Kernkapitalquote ist zu niedrig: Hypo-Vereinsbank sucht frisches Kapital

Kernkapitalquote ist zu niedrig
Hypo-Vereinsbank sucht frisches Kapital

Auch der Verkauf der Hamburger Vereins und Westbank - wird nicht ausgeschlossen.

p>cbu MÜNCHEN. Dieter Rampl ist schwer unter Druck. Von hundert Tagen Schonfrist in seinem neuen Job, wie es früher Tradition war, kann der frisch gebackene Vorstandssprecher der Hypo-Vereinsbank (HVB) nur träumen. Der Münchener mit österreichischem Pass muss den Bankriesen schnell wieder auf Kurs bringen.

Viel Gutes wird von Beobachtern nicht erwartet, wenn Rampl an diesem Mittwoch die vorläufigen Zahlen für das abgelaufene Geschäftsjahr veröffentlicht. Und für 2003 ist auch keine Entspannung in Sicht. "Wir betrachten weiter die Ertragsschwäche als das Thema für 2003", schreiben die Experten von Merrill Lynch in einer Studie zum europäischen Bankenmarkt. Commerzbank und Deutsche Bank veröffentlichten bereits rote Zahlen für das abgelaufene Quartal. Auch die Dresdner Bank kämpft mit Verlusten, die Allianz wird ihre Zahlen erst Mitte März bekannt geben.

Das größte Problem von HVB-Chef Rampl: Er braucht dringend frisches Kapital. Die Kernkapitalquote (Kernkapital zu Risikoaktiva) ist zuletzt auf unter 6 % gesunken und liegt damit Besorgnis erregend niedrig. Bis Ende 2003 soll sie wieder auf über 7 % steigen, so das Ziel Rampls, der dazu auch Risikoaktiva von rund 100 Mrd. Euro aus der HVB-Bilanz ausgliedern will. Die Verbesserung der Kapitalquote ist lebenswichtig. Denn die Ratingagenturen stuften die HVB wegen der schlechten Quote bereits nach unten. Das macht die Refinanzierung teurer und bringt die Ertragslage unter Druck, wodurch wiederum die Ratingagenturen skeptischer werden - ein Teufelskreis.

Um die 7 % zu erreichen, braucht Rampl nach Schätzungen von Analysten mindestens eine Mrd. Euro. Eine Kapitalerhöhung schloss der HVB-Chef kategorisch aus, weshalb er jetzt wohl Tafelsilber verkaufen muss. Diese Strategie verfolgte zuletzt auch Branchenführer Deutsche Bank. Deren Chef, Josef Ackermann, polierte die Bilanz 2002 mit Verkaufserlösen von etwa 3,5 Mrd. Euro auf.

"Es gibt keine heiligen Kühe", hatte Rampl erst vor wenigen Wochen angekündigt und damit alles auf den Prüfstand gestellt. So soll die Norisbank in Nürnberg verkauft werden, wodurch bis zu 300 Mill. Euro in die Kasse kommen könnten. Auch die Hamburger Tochter Vereins und Westbank - steht wohl auf der Verkaufsliste. Georg Kanders von der WestLB geht davon aus, dass es Interessenten für die Regionalbank gibt und ein guter Preis erzielt werden könnte. In die bundesweite Präsenz der HVB würde ein Verkauf der Vereins und Westbank - mit immerhin etwa 170 Filialen in Norddeutschland allerdings ein großes Loch reißen. Dieses Loch könnte indessen bei einer späteren Fusion mit der Commerzbank, die von einigen erwartet wird, leicht wieder geschlossen werden.

HVB-Chef Rampl sitzt auch noch auf zwei großen Aktienpaketen der Allianz (unter 5 %) und der Münchener Rück (gut 13 %). Beide Beteiligungen gelten aber wegen des drastischen Kursverfalls um über 60 % als nahezu unverkäuflich.

Negativ überraschen könnte am Mittwoch die Risikovorsorge für 2002. Ende Oktober hatte Finanzvorstand Wolfgang Sprißler von 3,3 Mrd. Euro gesprochen und angefügt, es sei offen, ob das schon das Ende der Fahnenstange sei. Jetzt wird mit einem weiteren, leichten Anstieg gerechnet. Zum einen rollt die Insolvenzwelle unvermindert und die HVB hat mit über 400 Mrd. Euro das größte Kreditbuch in Europa. Zum anderen sind erhöhte Wertberichtigungen durch die Abspaltung der gewerblichen Immobilienfinanzierung zu erwarten.

Der Aktienkurs der HVB litt zuletzt außerordentlich stark. Besonders schmerzhaft: In der vergangenen Woche rutschte das Papier kurzzeitig unter die Marke von zehn Euro. In den vergangenen zwölf Monaten verlor die Münchener Großbank rund 70 % an Wert - und schnitt damit auch in der krisengeschüttelten europäischen Geldbranche mit am schlechtesten ab.

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