Keinen "Kriegsplan" für Fusionen geschmiedet
"Harte" Dresdner nicht anfällig für Übernahmen

Die Dresdner Bank ist nach den Worten ihres Vorstandssprechers Bernd Fahrholz in Folge der jüngsten Veränderungen der Besitzerstruktur nicht stärker der Gefahr ausgesetzt, ein Übernahmeobjekt zu werden, und hat auch keinen "Kriegsplan" für Fusionen geschmiedet.

Reuters DAVOS. In einem Interview am Rande des Weltwirtschaftsforums im schweizerischen Davos sagte Fahrholz, dass die Dresdner Bank allerdings anfälliger werden könnte, sollte ihre größte Aktionärin, die Allianz AG, ihren 22-prozentigen Anteil zum Verkauf stellen. Die Allianz habe ihm aber mitgeteilt, dass sie ihre Beteiligung behalten wolle, sagte Fahrholz weiter. Fahrholz hatte den Posten des Vorstandssprechers der Bank im vergangenen April angetreten.

Das Investment-Banking-Geschäft entwickele sich nach der Übernahme der US-Bank Wasserstein Perella im vergangenen Jahr zunehmend nach "amerikanischen Stil, hart". Der Gewinn sei bislang in diesem Jahr "sehr zufrieden stellend", sagte er weiter. Obwohl sich das Geschäft im letzten Quartal 2000 etwas langsamer als in den vorangegangenen neun Monaten entwickelt habe, scheine es im Rahmen dessen auszufallen, was auch die Wettbewerber mit sinkenden Aktienkursen durchmachten, fügte Fahrholz hinzu.

Die Kooperationsgespräche, die die Allianz mit der Deutschen Bank führt, könnten zur Folge haben, dass die Dresdner Bank zu einem Übernahmeziel im sich konsolidierenden europäischen Bankensektor wird. Ein Teil der Analysten ist der Auffassung, dass eine Vereinbarung zwischen der Deutschen Bank und der Allianz einen Verkauf der Dresdner Bank durch den Versicherer nach sich ziehen könnte. "Sollte die Allianz ihre Beteiligung komplett abstoßen, erhöht dies natürlich die Anfälligkeit", sagte Fahrholz. "Aber das ist etwas, was wir bewältigen müssen", erklärte er. Gefragt nach der Wahrscheinlichkeit eines Verkaufs des Anteils durch die Allianz sagte Fahrholz: "Sie müssen (den Allianz-Vorstandsvorsitzenden) Schulte-Noelle fragen, die Allianz hat aber bislang öffentlich mitgeteilt, dass sie daran interessiert ist, den Anteil zu behalten."

Restrukturierungsplan zur Kostensenkung

Nach den zwei fehlgeschlagenen Fusionsversuchen mit der Deutschen Bank und der Commerzbank im vergangenen Jahr liege der Schwerpunkt nun darauf, den im Mai angekündigten Restrukturierungsplan zur Kostensenkung von 3,5 Mrd. Euro umzusetzen, sagte er weiter. Das Programm sieht vor, 300 Filialen zu schließen und 5000 Arbeitsplätze abzubauen. Fahrholz hatte die Maßnahmen bekannt gegeben, nachdem er die Position als Vorstandsvorsitzender im April nach dem gescheiterten Fusionsversuch mit der Deutschen Bank angetreten hatte. Fahrholz wollte nicht ausschließen, dass sich die Dresdner Bank mit einer anderen Bank zusammenschließe, Fusionen mit deutschen Banken aus dem privaten Sektor seien jedoch nun unwahrscheinlich.

"Ich bin ein Mensch, der niemals nie sagt. Sollten sich die Dinge in die Richtung entwickeln, wo wir sagen 'das ist eine gute Idee', würden wir diese Idee verfolgen", sagte Fahrholz weiter. "Aber ich sitze hier nicht mit einem Kriegsplan in meiner Hand über Fusionsarten mit anderen Banken". Deutschland müsse nun ihren staatlichen Bankensektor deregulieren, der das Privatkundengeschäft mit einem Anteil von 50 % dominiert, um mehr ausländischen Banken den Eintritt nach Deutschland zu ermöglichen, sagte er weiter. "Wir brauchen mehr Wettbewerb im deutschen Bankensektor".

Gefragt nach der jüngsten Auflösung eines großen Dresdner-Aktionärs, der wenig bekannten FGF Frankfurter Gesellschaft für Finanzwerte, die rund zehn Prozent besaß, und nach Gerüchten, wonach auch der Aktionärsblock Vermo zerbrechen könnte, sagte Fahrholz, die Veränderungen destabilisierten die Besitzerstruktur nicht und seien mit Steuerfaktoren verbunden.

Die FGF bündelt die Aktienanteile von zehn Versicherungen und Industrieunternehmen an der Dresdner Bank. Wie die Düsseldorfer Vermo Vermögensverwaltungsgesellschaft hielt sie ursprünglich zehn Prozent an dem Kreditinstitut. Wegen der Kapitalerhöhung, die im Zuge der Übernahme des US-Investmenthauses Wasserstein Perella Anfang Januar vorgenommen worden war, sinkt der Anteil der so genannten Vorschaltgesellschaften FGF und Vermo unter zehn Prozent. Medienberichten zufolge hält die FGF derzeit 9,4 % der Dresdner Bank.

Steuerliche Vorteile

Die Aktionäre hatten die Vorschaltgesellschaften gegründet, um steuerliche Vorteile zu nutzen. Diese entfallen jedoch im Zuge der Steuerreform 2002. Branchenkreisen zufolge sind an der FGF unter anderen das Bauunternehmen Bilfinger+Berger sowie der Energiekonzern E.ON und die Rückerversicherung Münchener Rück beteiligt. Vermo soll Zeitungsberichten zufolge nur noch 9,5 % der Anteile besitzen und könnte sich auch auflösen. Fahrholz sagte, ihm sei nicht bekannt, dass Käufer an die einzelnen FGF-Aktionäre herangetreten seien.

Auf die Frage nach dem Ergebnis des letzten Quartals sagte Fahrholz: "Ich würde sagen, wir sind nicht weit von unseren Plänen entfernt. Ich sage nicht, dass es übertrieben gut ist, aber ich sage, dass es im Rahmen dessen liegt, was wir in unserem Budget geplant haben". Das Dresdner-Privatkundengeschäft sei bis September "extrem gut" gewesen, dann habe es sich etwas verlangsamt. "Schaut man sich die zwölf Monate an, sind wir mehr als zufrieden", sagte er. Insgesamt seien die Ergebnisse der Dresdner Bank für 2000 jedoch von den Kosten in Höhe von 500 Mill. Euro im Zusammenhang mit dem Scheitern der Fusion mit der Deutschen Bank belastet worden.

Zur Strategie der Dresdner Bank sagte Fahrholz, dass sich die Bank auf Europa konzentrieren wolle, jedoch global expandieren wolle, besonders im Beratungsgeschäft. "Wie kann man einen führenden europäischen Kunden in einem bestimmten Sektor beraten, ohne das Wissen zu haben, was auf dem größtenKapitalmarkt, der die USA sind, passiert? Das ist genau der Hintergrund, warum wir Wasserstein erworben haben", sagte er abschließend.

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