"Keine Wundertüten mehr"
Hockey-Damen haben Medaillen fest im Blick

Mannschaftskapitän Marion Rodewald kann es nicht mehr hören. "Wir sind keine Wundertüten mehr", sagt die Kölnerin, "diese Mannschaft spielt viel konstanter und ist personell ganz anders zusammengesetzt." Doch der Olympiasieg von Athen begleitet die deutschen Hockey-Damen immer noch.

Die Erinnerung an den vollkommen überraschenden Triumph von 2004 kann die Mannschaft wohl nur mit einem erneuten Erfolg bei den Spielen in Peking vorübergehend verdrängen. Am Sonntag (21.00 Uhr/15.00 Uhr) startet sie gegen Großbritannien in die Spiele von 2008.

Schwerer Auftakt gegen Großbritannien

"Das ist ein sehr schwerer Auftaktgegner", weiß Bundestrainer Michael Behrmann, "Kämpfen und Laufen wird extrem im Vordergrund stehen. Ich bin deshalb froh, dass wir angesichts der hohen Temperaturen nicht so früh ran müssen." Der Hamburger ist seit Ende 2006 für das Team verantwortlich. Er löste "Goldschmied" Markus Weise ab, der zu den Männern wechselte, und baute im Wesentlichen eine neue Mannschaft auf.

Nur sechs Olympiasiegerinnen stehen noch im 16-köpfigen Kader von Peking. Behrmann holte stattdessen zahlreiche Spielerinnen, die mit ihm 2006 in Chile Vizeweltmeister bei den Juniorinnen wurden. Torfrau Kristina Reynolds, Verteidigerin Julia Müller und Stürmerin Maike Stöckel sind Leistungsträgerinnen. Dazu kommen als Gerüst die Athen-Siegerinnen Tina Bachmann, Rodewald, Natascha Keller und Fanny Rinne.

"Die Erfahrenen müssen die Neuen führen", fordert Behrmann zwar, doch der Umbruch ist längst erfolgreich vollzogen. Im Sommer 2007 gewann die Mannschaft in Manchester erstmals die Europameisterschaft, Ende 2006 siegte sie bei der Champions Trophy und belegte in diesem Jahr bei dem Turnier Platz zwei. Nichts da mit Wundertüte: Diese Mannschaft hat sich konstant in der Weltklasse etabliert.

Halbfinale als Zielvorgabe

Der Anspruch für Peking wird deshalb klar formuliert. "Wenn wir ins Halbfinale kämen, wäre das nicht unbedingt überraschend", so der Trainer. Auch Stürmerin Natascha Keller, die ihre vierten Olympischen Spiele bestreitet, ist sich der Stärke der Mannschaft bewusst: "Wir können auf alle Fälle oben mitspielen, wir haben das Potenzial."

Aber sie alle wissen, das dies keine Erfolgsgarantie ist. Nur zwei der sechs Teams in zwei Vorrundengruppen erreichen das Halbfinale und spielen dann um die Medaillen. "Wir haben eine sehr ausgeglichene Gruppe, da ist keine Mannschaft bei, die von allen weggehauen wird", meint Behrmann, "jeder kann hier jeden schlagen."

Nach der Aufgabe gegen Großbritannien folgt die Partie gegen Neuseeland am Dienstag (21.00 Uhr), dann kommen jeweils nach einem Ruhetag die USA, Mitfavorit Argentinien und Japan. "Viel wird auf den Willen ankommen und die Bereitschaft, alles zu geben", sagt der Bundestrainer, "ich bin mir sicher, dass hier nicht die technisch und taktisch beste Mannschaft Olympiasieger wird". Das war übrigens auch 2004 so.

© SID

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