Kenteris triumphiert im Stillen
200-Meter-Skandal erhitzt Gemüter

Die Funktionäre sprachen von einer "Schande", Kostas Kenteris triumphierte und die griechischen Medien gingen mit ihren Landsleuten hart ins Gericht. "Unser Land ist international lächerlich gemacht worden", schrieb die Tageszeitung "Eleftherotypia".

HB ATHEN. Einen Tag nach dem Skandal beim olympischen 200-Meter-Endlauf hatten sich die Gemüter längst nicht beruhigt. "Das war ein unfaires Verhalten der Zuschauer. Es hat sich vor allem gegen die Athleten gerichtet, die nichts dafür können", rügte IOC-Präsident Jaques Rogge in Athen die Gastgeber der Spiele.

In Mytilini auf der Insel Lesbos, dem Heimatort von Kostas Kenteris, fand die Gegendemonstration statt: Etwa 50 Personen sahen sich auf einer Leinwand die Aufzeichnung des Endlaufs von Sydney an und jubelten, als der Grieche als Erster durchs Ziel rannte. Reminiszenz an einen gestürzten Volkshelden.

"Das war das Beste, was ich seit Jahren gehört habe", sagte Kenteris in einem Radiointerview. "Das Verhalten des Publikums bestätigt mich nur." Der des Dopings verdächtigte Sprinter fehlte zwar bei seinem Heimspiel, darf aber nach Olympia wieder laufen, so lange die Untersuchungen des Leichtathletik-Weltverbandes IAAF nicht abgeschlossen sind. "Alles, was ans Tageslicht gekommen ist, werden wir nüchtern nach den Spielen analysieren", kündigte auch Griechenlands Staatssekretär für Sport, Giorgos Orfanos, an.

Höchst emotional ging es im Olympiastadion zu: "Hellas, Hellas" und "Kenteris, Kenteris" tönte es ohrenbetäubend durch die Arena. Dazwischen gab es gellende Pfeifkonzerte vor allem für die amerikanischen Athleten. "Das ist eine Schande und Missachtung des Sports", ärgerte sich IAAF-Vizepräsident Helmut Digel. Der Start musste immer wieder verschoben werden. Frankie Fredericks (Namibia) schaute in das weiß-blaue Fahnenmeer und flehte mit gefalteten Händen um Ruhe.

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