"Keine Vorteile für Musikpiraten"
Vivendi/Sony starten Napster-Konkurrenz im Sommer

Reuters PARIS. Die Plattenfirmen Vivendi Universal und Sony Corp wollen nach eigenen Angaben im Sommer einen Online-Musikdienst starten, das der Online-Tauschbörse Napster Konkurrenz machen soll.

Der Leiter der Universal Music France, Pascal Negre, sagte der Nachrichtenagentur Reuters am Donnerstag über das geplante Joint Venture: "Dies ist eine Alternative zu Napster, wo wir exakt beobachten können, welche Titel angehört und heruntergeladen wurden". Der Online-Musikdienst oder "virtual jukebox" von Vivendi und Sony werde über ein Sicheheits-Netzwerk verfügen, das den Weitervertrieb über das Internet verhindere, fügte er hinzu.

Vivendi-Chef Jean-Marie Messier sagte in einem am Donnerstag veröffentlichten Zeitungsinterview, das Joint Venture habe den Arbeitsnamen "Duet". Nach Angaben von Sony wird der Sitz des Gemeinschaftsunternehmens New York sein. Der Online-Dienst werde neben den Mosiktiteln von Universal und Sony Music Lizenzen von anderen Unternehmen erwerben. "Wir hoffen, 50 % des weltweiten Musikangebots zu lizenzieren", sagte Messier. "Wir hatten öfter gedacht, dass die einzige Möglichkeit eine Allianz mit Napster wäre. Ich glaube aber nicht, dass es richtig wäre, Vorteile an Musikpiraten zu geben" fuhr Messier im Zeitungsinterview fort.

Napster hatte zuvor an die großen Musikkonzerne die Zahlung von einer Milliarde Dollar an Lizenzgebühren angeboten, die dieses Angebot die als unzureichende abgelehnt hatten. Die von Napster angebotene Summe über fünf Jahre mache keinen Sinn in einer Branche, die jährlich rund 40 Mrd. $ umsetze, hatte Sony Music am Mittwoch in Los Angeles mitgeteilt. Napster strebt mit dem Angebot eine Kooperation mit den Musikunternehmen an, die die Börse per Gerichtsbeschluss schließen lassen wollen. Die Online-Tauschbörse hat nach eigenen Angaben mehr als 60 Mill. Nutzer, die digitalisierte Musikstücke bislang kostenlos tauschen.

Die fünf großen Musikkonzerne Sony, Universal, Warner, EMI und die Bertelsmann Music Group (BMG) hatten Napster im Dezember 1999 wegen Urheberrechtsverletzungen verklagt. Bertelsmann war allerdings im Herbst aus der Reihe der klagenden Konzerne ausgeschert und eine Allianz mit Napster eingegangen. Danach soll Napster mit einem Kredit der BeCG bis Juli in ein kostenpflichtiges Angebot umgewandelt werden, anschließend soll die BMG ihre Klage fallen lassen und ihr digitalisiertes Repertoire zur Verfügung stellen.

In der vergangenen Woche war Napster von einem US-Gericht dazu verurteilt worden, seine Nutzer am Tausch urheberrechtlich geschützter Lieder zu hindern. Einer Abschaltung entging das Unternehmen allerdings zunächst, weil das Gericht den Fall an die Vorinstanz zurückverwies. Deren endgültige Entscheidung wird Anfang März erwartet.

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