Kerpener will sich nötige Zeit zur Gesundung nehmen
Schock für Schumi II: Zwei Wirbelbrüche

Schöne Bescherung für Ralf Schumacher an seinem Geburtstag: Der Crash in Indianapolis hat doch schlimmere Folgen als zunächst angenommen. Die Saison ist für den den Williams-BMW-Piloten Kerpener nach dem niederschmetternden medizinischen Befund wohl gelaufen.

HB STUTTGART/MÜNCHEN. Spezialisten der Sportklinik in Bad Nauheim haben bei einer erneuten Untersuchung "zwei Frakturen der Wirbelsäule" festgestellt, teilte Schumacher-Manager Willi Weber am Mittwoch mit. Und Ralf Schumacher, der am Mittwoch 29 Jahre alt wurde, musste einen dramatisch klingenden Befund verkraften. "Der Hammer" sei die Diagnose gewesen, "ich war ziemlich schockiert", erklärte er niedergeschlagen: "Um ehrlich zu sein, hab' ich mir meinen Geburtstag so nicht vorgestellt."

Schumacher fällt nicht nur - wie allgemein erwartet - auf Grund der Folgen des Indianapolis-Unfalls vor zehn Tagen beim Großen Preis von Frankreich an diesem Wochenende in Magny-Cours aus. So wie es aussieht, kann er in diesem Jahr gar keinen Grand Prix mehr bestreiten. Für die Fortsetzung der Karriere gab Schumacher-Arzt Johannes M. Peil aber grünes Licht. "Nach acht bis zwölf Wochen sind solche Frakturen, die nicht so selten sind, gut ausgeheilt", sagte er auf dpa-Anfrage.

Nach Ansicht von Peil kann Ralf auch in diesem Jahr wieder ins Auto steigen: "Wenn alles verheilt ist, sehe ich kein Problem." Das Saisonfinale findet am 24. Oktober in Sao Paulo statt, Schumacher könnte im günstigsten Fall die letzten beiden Grand Prix in Japan (10. Oktober) und Brasilien bestreiten. In den nächsten Wochen wird Schumacher den Angaben zu Folge weiter in Bad Nauheim behandelt.

In Magny-Cours wird er von dem spanischen Ersatzfahrer Marc Gené vertreten, der bereits im Vorjahr in Monza kurzfristig für den Kerpener eingesprungen war. Die Entscheidung, wer in den folgenden Rennen neben Juan Pablo Montoya für Williams fahren wird, werde zu einem späteren Zeitpunkt fallen, teilte das Team mit.

Trost erhielt der Kerpener von seinem Bruder Michael und seinem Chef. "Es tut gut, dass sich mein Bruder immer wieder meldet und fragt, wie's mir geht. Und auch Frank Williams hat angerufen und gemeint, ich solle erst einmal richtig gesund werden und dankbar sein, dass ich so viel Glück gehabt habe", erklärte Ralf auf seiner Homepage (www.ralf-schumacher.de).

Die Nachricht löste bei seinem Team, aber auch bei der Konkurrenz Betroffenheit aus. "Es tut uns natürlich sehr leid für Ralf. Vor seinem Unfall in Indianapolis hatte er in Montréal gerade sein bestes Saisonrennen gezeigt. Wir hatten uns gemeinsam für die zweite Saisonhälfte sehr viel vorgenommen", sagte BMW-Motorsportdirektor Mario Theissen. "Es ist natürlich ein Jammer, dass meine Einsätze immer das Pech eines Kollegen bedingen", meinte Gené. "Das tut mir sehr leid für Ralf. Ich hoffe, dass er bald vollständig genesen sein wird und dann wieder Formel-1-Rennen fahren kann", sagte Mercedes- Motorsportchef Norbert Haug der dpa.

Ralf Schumacher hatte nicht mehr mit so schlimmen Folgen seines schweren Unfalls beim Großen Preis der USA am 20. Juni gerechnet. Mit 326,6 km/h war er wegen eines geplatzten Hinterreifens im Scheitelpunkt der Steilkurve rückwärts in spitzem Winkel in die Betonmauer geprallt. Bei den bisherigen Untersuchungen hatten die Ärzte lediglich eine schwere Gehirnerschütterung und Prellungen im Rückenbereich festgestellt. Er sei in der Klinik in Indianapolis von Kopf bis Fuß untersucht worden, so Ralf heute: "Bei dem Unfall bin ich offenbar knapp an einer Katastrophe vorbeigeschrammt."

Warum die Frakturen mit zehn Tagen Verspätung festgestellt wurden, konnte auch der aktuelle Arzt nicht erklären. "Wir sind mit der Untersuchung beauftragt worden und haben sie so durchgeführt, wie wir es gewohnt sind. Dann ist dieses Ergebnis herausgekommen. Ich weiß nicht, was vorher gemacht wurde", sagte Peil der dpa.

Ralf Schumacher will sich nun die nötige Zeit nehmen. "Auch wenn ich natürlich den Augenblick herbeisehne, wo ich wieder im Auto sitze, so zählt für mich im Moment nur, wieder gesund zu werden." Offensichtlich hat er die Konsequenzen aus seinem verfrühten Comeback im Vorjahr gezogen. Nach einem schweren Testunfall in Monza wollte er im September 2003 wenige Tage später zum Grand Prix antreten. Wegen starker Schmerzen musste er nach dem Freitagtraining aufgeben.

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