Kennzahlenstudium hilft nur bedingt
Vor der Wahl der Aktie steht die Qual der Bewertung

Der Traum vom einfach verdienten Geld am Neuen Markt ist ausgeträumt. Denn Anleger, die sich vor ihrer Anlageentscheidung richtig kundig machen wollen, müssen viel Zeit mitbringen. Einfache Bewertungsregeln scheinen vor allem bei Wachstumswerten nicht zu greifen. Doch sie bieten zumindest Anhaltspunkte.

FRANKFURT/M. Sogar das zwischenzeitlich verpönte Kurs-Gewinn-Verhältnis wird zumindest wieder als Richtspur akzeptiert, nachdem Bewertungsmaßstäbe wie Clicks je Seite bei Internetunternehmen oder die Zahl der Verträge bei Telekommunikationsfirmen sich als nur sehr begrenzt aussagefähig erwiesen haben. Parameter wie die PEG-Ratio, die zusätzlich zu Kursen und Gewinnen die Wachstumsdynamik berücksichtigt, werden zwar weiter benutzt, sind aber umstritten.

Auch bewährte Kennzahlen bieten Orientierung

Aber auch bewährte Kennzahlen können - isoliert betrachtet - nach Expertenmeinung an einem von Firmen- und Branchenkonjunkturen geprägten Technologiemarkt maximal Orientierung bieten. So kann auch für den Neuen Markt ein Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) von unter 10 zumindest eine günstige Bewertung signalisieren. Nach Meinung von Ingo Queiser von Julius Bär ergibt sich eine Aussagekraft aber erst im Branchenvergleich. Denn ein niedriges KGV kann auch ein Warnsignal sein, betont Robert Suckel von SES Research, das darauf hindeutet, dass das Unternehmen Probleme hat. Doch auch wenn es eine Momentaufnahme ist, die wie Dieter Schwarz von Consors Capital bemerkt, keinen Aufschluss beispielsweise über zyklische Entwicklungen gibt, sehen auch Christian Kahler von der DZ Bank und Thomas Effler von der Commerzbank die KGV-Betrachtung als Möglichkeit für Privatanleger, sich ein Gefühl für die Bewertungen zu verschaffen. Suckel schränkt zwar ein, dass das KGV kursbewegende Ereignisse beispielsweise politischer Natur nicht widerspiegelt. Er hat jedoch beobachtet, dass sich "viele Werte in Abwärtsphasen bei einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von etwa 10 gefangen haben".

Um sich ein erstes Gefühl für eine Bewertung zu verschaffen, schlagen Schwarz und Thilo Hasler von der Hypovereinsbank den Anlegern vor, sich das Verhältnis von Marktkapitalisierung und Umsatz anzusehen. Beide Daten sind einfach zu erhalten und geben im Konkurrenzvergleich Anhaltspunkte, die ein Investor hinterfragen kann. Gleiches gilt zumindest bei den bereits profitablen Unternehmen für den Gewinn je Aktie. Die Schwierigkeit dabei: Es reicht nach Meinung von Maximilian Schoeller von Merck, Finck & Co. nicht, nationale Wettbewerber zu vergleichen. Ergeben sich aus den Betrachtungen präzise Fragen, "so sollte sich ein Privatkunde nicht scheuen, auch den Investor Relations Manager eines Unternehmens anzurufen. Das ist schließlich sein Job", rät Hasler.

Aussagekraft der PEG-Ratio ist umstritten

Uneinig sind sich die Experten über die Aussagekraft der PEG-Ratio. Julius-Bär-Stratege Queiser bezeichnet sie als "großen Unfug ohne finanztheoretische Fundierung", die lediglich herangezogen worden sei, um in der Vergangenheit Übertreibungen zu verschleiern. Andere Experten halten sie jedoch bei besonders wachstumsstarken Unternehmen für einen sinnvollen Bewertungsmaßstab. Nach Werten von 1,5 bis 2, die in der Vergangenheit als tragbar galten, empfiehlt Kahler, heute höchstens PEG-Ratios von 1 bis 1,2 zu akzeptieren.

Am Neuen Markt ist Liquidität besonders wichtig

Einig sind sich alle Experten darüber, dass gerade am Neuen Markt die Liquidität eine große Rolle spielt. Sie lässt sich von Quartalsbericht zu Quartalsbericht verfolgen und die "Cash-Burner können so aussortiert werden", sagt Consors-Experte Schwarz. Zurzeit gebe es sogar Unternehmen, die profitabel seien und dennoch unter dem Wert ihrer Cash-Positionen notieren - für Suckel ein weiterer Hinweis auf eine günstige Bewertung. Außerdem, darauf weist Effler hin, sei es wichtig, das Unternehmen über einen längeren Zeitraum zu verfolgen. So könne die Gewinnentwicklung über mehrere Quartale unter Berücksichtigung von Saisonalitäten Aufschluss über Erfolgsaussichten bieten.

Eines wichtiges Bewertungsinstrument für Experten ist die Discounted-Cash-Flow (DCF)-Methode. Mit ihr wird versucht, sich dem fairen Wert anzunähern, indem der Analyst prognostiziert, welche Überschüsse eine Gesellschaft künftig entzogen werden könnten, ohne dessen Existenz zu gefährden. Diese Überschüsse werden abgezinst und der errechnete Unternehmenswert mit dem Marktwert und dem der Konkurrenz verglichen. Privatanlegern, die dies nicht leisten können, bleibt die Chance, verschiedene Studien zu einem Wert zu vergleichen. "Eine überdurchschnittliche Rendite setzt hohen Arbeitseinsatz voraus", resümiert Hasler.

Ad-hoc-Meldungen und Quartalsberichte: deutsche-boerse.com/nm/

Konsensusschätzungen: href="http://informer2.comdirect.de/index.html" target="_blank"> informer2.comdirect.de/index.html

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