Keine weiteren Verhandlungen bis zum Sommer
Verkauf der Cesky Telecom überraschend geplatzt

Tschechiens größte Telekom-Privatisierung ist vorerst gescheitert. Entgegen lancierten Presseberichten aus London entschied das Kabinett in Prag am Montagmittag, keinem der Bewerber den Zuschlag zu geben - weder der Swisscom AG, noch dem Konsortium aus Deutscher Bank AG und dänischer Telekom TDC A/S.

jow PRAG. Telekomminister Jaromir Schling unterstrich, Prag werde - zumindest bis zu den Parlamentsneuwahlen im Sommer - keine weiteren Verhandlungen mit den Bewerbern führen. Die auch im Frankfurter Freihandel notierte Cesky-Telecom-Aktie sackte nach der Bekanntgabe um nahezu 4 % auf knapp über 325 Kronen (10,74 Euro) ab.

Beide Finalisten der Privatisierung waren mit Konsortien angetreten: TDC hatte die Deutsche Bank AG und die Investment und Beraterfirma Blackstone Partners an der Seite; die Swisscom dagegen die Finanzinvestoren CVC Equity Partners und Spectrum Equity.

Zum Verkauf standen der 51prozentige staatliche Anteil von Cesky Telecom sowie weitere 27%, die sich zurzeit in der Kontrolle des niederländischen Joint-ventures Telsource befinden. An dem sind wiederum die Swisscom und der niederländische Telekomkonzern KPN NV beteiligt. KPN wollte Analysten zufolge aus dem Verkauf Mittel zur Abtragung seines Schuldenbergs gewinnen.

Aus Londoner Bankenkreisen war am Wochenende lanciert worden, die Deutsche Bank mache das Rennen. Eine Falschmeldung, wie sich herausstellte. Nun werden die Bewerber auf eine neue Ausschreibung nach den Wahlen am 14. und 15. Juni warten müssen.

Für die Cesky Telecom könnte das Warten indes gefährlich werden, so Analysten in Prag. Vor knapp zwei Wochen - also weit vor Bekanntwerden der Prager Entschidung - hatten Analysten der Deutschen Bank Research die Warnung geäußert, unter den drei mitteleuropäischen Telekomkonzernen leide Cesky Telecom am "höchsten Risiko" eines Aktienüberhangs und eines Wertverfalls auf Grund von massiven Aktienverkäufen. "Falls der Verkauf nicht standfindet", so die Analyse, "wird das Risiko des Aktienüberhangs weiterhin die Aktie überschatten."

Trotz ihrer Skepsis nahm die Deutsche Bank optimistisch ein 52-Wochen-Kursziel von 347 Kronen an - gegenüber den am Montag notierten 325 Kronen. Der richtige Aktienkurs scheint indes eine Frage des Standpunkts zu sein: Die Prager Regierung sieht ihn - inklusive Goodwill für die Marke - bei mindestens 486 Kronen und verlangt für ihr 51%-Paket deswegen 80 Mrd. Kronen (2,64 Mrd. Euro). Die Finalisten indes sahen die Aktie bei nur 365 Kronen und wollten nicht mehr als 60 Mrd. Kronen für das Staatspaket bieten.

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