärker als das Clinton-Kabinett für einen starken Dollar ein.

Dabei hat sich der Finanzminister Paul O´Neill in dieser Woche bei einem Besuch an der Börse sehr diplomatisch ausgedrückt, als es um die Frage ging, ob die Regierung von der bisherigen Währungspolitik abrücke.

"Eines der Dinge die ich in meinen Beruf gelernt habe, ist die Tatsache, dass es keinen Vorteil bringt, über den Dollar zu sprechen. Es sei denn, um zu erwähnen, dass wir eine stetige und sich fortsetzende Dollar-Politik haben. Das ist alles, was ich zu diesem Thema zu sagen habe."

Das heißt, der Dollar darf zwar mal Schwäche zeigen, aber langfristig sollte er auf seinem hohen Niveau bleiben. Das sind die Leitlinien.

Firmen wie General Motors, Procter&Gamble und McDonald´s jedenfalls würden von einem stärkeren Euro profitieren, da sie viel exportieren oder hohe Umsätze in Europa machen.

Der weltgrößte Prozessorhersteller Intel wurde von Goldman Sachs aufgestuft. Die positiven Kommentare der Analysten trugen Früchte. Nicht nur Intel verbesserte sich, auch andere Chiphersteller bekamen zum Wochenauftakt Rückenwind. Die Absatzzahlen hätten gezeigt, dass die weltweite Nachfrage nicht mehr in allen Bereichen schwach sei, hieß es.

Mit Home Depot und Wal-Mart haben zwei Einzelhandelsriesen Quartalszahlen vorgelegt, die auf Zustimmung an der Wall Street stießen. Home Depot konnte die Konsensschätzungen übertreffen. Wal-Mart traf die Erwartungen des Marktes. Händler zeigten sich angesichts dieser Daten erfreut. Immerhin halten die Verbraucher ihr Portemonnaie doch nicht so geschlossen, wie befürchtet wurde. Home Depot geht sogar von weiterer Expansion aus. Wal-Mart konnte im Lebensmittelbereich gut abschneiden und machte die Rückzahlung an die Steuerzahler für die Ausgabefreude verantwortlich. "Die Daten sind gut, aber sie reichen nicht aus, um den Grundstein für eine nachhaltige Rallye zu legen", sagte ein Parkett-Händler.

In der nächsten Woche tagt die US-Notenbank, von der sich die Anleger die siebte Leitzinssenkung in diesem Jahr erhoffen. Notenbankchef Alan Greenspan könnte wieder zur Tat schreiten. Derzeit rechnet die Mehrheit der Experten damit. Vor den letzten sechs Zinssenkungen in diesem Jahr zeigten sich die Börsen sehr viel freundlicher.

Der Dow Jones-Index schloss bei 10 241 Punkten und verlor im Wochenvergleich jedoch 1,7 Prozent. Die Nasdaq gab 4,5 Prozent nach und notiert bei 1 867 Punkten.

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