Keine Zinserhöhung erwartet
Gurus der Wall Street wissen nicht weiter

Auf der Suche nach Erleuchtung pilgerten am Samstag mehr als 10 000 ratlose Investoren aus aller Welt in den tiefsten Mittleren Westen der USA. In Omaha/Nebraska hofften sie von dem Investment-Guru Warren Buffett eine Antwort auf die Frage zu bekommen: Wohin mit unserem Geld?

HB - NEW YORK. Der milliardenschwere Investor Warren Buffett ist jedoch genauso ratlos wie der Rest der Finanzwelt: "Wir haben mehr Geld als Ideen", sagte er seinen Aktionären, die zur Hauptversammlung seiner Investmentgesellschaft Berkshire Hathaway gekommen waren.

Besser lässt sich die Lage an der Wall Street nicht beschreiben. Es fehlt nicht an Geld, es fehlt an attraktiven Anlagemöglichkeiten. Nachdem viele Anleger bereits Anfang des Jahres das Ende der Rezession und den wirtschaftlichen Wiederaufschwung in den USA gefeiert haben, herrscht jetzt Katerstimmung. In ihrer Euphorie waren die Investoren den Realitäten so weit enteilt, dass eine Enttäuschung unvermeidlich war. Weder die Hoffnungen auf ein Durchstarten der US-Wirtschaft noch auf eine schnelle Rückkehr der goldenen Zeiten für die Unternehmen haben sich erfüllt. Die wirtschaftliche Erholung verliert nach einem fulminanten Start an Fahrt und die Firmengewinne bleiben schwach.

Die Enttäuschung und Ratlosigkeit der Anleger spiegelt sich in den Marktindizes wieder: Der Dow-Jones-Index konnte in der vergangenen Woche zwar um 1 % zulegen. Der Standard&Poor?s 500-Index gab jedoch um 0,3 % nach und die Technologiebörse Nasdaq verlor sogar 3 %. Ein Schritt vor, zwei zurück - in diesem Rhythmus bewegt sich derzeit die Wall Street.

In der kommenden Woche könnte es wieder etwas voran gehen. Die US-Notenbank wird am Dienstag vermutlich signalisieren, dass sie ihre Pläne für Zinserhöhungen vorerst zu den Akten gelegt hat. Solange die Arbeitslosigkeit weiter steigt, wird die Fed ihr Pulver trocken halten. Zumal der hohe Produktivitätszuwachs - die Zahlen für das erste Quartal kommen am Dienstag - die Inflation in Schach hält. Obwohl die Zinspause bereits eingepreist ist, kann die Fed für etwas Auftrieb sorgen.

Von den Unternehmen ist wenig Rückenwind zu erwarten. Der Netzwerkbauer Cisco wird zwar am Dienstag vermutlich ein verbessertes Quartalsergebnis vorlegen, der Ausblick dürfte jedoch von der geringen Investitionsbereitschaft der Kunden gedämpft werden.

Eine Empfehlung hatte Warren Buffett am Samstag doch noch für seine Gläubigergemeinde: Haltet euch von Massenbewegungen an den Märkten fern. Das Problem ist nur, die Masse der Anleger bewegt sich gar nicht, sondern tritt auf der Stelle.

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