Keine Zauberei
Ausblick: Im Banne des "Hexensabbats"

An diesem Freitag steht den Börsianern in Frankfurt wegen des so genannten "Hexensabbats" wieder ein lebhafter Tag ins Haus. Hinter dem mysteriös klingenden Namen steckt der dreifache Verfallstag für Terminkontrakte. Er wiederholt sich jeweils zum Quartalsende am dritten Freitag des Monats. Es geht dabei ganz nüchtern und sachlich um Finanzmathematik statt um geheimnisvolle Einflüsse auf die sonst so kühl kalkulierenden Märkte.

dpa-afx FRANKFURT. An diesem Freitag verfallen an der Eurex, dem Terminmarkt der Deutschen und Schweizer Börse, gleichzeitig der März-Future auf den Deutschen Aktienindex (Dax), die März-Optionen auf den Dax und März-Optionen auf Aktien. Dabei handelt es sich um Termingeschäfte, einer Art Wette auf den zukünftigen Verlauf der Indizes beziehungsweise Aktien.

Geschäfte zur Spekulation und Kursabsicherung

Professionelle Marktteilnehmer nutzen diese einerseits für Spekulationen mit der zukünftigen Entwicklung eines Indizes, einer Aktie oder einer Anleihe. Andererseits dient der Future- und Optionsmarkt zur Kursabsicherung von Wertpapierbeständen. Die Terminbörse Eurex führt diese beiden Interessen auf einem Markt zusammen.

So notierte beispielsweise der am Freitag auslaufende Dax-Index-Future am Donnerstagmittag bei 5.864 Zählern, während der Index für die 30 größten Werte am deutschen Markt gleichzeitig bei 5.865,95 Punkten stand. Die Marktteilnehmer rechnen folglich mit leicht fallenden Kursen am deutschen Aktienmarkt bis zum Verfallstermin. Die Terminkontrakte auf den Index werden bis 13.00 Uhr gehandelt, die Optionen auf deutsche Aktien dagegen bis 20.00 Uhr.

Händler an der Eurex gehen dabei fast sekündlich neue Positionen ein und müssen diese korrigieren, falls sie sich irren. Im positiven Fall könnten sie Gewinne verbuchen, sagte ein Händler einer Bank in Frankfurt. "Der Terminmarkt verhält sich dabei neutral", erklärte ein Analyst einer bayerischen Bank. Akteure an der Eurex versuchten, aus jeder Kursbewegung Gewinn zu schlagen. Daher könne er keine Aussage über die Richtung am Tag des dreifachen Verfallstags, der in der Börsensprache "Triple Witching Sabbat" genannt wird, treffen, sagte der Analyst.

Doppeltes Handelsvolumen

"Es wird auf jeden Fall kräftige Ausschläge nach oben sowie nach unten geben." Die Richtung der Kursbewegung sei dabei bis zum endgültigen Verfallstermin offen - die Stunde davor werde aus diesem Grund auch "Geisterstunde" gerufen, sagte der Analyst.

Da sich die Eurex-Händler jedoch laufend am Kassamarkt eindecken müssten, um ihre Positionen zu korrigieren, komme es an diesem Tag meist zu heftigen Kursaufschlägen und überdurchschnittlichen Handelsvolumina am Kassamarkt. Beim "Hexensabbat" am 15. Dezember 2000 waren beispielsweise die Umsätze mit 8,06 Mrd. Euro fast doppelt so hoch wie im Dezemberdurchschnitt.

Wegen der hohen Umsätze zucken Dax und Aktienkurse in der Regel am "Hexensabbat" noch etwas länger als an normalen Tagen. Der endgültige Dax-Schlussstand steht deshalb meist nur mit mehreren Minuten Verzögerung fest

.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%